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Ich habe lange und ausführlich darüber gelästert, dass BenQ nach monatelangen Ankündigungen,
Verschiebungen und Kommunikationslöchern nun doch das P50 auf den Markt bringt. Wie damals beim iPAQ 63xx
führte dieser zeitaufwändige Produktreifeprozess dazu, dass ein ehemals High End-Gerät plötzlich
reichlich altbacken daher kam. Offensichtlich hat BenQ den deutschen Markt auch nicht mehr im Fokus, denn dort
bietet man es im Gegensatz zu anderen Europäischen Ländern auch gar nicht erst an. Nichts desto Trotz:
Design und ein Teil der Leistungsdaten ließen mich im März 2006, als die Ankündigungen neuer Geräte
allgegenwärtig waren, deren Termine aber in der zweiten Jahreshälfte lagen, dann doch den Schritt wagen,
ein englisches Gerät zu bestellen. Vorab: Ich bereue es nicht, auch wenn neben Licht viel Schatten zu Tage
kommt:

Ziel von BenQ war es erklärtermaßen, ein "Messaging Device" zu bauen, das auf der einen
Seite so kommunikativ wie möglich ist, nichts desto Trotz aber handlich und für das Auge gefällig
ist. So fällt als aller erstes auf, dass das P50 in seinem matten Anthrazit von der Masse der PDAs absticht.
Auch wenn keine Magnesium-Oberfläche verwendet wurde, es wirkt edel, die Verarbeitung ist in allen Punkten
sehr gut.
Im Gegensatz zu HP mit der hw65xx- und hw67xx-Serie wurde kein Square Screen (also ein quadratisches Display mit
eingeschränkter Auflösung von 240*240) verwendet, sondern ein normales 320*240-Display. Dadurch wirkt
das P50 ein wenig länger im Vergleich zu anderen Geräten, allerdings immer noch von den Seitenverhältnissen
stimmig, auch wenn die darunter liegende Daumentastatur ihren Platz beansprucht. Diese ist auf der anderen Seite
aber immerhin noch so groß, dass man nach kurzer Eingewöhnungsphase darauf recht effektiv Texte schreiben
kann. Da mag es hilfreich sein, dass ich beruflich oft mit einem Blackberry unterwegs bin und meine Daumen kleine
Tasten gewöhnt sind... : Schade dabei für uns Umlaut-geplagte Deutsche: Eine Taste, mit der ein Vokal
in einen Umlaut umgewandelt werden kann (a in ä, etc.) fehlt vollkommen.


Erster Kritikpunkt: Das Betriebssystem. In Zeiten, in denen ein Windows Mobile 5.0-Gerät nach dem anderen
auf den Markt kommt, mutet es schon ein wenig archaisch an, noch Windows Mobile 2003SE zu verwenden, dies ist sicherlich
eine Auswirkung der langen Produkt-Entwicklungszeit. Nun kann man trefflich darüber streiten, ob dies denn
nun so dringend nötig ist und ob die neuen Features eine solche Verbesserung bedeuten. Das ist ein Stück
weit sicherlich nur subjektiv zu beantworten, aber ein Punkt ist in Kombination mit einer weiteren Schwäche
des P50 hier ausschlaggebend: Der persistent storage, die neue Speicherarchitektur von Windows Mobile 5.0, die
die Daten und Programme im ROM hält und damit auch bei leerem Akku einen Datenverlust vermeidet. Der 1240
mAh-Akku des P50 ist leider ein wenig schwachbrüstig: bei optimaler Pflege (vor der ersten Nutzung 8 Stunden
laden und einige Zyklen entladen/laden) schafft er bei normaler Nutzung maximal anderthalb Tage, in denen das WLAN-Modul
möglichst kaum eingeschaltet werden sollte und auch nicht allzu lange telefoniert werden sollte. Das Gerät
dann nicht fix zu laden kann schnell zu einem Hardreset und der damit verbundenen Neueinrichtung führen. Die
Verwendung eines automatischen Backup-Programms ist also Pflicht.

Die integrierten Funksender entsprechen (noch) dem Standard: ein Quadband GSM/GPRS-Modul (leider eben kein UMTS,
was aber auch andere neu auf den Markt kommende Geräte noch vermissen lassen), ein 802.11b WLAN-Sender (auch
hier wäre wie bei vielen anderen neuen Geräten 802.11g mit der höheren Geschwindigkeit schön
gewesen) und Bluetooth. Alle arbeiten einwandfrei, in der Konfiguration diverser Verbindungen gab es keinerlei
Probleme. Unbefriedigend, wie oben bereits beschrieben, die Kombination aus Akku und WLAN-Betrieb.
Ein waschechter Bug allerdings besteht, wenn man eine GPRS-Verbindung aktiv hat: Egal, wie die Stromspareinstellungen
gerade konfiguriert wurden, das Gerät schaltet einfach nicht automatisch ab. In Verbindung mit dem Akku sehr
unbefriedigend, und die Abhilfe ist nicht jedermanns Sache: Konfiguriert man über ein Zusatztool das automatische
Trennen der GPRS-Verbindung nach der Verwendung, dann klappt die automatische Abschaltung problemlos. Je nach Vertrag
mit dem Netzbetreiber bringt dies allerdings ggf. eine Rundung auf einen vollen Datenblock mit sich, wenig schön
für all diejenigen, die in kurzen Abständen Mails abfragen oder mit einem Exchange syncen. Und noch etwas:
aus welchem Grund auch immer: beim P50 fehlt die sonst im System hinterlegte Funktion, den Cell Broadcast abzuschalten,
also die Übertragung zellspezifischer Informationen. Und so bekommt man zumindest im deutschen vodafone-Netz
fast minütlich SMS mit unleserlichem Inhalt, auch hier muss ein Zusatztool herhalten.
Und wenn ich schon mal gerade so im Meckerfluss bin: Die integrierte 1.3 Megapixel-Kamera sieht zwar groß
und toll aus, dabei sollte man es aber auch belassen. Selbst wenn man die bekannt mittelmäßige Qualität
der Kameras in PDAs und Mobiltelefonen annimmt, ist sie schlecht.

Kommen wir aber wieder zu den positiven Aspekten: Das P50 ist definitiv ein Gerät, das für Aufmerksamkeit
sorgt. Sein Design, seine Verarbeitung und seine Funktionen sind im Alltagsbetrieb dazu geeignet, allen Kommunikationsansprüchen
zu genügen. Wer beim Blick auf das Netzteil schluckt, weil dieses keinen Standardstecker hat, der kann beruhigt
sein: Der Sync-Port ist wie bei dem aktuellen HTC-Geräten mini-USB, und damit können Standardkabel und
auch das mini-USB-Netzteil von MDA Compact, SDA, etc. verwendet werden. Trotz seiner geringen Größe
hat BenQ darauf verzichtet, von SD auf mini-SD zu gehen und damit einer Weiterverwendung gegebenenfalls bereits
vorhandener Speicherkarten nichts entgegengestellt. Und endlich mal gibt es einen Hersteller, der einen SD-Slot
durch eine Klappe statt durch ein Dummy schützt.... allerdings hat das wohl doch auch einen Nachteil, wie
Mark berichtet: "Verwendet man eine RS-MMC mit dem entsprechenden Adapter, verhindert die Klappe wie ein Widerhaken
das Auswerfen der Karte, weil sie sich an dem Blech des Adapters verkeilt ;-( Da half dann nur mit einem dünnen
Blech die Klappe ganz zu öffnen, die Karte zu entnehmen und zu verkaufen (die Karte ;-)."
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