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"Multimedia", das Modewort der 90er Jahre. Alles musste vertont, bunt und bewegt sein. Bei mobilen
Geräten ist zumindest die Unterstützung von Audio-, Video- und Bilddateien Standard, eine Integration
mit der nicht-EDV-Welt allerdings eher dürftig.

Nachdem Microsoft mit der Windows Media Center Edition und den in den USA bereits verfügbaren, in Europa
bald kommenden Portable Media Center Editions wie dem Creative Nomad den ersten Schritt gegangen ist, hat sich
HP mit dem iPAQ rx3715 eine etwas andere Nische ausgesucht: Der PDA als Multimedia-Fernbedienung für die heimische
Stereoanlage.
Die technischen Daten entsprechen dem momentanen Standard: Bluetooth, WLAN (802.11b), ein SDIO-Slot, ein QVGA-Display
(320*240), 64MB RAM und 96MB freies ROM (zusammen also knapp 150MB benutzerverfügbarer Speicher), Windows
Mobile 2003SE als Betriebssystem und einen 400MHz-Prozessor.

Für den Multimediabereich kommen noch hinzu: eine 1.2 Megapixel Digitalkamera (integriert in den Rücken
des Geräts) plus eine Consumer Infrarot-Schnittstelle, die im Gegensatz zur normalerweise in Pocket PCs verwendeten
eine deutlich erhöhte Reichweite hat.
Dieser Test geht rein auf die Multimediafähigkeiten des iPAQ rx3715 ein, die das Gerät zu einem eigenen
und momentan einzigartigen PDA machen:
Statt eines normalen Heute-Bildschirms startet der iPAQ rx3715 mit einer eigenen Multimedia-Oberfläche, die
den Zugang zu den wichtigsten Funktionen erlaubt:

1.) Photo Smart Kamera
Der iPAQ rx3715 ist neben dem LOOX 720 einer der ersten PDAs, der eine Digitallamera eingebaut hat. Nach den ersten
Erfahrungen mit den 1.2/1.3 Megapixel-Exemplaren im Motorola MPx220 und dem LOOX 720 waren meine Erwartungen über
die Qualität der Bilder extrem niedrig, um so überraschter war ich über die tatsächliche Qualität,
die die Photosmart-Kamera bringt. In der maximalen Auflösung von 1280*960 Bildpunkten ist man zwar noch von
einer "echten" Digitalkamera entfernt, aber die geschossenen Bilder sind bis in die Ecken scharf, farbtreu
und durchaus zum Ausdruck verwendbar. Dies liegt sicherlich auch daran, dass die Linse deutlich größer
ist als bei den bisherigen Vergleichsgeräten, und von der Verarbeitung her deutlich hochwertiger aussieht.

Wie damals beim MDAII wird das komplette Display als Sucher verwendet, der PDA im Querformat ist dank einer
kleinen Gummigrifffläche unten an der Kamera und dem Foto-Button wie ein normaler Fotoapparat verwendbar.
Durch die starre Linse ist nur ein Digitalzoom (4fach) verwendbar, der aber massiv auf die Qualität der Bilder
schlägt. Ein Klick auf das kleine Bild unten lädt die originale Version.
Nicht integriert ist ein Blitz, hält man das Gerät in schlechten Lichtverhältnissen ruhig, dann
kann man aber trotzdem noch scharfe Bilder hinbekommen und durch Nachbearbeitung entsprechend aufwerten. Der iPAQ
warnt durch ein kleines Symbol mit einer wackelnden Hand davor, wenn die Lichtverhältnisse kritisch sind.

Neben der reinen Foto-Applikation können Videos bis zu einer Auflösung von 320*240 geschossen und
wiedergegeben werden.
HP hat dem iPAQ rx3715 wie den anderen neuen Modellen die hauseigene Drucklösung HP Printing beigelegt, darüber
können Bilder direkt ausgedruckt werden. Wer stattdessen eine Mail mit angehängtem Bild verschicken möchte,
der hat aus der Software heraus direkt die Möglichkeit dazu.

2.) Fernsteuerung
Wer einen iPAQ 5450 hatte, der erinnert sich sicherlich noch an Nevo als lernbare Universal-Fernbedienung für
unterschiedlichste Endgeräte. Durch die integrierte Consumer-Infrarotschnittstelle ist die Reichweite den
Infrarotsensors deutlich erhöht, statt den üblichen 60-80cm können bis zu 6 Meter überwunden
werden. In Verbindung mit einer entsprechenden Software (eben Nevo Home Control) kann der PDA als komplette Ablösung
des bisherigen Fernbedienungschaos dienen.

Nevo hat dazu für verschiedenste Hersteller und Gerätetypen bereits Voreinstellungen an Bord, die
als Grundlage genommen werden. Man wählt Typ des Geräts (Fernseher, Home Entertainment, DVD, SAT) und
die Marke aus, bekommt dann eine Liste mit verschiedenen Einstellungen (identifiziert durch Nummern, nicht durch
Typenbezeichnungen). Vier Probetasten müssen dann ausprobiert werden, reagiert das zu bedienenden Endgerät
darauf, dann hat man die richtige Einstellung gefunden. Nevo Home Control stellt dann die wichtigsten Tasten auf
einer oder mehreren Bildschirmseiten zur Verfügung. Die Erfahrung zeigt, dass bei diesen allgemeinen Profilen
einige Tasten fehlen, andere zu viel sind und manche gar vorhanden sind, vom Gerät aber nicht akzeptiert werden.
Kein Problem: Jede einzelne Taste kann gelöscht werden, an eine andere Position verschoben werden und Neue
Tasten können hinzugefügt werden. In letzterem Fall bzw. bei Tasten, auf die das Gerät nicht reagiert,
kommt die Lernfunktion zum Tragen:

Die Taste auf dem Pocket PC wird ausgewählt, die Infrarotschnittstellen von iPAQ und der echten Fernbedienung
aufeinander ausgerichtet und dann die Taste, die gelernt werden soll, gedrückt. Nevo Home Control liest den
Infrarotcode und weist ihn der virtuellen Taste der Software zu, und schon kann auch diese Funktion des Endgerätes
mit dem iPAQ angewählt werden.
Für HomeCinema-Anlage, SAT-Receiver, Fernseher und DVD-Recorder dauerte die Programmierung gerade mal eine
Viertelstunde, seitdem sind die Original-Fernbedienungen in die Schublade verbannt. Steht das zu bedienende Gerät
nicht gerade auf dem Boden, dann kann der iPAQ bequem leicht auf den Benutzer zugeneigt gehalten werden und die
Geräte reagieren trotzdem noch.
3. Mobile Medien
Die Funktion erfordert die Installation und die Ausführung zweier Komponenten auf dem PC: Nevo Media Server
und Nevo Media Player. Zusätzlich muss eine Wireless-Infrastruktur bereit stehen, also ein PC, der verkabelt
oder Wireless erreichbar ist und ein WLAN, über das der iPAQ diesen erreichen kann.
Der Nevo Media Server ist die Schnittstelle zwischen den Mediendaten auf dem PC und dem iPAQ.

Nach der Installation können die Verzeichnisse für Video-, Musik- und Bilddateien angegeben werden,
der Server baut dann eine Datenbank der einzelnen Titel auf und aktualisiert diese auf Wunsch bei jedem Start.
Leider können nur lokale Laufwerke verwendet werden. Wer seine Mediendaten im Netzwerk liegen hat, muss eine
lokale Kopie auf den Medienserver anlegen. Ist die Bibliothek einmal erstellt, dann kann über iPAQ Mobile
Media eine Menge mit den darin enthaltenen Dateien angefangen werden:
Über "Medienkontrolle" kann die Wiedergabe der Mediendateien auf dem Server gestartet werden. Dazu
muss der Nevo Media Player gestartet sein, alle Dateien werden dann in ihm wiedergegeben. Im Testsetup hing der
Media-PC am Fernsehern, der Audio-Ausgang direkt an der Stereoanlage. Ohne, dass ein Eingriff am PC nötig
war, und ohne eingeschalteten Fernseher konnten beliebig MP3-Dateien abgespielt und gehört werden. Der iPAQ
zeigt den aktuellen Titel an, die Position im Titel, die Lautstärke lässt sich remote regeln, etc.
 
Einziger Wermutstropfen: bei allen CDs wurden die Titel genau in umgekehrter Reihenfolge angegeben. Normalerweise
kein Problem, nur bei Konzeptalben ärgerlich. Bisher konnte auch der Nevo-Support keine Lösung dafür
liefern.
Wer seine Mediendateien nicht auf dem PC, sondern auf dem iPAQ verwenden will, der kann über die Medienübertragung
einen Stream vom Media-PC über das WLAN auf den iPAQ starten. Vom Grundsatz her eine geniale Idee, die aber
an zwei Punkten Probleme bereitet: zum einen werden nur "lizenzfreie Medien" übertragen, im Audio-Bereich
also nur WMV-Dateien, nicht aber MP3-Files, was die Nutzung schon stark einschränkt. Zum anderen muss die
Bandbreite des Netzwerks ausreichen, bei Traffic im Netz bzw. geringer Netzwerkgeschwindigkeit kommt es durchaus
vor, dass Filme, die gestreamed werden, ruckeln.

Die Nutzung als portabler MP3-Player ist Gott sei dank nicht ganz ausgeschlossen, mit der Option "Medienkopie"
können beliebige indizierte Mediendateien vom Server in den internen Speicher oder eine Speicherkarte des
iPAQs herüberkopiert werden und dann vollkommen ohne Einsatz des Servers verwendet werden.
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