Testbericht:
PGF Battery für iPAQ 36xx

Schon die Ankündigung sorgte für ein wohliges Schauern bei vielen Besitzern der iPAQ 3660 und 3630: Kingrex aus Taiwan produzieren für diese Geräte eine 2100 mAh-Stunden Batterie, ganze 1200 mAh mehr als die interne serienmäßige. Gerade zu einem Zeitpunkt, wo bei vielen iPAQs der ersten Stunde die Batteriekapazität rapide abnimmt, kommt ein solches Zubehör natürlich wie gerufen. Jetzt endlich sind die ersten PGF´s ausgeliefert.

PGF unterteilt sich in zwei Komponenten: Zum einen ist da die Batterie selbst, die wie die originale iPAQ-Batterie eine Lithium-Polymer-Batterie ist. Unten rechts die originale Compaq-Batterie, links PGF.

Nun hat der iPAQ im Gegensatz zu den Konkurrenten mit eigener Backupbatterie einen kleinen "Nachteil": Ab einem bestimmten Ladezustand schaltet der iPAQ ab, verweigert den Betrieb und verwendet die restliche Kapazität zum Schutz der vorhandenen Daten. Die Elektronik des iPAQ kommt mit der höheren Kapazität der PGF ein wenig durcheinander, überproportional mehr der zusätzlichen Kapazität wird für die Sicherung der Daten verwendet. Kingrex stellt dies in folgendem Chart dar:

Um diesen "Mißstand" abzustellen hat Kingrex Hyperdrive entwickelt, eine kleine Soft-Platine, die an vier Stellen des iPAQ angelötet werden muß und die Verteilung der Bateriekapazität auf Betriebs- und Backup-Teil optimiert. Die Tatsache, daß Hyperdrive ein optionales Teil ist, stellt schon dar, daß sie für den Betrieb der PGF nicht notwendig ist.

Da die Anleitung des Austauschs der Batterie auf der Kingrex-Seite in Englisch und nicht sehr ausführlich dargestellt ist, hier eine kleine Anleitung. Durch Anklicken der kleinen Bilder wird die große Version geladen.


1.) Vorkehrungen
Jedem, der seinen iPAQ öffnet, sollte klar sein, daß damit automatrisch jedewede ggf. noch bestehende Garantie erlischt. Weder Kingrex noch ich übernehmen eine Garantie oder Haftung für Schäden, die am Gerät entstehen!
Machen Sie in jedem Fall vorher ein Backup des Geräts, ist der Akku einmal entfernt, dann ist der Speicher komplett gelöscht (da ja damit auch der "Backupstrom" abgeschaltet ist).


2.) Das Öffnen des iPAQ
Dem Paket liegt ein Torx-Schlüssel bei, mit dem die vier Schrauben auf der Rückseite des iPAQ gelöst werden können. Vorder- und Rückseite sind durch Clips miteinander verbunden (siehe linke auf der linken und rechten Seite die kleinen roten Clips). Am einfachsten kann man den iPAQ öfnnen, indem man mit einem dünnen und harten Gegenstand (z.B. dünne Klinge) ca. 2cm vom unteren Rand zwischen Vorder- und Rückschale ansetzt und "ein wenig prockelt". Je vorsichtiger man ansetzt, desto weniger bleibt als Kratzer zurück. Nachdem ich einmal den Ansatzpunkt gefunden hatte (was ein paar wenige Kratzer verursachte) ging das Öffnen vollkommen unproblematisch.

Nun muß der Platinenstecker am Flachbandkabel entfernt werden, um Vorder- und Rückseite trennen zu können. Die Originalbatterie kann nun entfernt werden, indem sie einfach abgezogen wird (sie ist mit doppelseitigem Klebeband befestigt). Kingrex empfiehlt nun, die neue Batterie in den Deckel zu drücken, es hat sich aber als sinnvoll erwiesen, erst später zuerst den Platinenstecker auf dem Mainboard anzuschließen und die Batterie auf der Platine glatt hinzulegen, danach den hinteren Deckel wieder zu befestigen. Gefahr bei der "offiziellen" Version: das Verbindungskabel zur Platine liegt nicht glatt und bekommt einen Bruch.

Zwei Dinge, auf die man in jedem Fall achten muß: unten ist die Abdeckung des Hardware-Powerschalters, also des kleinen DIP-Schalters, der die Spannungsversorgung komplett ausschaltet. Oben findet sich die Stifthalterung, die ebenfalls in den iPAQ "hineingelegt" ist, also beim Öffnen des Gehäuses lose liegt. Schaut man sich letztere an, dann ist schon recht klar, warum diese so oft ihren Dienst versagt: Einfaches, billiges Plastik:


3.) CPU-Kühler und Hyperdrive
Wer dann noch nicht genug hat, der kann zum nächsten Schritt übergehen. Der Prozessor liegt auf der unzugänglichen Seite des Mainboards, dirket vor dem TFT. Um ihn zu erreichen und den bei PGF beiliegenden Kühler anbringen zu können, muß die Hauptplatine gelöst werden. Dazu sind zwei Dinge nötig: Zum einen muß das Anschlußkabel zur Kopfhörerbuchse abgelötet werden. Relativ problemlos, die beiden Kabel finden sich im Bild oben oben rechts im gelben Kreis. Zum anderen muß der Anschlußstecker des TFTs gelöst werden (der weiße Stecker im Bild links unter dem grünen Platinenteil).
Ist dies geschehen, dann kann die Platine vorsichtig angehoben werden. Kingrex schlägt vor, die Flachbandkabel, die am oberen Ende zwischen Platine und TFT liegen zu lösen, die Anwendung zeigt, daß sie auch problemlos drin bleiben können und man die Vorderschale des iPAQ hinstellen kann:

In der Mitte des Mainboards sieht man den Prozessor, der von einer Aluabdeckung geschützt ist. Diese kann durch Ablöten der vier Lötstellen gelöst werden und durch die der PGF beiliegenden Kupfer-Film-Abeckung ersetzt werden. Nötig ist dies nicht, aber da Kupfer hitzeresistenter ist und zusätzlich vor Interferenzen schützt, scheint der Tausch sinnvoll. Ich muß zugeben, daß mich die eng beieinanderliegenden Kontakte davon abgehalten haben, diesen Tausch vorzunehmen. Einen Nachteil habe ich noch nicht erkennen können.

Die Elektronik, die für die Aufteilung von Backup- und Betriebsbatterie zuständig ist, findet sich nun auf der linken Seite der Platine. Hyperdrive muß an vier Stellen angelötet werden, dies ist sehr ausführlich auf der Kingrex Seite beschrieben (inkl. großer Fotos). Die Stellen, an denen gelötet werden muß, liegen teilweise auf Chips, bei denen der nächste Pin weniger als einen Millimeter entfernt liegt. Nicht meine Welt, definitiv nur zu empfehlen für Leute, die mit Lötpistole und -zinn umzugehen gewöhnt sind.

4.) Der Zusammenbau
Wer den Schritt drei ausgeführt hat, der legt nun die Hauptplatine wieder in die Vorderschale des iPAQ, in jedem Fall ist aber darauf zu achten, daß alle Flachbandkabel, die TFT und Platine noch verbinden, in ihren Steckern sind!
Der TFT-Stecker muß wieder in die Buchse gesteckt werden, was am besten geht, wenn die Platine schon flach liegt. Ein wenig fummelig, aber machbar. Dann einfach das Lautsprecherkabel wieder über die Platine verlegen und beide Kabel wieder anlöten (rot oben, schwarz unten). Im Gegensatz zur von Kingrex vorgeschlagenen Vorgehensweise habe ich dann PGF durch den Platinenstecker ans Mainboard angeschlossen und die Batterie auf das Mainboard gelegt, damit das Kabel flach und ohne Knicke liegt. Vor Montieren der Rückseite des iPAQ ist es wichtig, die Abdeckung des Hardware-Power-Knopfes zu kontrollieren (die sich bei mir heimlich, still und leise rausgemogelt hatte). Der Stifthalter muß in jedem Fall durch doppelseitiges Klebeband an der Rückseite befestigt werden (also doppelseitiges Klebeband hinten auf den Stifthalter kleben, dann beim montieren der Rückseite darauf achten, daß er weitestmöglich oben bleibt. Hintergrund dieser Maßnahme: Die PGF ist ein wenig dicker als die Originalbatterie, damit hat der Stifthalter ein wenig mehr Spiel. das führt dazu, daß er aus dem kleinen Winkel, der auf der Rückseite ist, leict hinausrutscht und damit der Stift nicht mehr arretiert wird.

5.) Die Leistung
Das Testsystem: Ein relativ neuer 3660, dessen Batterie noch vollkommen in Ordnung war, gegen den selben iPAQ mit PGF (reiner Batterietausch, kein Hyperdrive installiert!).
Die Testumgebung: Hintergrundbeleuchtung auf mittlere Stärke gestellt, automatische Abschaltung von Backlight und Gerät selbst deaktiviert, im Mediaplayer von einer CF-Karte kontinuierliche Musikwiedergabe bei mittlerer Lautstärke. Sicherlich schon eine höhere Belastung als in der normalen Arbeit, aber sicherlich nicht unnormal. Gemessen wurde die Zeit, bis die Medienwiedergabe wegen zu geringer Batteriekapazität abgebrochen wurde.

Das Ergebnis:

iPAQ mit Standardbatterie: 1 Stunde, 27 Minuten
iPAQ mit PGF (ohne Hyperdrive): 2 Stunden, 18 Minuten

Macht einen Gewinn von 58 Prozent. Davon ausgehend, daß es der erste Ladezyklus der PGF war und die Zellen erst nach mehreren Zyklen ihre maximale Leistung erreichen, ist sicherlich noch ein wenig Spiel. Das Ergebnis übertrifft also das von Kingrex in der Skizze oben angekündigte noch ein Stück. Sauber!

PREIS: EUR 150,- inkl. Lötarbeiten bei Wolfsoft, einzeln bei Fawis.de
FAZIT: Der reine Austausch der Batterie ist auch vom geschickten Laien zu handhaben, die Lötarbeiten sollten unbedingt nur Experten vornehmen!


ZURÜCK

(c) 2002 by Andreas Erle - May not be reproduced without permission. All opinions are subjective!