Das richtige Handy für den iPAQ?

Ein Anspruch, den The World of i hat, ist die absolute Unabhängigkeit.
Die hier präsentierten Tests beruhen auf keinerlei finanziellen Interessen,
sondern sind aus reiner Anwendersicht.

Damit natürlich auch subjektiv.....!

Kommentare bitte an den Webmaster of i.

Mobile Kommunikation ist eins der Schlagworte der letzten Monate. Unterwegs Mails abfragen, im Internet surfen und Faxe senden und empfangen mögen zwar nicht unbedingt für jedermann tägliche Anwendungen sein, aber für viele steht der Reiz der technischen Möglichkeit im Vordergrund. Der iPAQ ist bestens für diese Anwendung gerüstet (angeblich Mitte des Jahres soll von Compaq sogar ein GSM-Jacket auf den Markt kommen, was ein Mobiltelefon enthält und den iPAQ damit zur kompletten Kommunikationsmaschine im Stil des Nokia Communicators macht).
Stellt sich die Frage, welches Handy sich für diese Anwendung anbietet. Wichtig ist in jedem Fall, daß es eine Infrarotschnittstelle hat, um den kabellosen Verbindungsaufbau zu ermöglichen. Handy und PDA hat man meistens dabei, ein weiteres Kabel jedoch nicht unbedingt.
Umfangreiche Organizer-Funktionen, wie sie z.B. das Ericsson R380S bietet, sind auch nicht unbedingt nötig, denn genau diese Aufgabe übernimmt ja der iPAQ, in begrenztem Maße (zumindest durch einen Zugang zum PC und die Möglichkeit, Adressen im Telefon zu speichern) aber doch ganz hilfreich, geben sie dem Anwender doch die Möglichkeit, den iPAQ auch mal zuhause zu lassen und trotzdem wichtige Daten verfügbar zu haben.

Dieser Test vergleicht drei mögliche Kandidaten: Das Nokia 6210, das Nokia 8850 und das Siemens SL45.

Das Nokia 6210 - Daten-Turbolader oder Mogelpackung?

Lange Jahre waren das Nokia 6110 und das Nokia 6150 DIE Standardhandies. Robust, einfach zu bedienen, mit fast ungeschlagener Betriebsdauer sowohl im Standbybetrieb als auch beim Telefonieren. Leider hatte Nokia einen fatalen Fehler gemacht: Beide Modelle hatten zwar "im Prinzip" eine Infrarotschnittstelle, die aber leider auf Grund eines minderwertigen Bauteils nicht als Standard-IrDA-Schnittstelle nutzbar war. In der Konsequenz blieb also nur noch die Lösung, das Telefon per Kabel an den PDA oder das Notebook anzuschließen, eine Lösung, die bei Verwendung mehrerer Geräte extrem ins Geld geht (ein PDA hat einen anderen Anschluß als ein Notebook, und die Adaptierung des Datenkabels für das Notebook auf das Sync-Kabel des PDAs erfordert dann meist die Mitführung eines Rucksacks zum Transport des ganzen Kabelgewirrs). In Zeiten der vermehrten Nutzung des mobilen Internets (WAP=Wireless Applicatioon Protocol) war es nun Zeit, ein komplett überarbeitetes Nachfolgemodell auf den Markt zu bringen.
Das Nokia 6210 hat einige sichtbare Unterschiede zu seinen Vorgängern: Ein großes, hochauflösendes Grafikdisplay, was die Darstellung von Bildern erlaubt, den am Gerätekopf angeordneten Einschaltknopf, die daneben befindliche Infrarotschnittstelle samt dunkelrot transparentem Rahmen außenrum. Ansonsten: Nicht viel neues.

Technisch gesehen hat man sich schon einiges mehr einfallen lassen: Das 6210 ist ein Dualbandhandy (im Gegensatz zum 6110 und wie das 6150), kann also in D- und E-Netzen telefonieren. Natürlich unterstützt es den WAP-Standard und ist mit dem aktuellen WAP-Browser ausgestattet, und eine Standard-Infrarotschnittstelle hat es auch. State of the Art, oder? Aber Art heißt auch Kunst, sprich: Schönheit und Ästhetik... Und die geht dem 6210 meines Erachtens vollends ab... wäre da nicht die Ästhetik der Technik:
Das Nolia 6210 ist das momentan einzige Telefon, das den HSCSD-Standard (High Speed Cicuit Switched Data) und damit Datenübertragungsraten von bis zu 38400 baud zuläßt (Konfiguration eines iPAQ mit dem 6210 ist im Mitgliederbereich beschrieben). Dies wird durch die Bündelung von bis zu vier Kanälen zu einem Datenkanal ermöglicht. Nun muß man sich ernsthaft überlegen, ob man´s braucht. Geht man mit dem iPAQ ins Internet, dann macht es Sinn, allerdings ist in jede Kalkulation einzubeziehen, daß 4 Kanäle gebündelt werden, woweit sie frei sind, und unterschiedlichsten Tests zufolge liegt der Schnitt bei der Bündelung von zwei Kanälen.... Mit der daraus resultierenden Geschwindigkeit macht es keinen ernsthaften Sinn ins Internet zu gehen. Zudem verlangt ePlus (momentan einziger Betreiber, der HSCSD produktiv anbietet, D2 ist nur in der Testphase und damit noch nicht rechenbar) pro Monat eine Pauschale von DM 15,- (Gesprächsgebühren werden jeweils nur für einen Kanal gerechnet).
Für das reine Abfragen von Mails reicht die normale Geschwindigkeit von 9600 baud bei weitem aus, und die WAP-Dienste sind auch mit einem HSCSD-Handy auch nicht schneller. Und zum dritten: Insider munkeln, daß HSCSD sowieso eine Totgeburt ist: Durch die hohen Netzauslastungen (gerade durch die verbreitete Prepaid-Telefonie) werden NIE genug Kanäle frei sein, daß man die möglichen Geschwindigkeiten auch erreicht.
Mehr verspricht man sich da schon vom GPRS (General Packet Radio Service), einem Verfahren, wo bei Datenübertragungen und WAP nicht mehr nach Verbindungspreisen, sondern nach übertragenen Datenmengen abgerechnet wird (ein Modell: 5Pf pro Stunden und 5Pf pro übertragene 10KB). Dazu gibt es allerdings nur wenige Handies, und die Einführung steht im Moment bei den Netzbetreibern noch in den sprichwörtlichen Sternen.

PREIS: ca. DM 799,- ohne Kartenvertrag
FAZIT: Funktional, aber irgendwie langweilig.

Das Nokia 8850 - Designstern und Funkschatten?

Wenn es um Edelhandies geht, dann steht ein Name immer ganz oben auf der Liste: Nokia 8850. Das winzige Telefon mit dem edlen blau-weißen Display und der Oberfläche aus Aluminium und Chrom sieht aus wie ein kleines Schmuckstück und wird von vielen als DAS Statussysmbol bei Handies gesehen. Legt man es neben den iPAQ, dann passen die beiden schon ganz nett zusammen. Aber wie steht es mit der Funktionalität?
Hinter der feinen Schale steckt ein Kern, der es in sich hat. Dualband, damit in D- und E-Netzen einsetzbar, Infrarotschnittstelle zur drahtlosen Kommunikation mit PDAs und Notebooks, aber weder WAP noch HSCSD oder GPRS. Der Empfang ist mäßig, wo einige Billigtelefone noch Kontakt zum Netz haben, streckt das 8850 schon seine Fühler. Wenn allerdings Telefonieren möglich ist, dann in feinster Qualität, die Akkulaufzeit ist eher bescheiden (wie übrigens bei allen neuen Nokia-Telefonen).

Kommen wir aber zum Betrieb im Zusammenspiel mit dem iPAQ: Keinerlei Probleme. Eine einmal eingerichtete Verbindung funktioniert sofort (auch mit dem SL45 und dem Nokia 6210). Und da kommt dann wieder die Frage, was man braucht. Will ich die oben beschriebenen Anwendungen (wie Faxen, emails und Internet) nutzen, dann reicht dies völlig. Einzig und allein schön wäre es, wenn man noch einen WAP-Browser hätte, um auch unabhängig vom PDA Mails lesen zu können.
Das Nokia 8850 ist ein Schmuckstück, das eher aus visuellen als aus technischen Gründen gefällt, aber im Kombibetrieb mit dem iPAQ durchaus überzeugt.
(Übrigens ist dieser Test ebenfalls für das Nokia 8810 und 8210 gültig, weil die technischen Daten ähnlich sind (8810 nur D-Netze), nur die "Außenhülle" variiert).

PREIS: ca. DM 1199,- ohne Kartenvertrag
FAZIT: Schmuckstück mit akzeptablen technischen Schwächen.

Das Siemens SL45 - Organizer und Kommunikationsgenie

Lange war Nokia alleine auf dem Markt der Luxushandies. Vielleicht ist dies der Grund warum das 8810 und das 8850 zwar äußerlich schön, aber von ihren technischen Daten nichtmehr ganz aktuell sind (siehe auch Test des 8850).
Nun hat der deutsche Mobiltelefonhersteller Siemens zum Angriff geblasen und das SL45 auf dem Markt gebracht, mit dem klaren Anspruch, sowohl ein edles als auch ein über alle Maßen funktionales Telefon zu liefern. Und meineserachtens (die Zeitschrift connect gibt mir da Recht... ;-)) ist das in weiten Teilen gelungen.
Alleine der Look des SL45 rückt es schon in die Nähe der Nokia-Konkurrenz: silbrig-glänzende Tasten und Gehäuse, ein Display, das nicht langweilig grün, sondern gleißend bernsteinfarben leuchtet und ein großes, hochauflösendes Display heben es von "Feld-,Wald- und Wiesenhandies" ab.
Und dann geht es bei den technischen Daten Schlag auf Schlag weiter: WAP-Browser, Infrarotschnittstelle, Adreßkartei und Terminplaner, die über eine beiliegende Docking-Station mit MS Outlook synchronisierbar sind (damit kann also das Telefon auf den Daten-Stand des iPAQ gebracht werden), Sprachwahl, einen integrierten MP3-Player mit 32MB Multimediacard und Stereokopfhörern, die gleichzeitig als mobile Freisprecheinrichtung dienen.

Booooaaah! (wie man im Ruhrgebiet sagen würde)....
Nun stellen sich ein paar weitere Fragen: Wofür einen Handy-Organizer, wenn der iPAQ doch genau diese Aufgaben übernimmt? Wie man das Thema auch sehen will, es gibt nur subjektive Meinungen. Meine ist, daß ich gerne mal den iPAQ zuhause lasse, aber die wichtigsten Daten (zwar weitaus unkomfortabler, aber trotzdem) verfügbar habe. Über WAP kann ich eben mal meine Mails abfragen, und wenn ich dann entscheide, daß ich die ganze Mail lesen muß bzw. eine Antwort schreiben muß, dann lege ich eben den iPAQ vor die Infrarotschnittstelle des SL45 und machen einen normalen Mailabruf.
Wie ist das Zusammenspiel mit dem iPAQ? Kurz: Perfekt. Stellt man den Syncmodus der SL45-Software so ein, daß Outlook die Daten im SL45 überschreibt, dann hat man alle Daten (Einschränkung bei Terminen auf 50) mobil verfügbar. Prinzipiell ist zwar auch eine echte Synchronisation möglich, allerdings habe ich für mich entschieden, daß der iPAQ einzig änderndes System bleiben soll und somit jeden "Schaden" an den Daten durch Importfehler ausgeschlossen. Auf dem SL45 sind die Daten einwandfrei verfügbar, ohne daß ich irgendeine Änderung machen mußte. Das QuickSync von Siemens setzt sich als PlugIn in Outlook, sodaß man einfach nur in der Symbolleite einen Button drücken muß, um den Abgleich zu starten.
Und dann wären da noch die kleinen Feinheiten: Wen bei den meisten WAP-Handies stört, daß er abends immer wieder durch Drücken einer Taste die Diplaybeleuchtung einschalten muß, der findet hier wohltuend, daß automatisch bei jeder neu geladenen Seite das Display wieder hell wird. Und Abschalten tut sich die Hintergrundbeleuchtung sowieso nicht, sondern sie wird langsam dunkler und geht dann aus. Alle möglichen anderen Kleinigkeiten wie Diktiergerät (mit Gesprächmitschnitt-Funktion), Spiele, Profile, etc. runden das Bild ab und trösten darüber hinweg, daß Siemens aus der unsicheren Situation der neuen Datendienste die Konsequenz gezogen hat und weder GPRS noch HSCSD in das SL45 integriert hat.

Um das SL45 auf dem PC optimal warten zu können, bietet sich die Software S25@Once an.

PREIS: ca. DM 1099,- ohne Kartenvertrag
FAZIT: Das hätte das Nokia 8850 eigentlich leisten sollen!



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