|
Wer die Diskussionen rund um das HTC Mteor im Internet verfolgt hat, der wird nicht wirklich sehr positiv dazu
eingestellt sein. Auch ich hatte meine Vorbehalte, doch nachdem die Tatsache, dass es das erste UMTS-Smartphone
mit Windows Mobile ist, für mich schwerer wogen, habe ich den Schritt gewagt und bin nach einigen Tagen intensiver
Nutzung alles andere als enttäuscht.
Darum vorab schon mal die Kommentare zu den weithin bekannten Kritikpunkten:

1.) Design
Als ich die ersten Bilder des Mteor sah, war ich schockiert über die Form, den hässlichen Plastikeinschub
am oberen Ende, etc. Nachdem ich das Gerät nun in den Händen halte, hat sich dieser Eindruck massiv revidiert:
mit einer Gehäusedicke von gerade mal 15mm, den aus matt-anthrazitfarbenem Metall bestehenden Gehäuse
(sowohl Akkudeckel als auch Vorderseite), der im Vergleich zur die Tastatur umfassenden Fläche etwas glänzenderen,
abgerundeten Seitenteilen, dem eingelassenen Displayglas ist das Mteor für mich eines der schönsten Windows
Mobile-Candybars (also nicht klappbaren Telefone). Einzige Einschränkung ist tatsächlich der Plastikteil
oben, unter dem die Funksender (GSM, UMTS, Bluetooth sitzen). Im Gesamtbild fügt sich dies aber ins Gehäuse
ein, ohne wie ein Fremdkörper zu wirken, und das Ganze wirkt rund und durchdacht.
2.) Wärmeentwicklung und Akkulaufzeit
Mit meinem ersten HTC TyTN/XDA Trion hatte ich das hier oft reportete Problem auch. Sobald das Gerät in einem
UMTS-Netzwerk eingebucht ist und eine stehende Datenverbindung hat, wird es warm und die Akkulaufzeiten gehen in
den Keller. Ein Tausch des Trion erledigte auch dieses Problem. Mein Mteor hängt mit einer UMTS-Verbindung
(die in Krefeld/Düsseldorf fast durchgängig existiert) vom Einbuchen bis zum Ausschalten per Push Email
an meinem Exchange-Server, bekommt also durch die permanente Verbindung umgehend neue Elemente wie Mails, Termine
und Kontakte zugestellt. Das Gehäuse ist kühl, von einer Erwärmung keine Spur, und gerade der metallische
Akkudeckel würde ja ganz massiv Wärme aufnehmen und leiten.
Der 1190 mAh Lithium Polymer-Akku hält unter diesen Bedingungen, häufiger Nutzung der PDA-Funktionen
und moderatem Telefonieren (ca. eine Stunde am Tag) gute zwei Arbeitstage durch. Dies ist zwar weniger als bei
Vergleichsgeräten (die in meiner Anwendung gut drei Tage durchhalten), von einem "zweimal am Tag laden"
kann aber nicht die Rede sein. Natürlich variiert dies, wenn der Telefonie-Anteil steigt, ich bin kein Vieltelefonierer,
aber im Verhältnis ist dies bei anderen Geräten auch der Fall.

3.) Branding und Application Lock
Dies ist der einzige Punkt, der mich wirklich ärgert. Jedes der neueren Telefone aus dem Hause HTC hatte einen
gewissen Schutz vorkonfiguriert, Applikationen ohne Zertifikat konnten nicht so einfach installiert werden, und
auch das Startmenü konnte nicht umgeordnet werden. Leicht zu lösen: Im Netz geistert ein Registry Editor
herum, der auch auf einem gelockten Telefon läuft. Zwei Keys geändert und schon ist das Telefon frei
für alle Schandtaten. Diese Lösung läuft beim Mteor nicht mehr. Schlimmer noch: Wer mit einem Exchange-Server
synchronisiert, der nutzt oft eigen erstellte Zertifikate, um die Datenübertragung per SSL abzusichern. Auch
dies erlaubt HTC den Benutzern nicht mehr.
Auf diese "Missstände" angesprochen hat man sich zumindest bereit erklärt, eine kleine CAB-Datei
zur Verfügung zu stellen, die den Import eigener Zertifikate erlaubt. Der Application Lock des Telefons bleibt
aber bestehen und wird lakonisch auf Microsoft geschoben: "As soon as Microsoft sends us a ROM version that
is unlocked, we will deploy it". Das ist leider nur die halbe Wahrheit: Microsoft bietet die Möglichkeit,
dieses Sicherheitsfeature zu nutzen, aber die Entscheidung und Umsetzung liegt ganz klar beim Anbieter, und der
ist HTC.

Was heißt das nun? Es können nur Programme darauf installiert werden, die ein Zertifikat haben (das
MS kostenpflichtig ausstellt). Dies schließt die meisten Free- und Sharewareprogramme schon mal aus, die
meisten Programme großer Anbieter laufen problemlos. Beim Kauf einer Software ist also unbedingt darauf zu
achten, dass in den Anforderungen nicht etwas von "unlocked" oder "decertified" steht.
Dann ist das Startmenü nicht umzuordnen. Auf all meinen PDAs steht in der obersten Ebene eine Auswahl von
Verzeichnissen (Kommunikation, Multimedia, Navigation, System, ....), in die ich zur Übersicht die einzelnen
Programme einordne. Dies geht mit den vorinstallierten Programmen nicht mehr. Und das von HTC gewählte Standard-Design
in grün lässt sich zwar durch Verwendung eines anderen Farbschemas vordergründig ändern, Standarddialoge
wie Wählen oder der Connection Manager sind dann immer noch grün. Auch das wäre in der Registry
änderbar, auch das unterbindet der Lock. Hier gibt es einen ausführlichen Thread, der Abhilfe verspricht,
bei meinem Mteor funktioniert er leider nicht.
Diese ausführlichen Randbemerkungen vorausgeschickt habe ich den Kauf meines Mteor noch keine Sekunde bereut.
Ich hasse den Begriff der "Haptik", weil er so wichtig Neudeutsch scheint, aber genau dies ist einer
der Vorteil des Mteor: Es liegt extrem gut in der Hand, durch sein etwas höheres Gewicht, die Kühle des
Metalls, die runde Form ist es einfach.... schön. Einzig die Tastatur, die aus schwarzem Plastik ist, hätte
man ein wenig liebevoller gestalten können, auch wenn die blaue Hintergrundbeleuchtung schon recht nett ist
und der Joystick sehr straff und präzise reagiert.
Übernommen vom TyTN hat HTC eine zusätzliche Taste, die direkt auf die Mailkonten führt (im Standard
SMS, MMS und Outlook E-Mail, plus die ggf. selbst konfigurierten POP3- und IMAP-Konten). So können Email,
Internet-Explorer, der HomeScreen und die situationsabhängigen Funktionen für die beiden "Schultertasten"
direkt bedient werden.

Sieht man es eng, dann ist die UMTS-Fähigkeit des Mteor schon jetzt ein wenig überholt, denn den neuen
"Datenturbo" HSDPA unterstützt es im Gegensatz zu seinem "Pocket PC-Bruder" HTC TyTN/XDA
Trion noch nicht. Nichts desto Trotz ist der Datendurchsatz ordentlich und signifikant höher als bei einer
GPRS-Verbindung, und damit ein definitiver Gewinn für denjenigen, der größere Datenmengen übertragen
muss bzw. das Telefon mit einem Notebook als Modem nutzt.
Die Kopplung mit anderen Bluetooth-Geräten funktioniert problemlos (im Test mit einem Samsung Q1 UMPC mit
Microsoft Bluetooth-Stack und einem Sony Vaio mit dem Toshiba-Stack), auch das Profil für High Quality Audio
(A2DP) ist vorhanden, sodass mit einem Stereo-Bluetooth-Headset auch MP3s in hoher Qualität gehört werden
können. Neu bei den aktuellen Geräten ebenfalls: das SIM-Access-Profile, mit dem geeignete Freisprecheinrichtungen
per Bluetooth auf die Kontakte zugreifen können.
Im Gegensatz zum Qtek 8500 hat HTC wieder den Standard-mini-USB-Stecker verwendet, sodass Kabel und Stromversorgungen
anderer Geräte problemlos passen.
Gespart hat man sich allerdings einen separaten Klinkenstecker für die Freisprecheinrichtung (diese wird auch
über mini-USB angeschlossen), damit aber eben auch die Möglichkeit, über ein Adapter einen normalen
Kopfhörer oder Boxen anzuschließen.

Da Windows Mobile 5.0 für Smartphones im Gegensatz zur Pocket PC-Version kein integriertes Pocket Office
hat, ist im ROM des Gerätes bereits die Clearvue-Suite installiert. Mit dieser kann man Word-Dokumente, Excel-Dateien,
Powerpoint-Präsentationen und PDF-Dateien zwar nicht bearbeiten, aber zumindest auf dem Gerät betrachten.
Da das Display zum einen sehr scharf und kontrastreich ist, zum anderen durch seine QVGA-Auflösung von 240*320
Pixeln genau so viel darstellen kann wie das eines normalen Pocket PCs (die VGA-Modelle ausgenommen), ist dies
sogar durchaus praktikabel, um unterwegs mal eben in einem Dokument nachzusehen bzw. einen Mailanhang zu betrachten.

Eine weitere Premiere sind Prozessor und Speicherausstattung. Mit einem 300MHz-Prozessor und 71,47 MB Datenspeicher/53,6
MB Programmspeicher ist das Mteor das aktuell am besten ausgestattete Smartphone auf dem Markt. Im Hinblick auf
die Performance merkt man sehr deutlich, dass auch nicht das kleinste Ruckeln oder Stocken zu sehen ist, wenn man
durch das Startmenü navigiert, Programme startet, etc. Und bei dem großzügig bemessenen Speicher
bedarf es schon einer Menge Programme, um tatsächlich auf die Speicherkarte ausweichen zu müssen.
Apropos Speicherkarte: Auch das Mteor folgt dem Trend, statt SD- oder mini-SD-Karten micro-SD zu verwenden. Aktuell
hat Sandisk gerade die ersten 2GB-Karten dieser Norm angekündigt, momentan sind im Handel nur Modelle mit
maximal 1GB zu bekommen. Das Ärgerliche daran: Wer gerade den Umstieg von SD auf mini-SD verschmerzt hat,
der muss schon wieder in die Tasche greifen und sich eine neue Speicherkarte zulegen. Auch wenn eine 1GB-Karte
im Moment "nur" ca. 35 Euro kostet, so ist dies unschön. Und Adapter existieren nur auf normale
SD-Größe, nicht auf mini-SD, sodass die Interoperabilität eingeschränkt ist. Bleibt nur zu
hoffen, dass nicht für die nächste Gerätegeneration wieder auf eine neue Norm umgeschwenkt wird...
|