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Man muß kein extremer Star Wars-Fan sein, um nach Verwendung des neuen Destinators an "Das Imperium
schlägt zurück" zu denken. Nach dem vom TomTom (mit dem TomTom Navigator 2) und Navigon (mit dem
Mobile Navigator European Edition) eingeleiteten Preiskampf für PDA-Navigationssysteme war für viele
Anwender die Entscheidung für das richtige Navigationssystem eine Entscheidung zwischen diesen beiden. Der
Pionier Destinator aber spielte in den letzten Monaten eine eher untergeordnete Rolle, und objektiv betrachtet
sicherlich teilweise berechtigt:

Vor allem die Notwendigkeit, Deutschland in einzelnen Karten-Kacheln statt in einer grossen Karte zu verwenden,
war Kritikpunkt vieler Benutzer, und die Tatsache, das jede dieser Kacheln neben den geographisch begrenzten Detailinformationen
zusätzlich die "Major Roads of Germany", also die großen Strassen enthielt, war für viele
nicht wirklich ein Trost.
Nun sind einige Monate ins Land gezogen, und ganz offensichtlich hat Destinator die Zeit zu nutzen verstanden und
mit der Version 3.0 ein komplett überarbeitetes und erweitertes System auf den Markt gebracht.

Und zu allererst die freudigste Nachricht: Die Deutschlandkarte besteht in dieser Version aus EINER Kachel,
die mit knapp über 230MB Speicherbedarf bequem auf eine 256MB SD-Karte passt. Somit kann ohne Wechseln des
Kartensegments komplett durch das Land navigiert werden. Damit ist der Haupt-Kritikpunkt an den alten Destinatoren
vom Tisch...
Und am Kartenmaterial selbst war ja noch nie etwas auszusetzen, im Gegenteil: Navtech-Kartenmaterial ist im Schnitt
deutlich genauer auf Hausnummernbasis als das im TomTom Navigator verwendete TeleAtlas-Kartenmaterial, u.a. auch
ein Grund, warum Navigon mit dem MNEE von Teleatlas auf Navtech umgeschwenkt ist. Auch an den neuralgischen Punkten
in der Umgegend, wo es wirklich nur noch einige kleine Gässchen gibt, ist der Destinator 3.0 souverän
und kennt diese noch. Wie bei allen Systemen bleibt abzuwarten, ob dies durchgängig so ist. In jedem Fall
wird mit dem Kartenmaterial Q2 2003 ganz aktuelles verwendet.
Beim Start der Applikation auf dem PC fällt schon auf, daß sich an dem Destinator Loader, der das
Programm und die Karten auf den Pocket PC übertragen, einiges getan hat. Zum einen (hier am Beispiel der Westeuropa-Version)
hat man die vordefinierten Länder, die man als komplett vorbereitete Bereiche direkt auf das Gerät bzw.eine
Speicherkarte transferieren kann:

Das bietet allerdings der TomTom Navigator auch. Was aber neu und für diesen Vergleich ohne Frage ein Riesenargument
für Destinator 3.0 ist: Man hat sich nicht alleine darauf beschränkt, wie es in den Vorgängerversionen
war, sondern eine ganze Applikation dafür hinzugefügt: Den Destinator Maps Creator. So kann man beispielsweise
die "alten" Kacheln, die die Deutschland bisher aufgeteilt war, einzeln wählen, neu hinzugekommen
ist die Kachel G_DD, die mit dem Bereich Düsseldorf-Dortmund quasi das gesamte Ruhrgebiet in ganzen 20MB enthält.
In der Applikation kann ebenfalls nach Adressen bzw. POIs (Points of Interest, "Orte von Interesse")
gesucht werden, sodass man genau bestimmen kann, wo man nun den Start- oder Zielort findet.
Viel wichtiger aber noch: Es können frei Kacheln in rechteckiger Form definiert werden.

So lassen sich (wie bei der Konkurrenz von Navigon) fein ausrichtbar auf verfügbaren Speicherplatz und
den Bereich, in dem man Navigieren will, eigene Kachel zurechtschneiden, speichern und beliebig wiederverwenden.
Vom Aussehen her hat sich auch die PDA-Version des Destinator ein Stück modernisiert: In allen Menüs
grosse Symbole im XP-Stil, die bequem auch ohne Stift mit den Fingern angewählt werden können. Die Menüs
teilen sich in folgende Bereiche:

Navigieren:
Hier können die kompletten Einstellungen für Navigation und Routenplanung vorgenommen werden, es wird
Zugrifff auf die Outlook-Kontakte ermöglicht, Favoriten können verwaltet werden, etc. Der Bereich also,
der für das Navigieren am Wichtigsten ist. Ganz nebenbei können Ziele auch direkt in der Karte definiert
werden, indem man mit dem Stift auf das gewünschte Ziel tippt und dies entweder als Favoriten setzt (um es
später wieder zur Verfügung zu haben) oder aber es direkt als Wegpunkt nimmt. Dazu wird dann die zugehörige
Adresse angezeigt, und das ist eine Funktion, die ich immer mal wieder brauche, z.B., um ein Taxi zu bestellen
oder jemandem zu sagen, wo man sich trifft.
 
Wie in den Vorgängerversionen ist die Auswahl des Ziels in verschiedenen Konstellationen möglich:
So ist es beispielsweise nicht immer möglich, eine Strasse in einem Ort zu finden, da Stadtteile je nach ihrer
Größe auch schon mal als eigener Ort gespeichert werden können. Alternativ schaltet man dann einfach
die Postleitzahl vor und gibt dann die Strasse ein, oder man gibt die Strasse ein und sucht sich dann den passenden
Ort aus der Liste derer, in denen es die Strasse gibt aus, etc. Fast alle Kombinationen sind möglich, und
so natürlich auch genau die Verwendung der Informationen, die man über das Ziel hat.
Allerdings, und das einer der weiteren positiven Aspekte, hat man massiv an der Gruppierung gearbeitet, alle meiner
bisherigen Probleme (Ort/Strasse nur unter dem Teilort zu erreichen) sind dadurch gelöst worden.
In diesem Menü findet sich ebenfalls die Vermeidung von Strassen, die in die Routenplanung einbezogen wird.

Anzeige:
Neben der 2D-Ansicht (der klassischen Draufsicht auf die Karte, links oben) und der schon in der Version 2.0 eingeführten
3D-Ansicht (rechts oben) ist eine weitere grafische Sicht hinzugekommen: Die Vogelperspektive (unten). Der Unterschied
zur 3D-Ansicht ist auf den ersten blick marginal, trotzdem scheint sie in der Praxisanwendung ein Stück intuitiver:
 

In diesem Menü kann ebenfalls der Wechsel zwischen der hellen Tag- und der abgedunkelten Nachtansicht mit
einem Klick vorgenommen werde, die aktuelle Karte kann gewechselt werden, etc.

Optionen:
In diesem Menü kann die Anpassung des Destinator vorgenommen werden, so z.B. ob in deutschen oder englischen
Einheiten angezeigt wird, welche Informationen auf der Karte dargestellt werden sollen (am unteren Bildschirmrand
befindet sich ein Laufband, das kontinuierlich Informationen wie geschätzte ankunftszeit, Position, Geschwindigkeit,
Höhe, geschätzte Ankunftszeit, geschätzte Rest-Reisedauer, etc. darstellen kann).
Ebenfalls können dort Warnungen für Geschwindigkeitsüberschreitung, gefährliche Stellen, schwachen
Empfang, etc. ausgewählt werden, die verwendete Karte gewechselt werden, das GPS konfiguriert werden und eine
Streckenaufzeichnung aktiviert bzw. wiedergegeben werden.
 
Die Navigation selbst:
Ist der neue Destinator nun auch während des Navigierens anders als seine Vorgänger?
Eines der Gerüchte, die vorab zu hören waren, beschäftigte sich mit der Geschwindigkeit und Sinnhaftigkeit
der Routen-Neuberechnung. Bei vielen Navigationssystemen ist das Verlassen der einmal geplanten Route unter bestimmten
Umständen von wiederholten Anweisungen "... bitte Wenden" gestraft, die Neuberechnung versucht also
trotzdem, wieder exakt auf die alte Route zurück zu leiten. Dies ist im Besonderen ärgerlich, wenn man
beispielsweise auf Grund einer Sperrung eine bestimmte Ab- oder Auffahrt nicht nehmen kann, und damit in Richtung
der nächsten Auf- oder Abfahrt geleitet werden möchte. Die Zeit und Ruhe, dieses durch eine Sperrung
manuell anzustossen, hat man da meist nicht.
Im Vergleich mit dem TomTom Navigator 2 auf gleicher Strecke, und zumindest in dem Bereich gleicher geplanter Route
hat es sich im Test an zwei für diese Problematik bekannten stellen auch tatsächlich gezeigt, dass dies
deutlich verbessert wurde. Während der TTN2 noch immer darauf beharrte, man solle durch Wenden wieder auf
die ursprüngliche Strecke zurückkommen, gab der Destinator 3.0 nach zweimal Neuberechnen auf und berechnete
die beste Strecke in Fahrtrichtung.

Was für mich eine der wichtigsten Neuerungen ist: die visuelle Information, dass ein Abbiegen unmittelbar
bevorsteht. Gerade wenn man im Auto Musik hört (oder einen PDA mit leisem Lautsprecher verwendet), sind die
Sprachanweisungen nicht immer zu verstehen, was dazu führt, dass man immer wieder auf das Display des PDAs
schaut. Oft natürlich umsonst, denn wichtig ist dies nur, wenn man die Fahrtrichtung ändern muss.
Der Destinator 3.0 löst dies elegant: Steht ein Abbiegen kurz bevor, dann wird der Pfeil für die nächste
Anweisung bildschirmfüllend angezeigt. Dies sieht man auch aus den Augenwinkeln und kann sich so vergewissern,
ob man die Sprachanweisung sichtig verstanden hat. Wobei die Verkehrssicherheit natürlich erfordert, dass
man die Augen auf die Straße richtet...
 
Eine weitere Funktionalität, die gleichermaßen neu und hilfreich ist, ist die Geschwindigkeitsüberwachung:
Auf Wunsch warnt das System, wenn man die für den Streckenabschnitt gespeicherte Höchstgeschwindigkeit
überschreitet.
Dies ist relativ einfach umzusetzen, denn einer der Parameter, die im Kartenmaterial gespeichert sind, ist eben
die Höchstgeschwindigkeit. Diese gegen die aus der Bewegung des Fahrzeugs berechnete Geschwindigkeit zu matchen
und eine Warnung auszugeben, ist dann nur noch ein kleiner Schritt (siehe auch der Besuchsbericht
bei NAVTECH).
 
Alles in allem ist der neue Destinator ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Totgesagte länger
leben, und noch mehr ein weiterer Fehdehandschuh ins Gesicht von TomTom. Denn bei dem Pricing und dem gebotenen
Gegenwert ist die Rolle des TTN2 als führendes Produkt im niedrigeren Preissegment in jedem Fall stark gefährdet.
und der Kunde freut sich... ;-)))

Besonders hervorzuheben im Vergleich zur Konkurrenz: Hochaktuelles Navtech-Kartenmaterial, schnelle in intelligente
(Re-) Routing-Algorithmen, intelligente Integration in die Fahrzeugsicherheit durch detaillierte Anweisungen, Warnungen
für Risikostellen auf der Strecke und Geschwindigkeitsüberschreitungen, Blinken des kompletten Displays
als Hinweis auf eine nah folgende Anweisung.

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