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Als die ersten Bilder des HTC Vox durch das Netz kursierten, waren die Meinungen einhellig positiv: Das erste
Windows Smartphone mit ausschiebbarer Tastatur sorgte für großes Interesse. Waren bisher eine Texteingabe
doch nur eher mühsam über die Nummerntastatur möglich bzw. den Pocket PCs mit integriertem Telefon
und Tastatur vorbehalten.

Im Mai 2007 ist das HTC Vox als HTC S710 auf den Markt gekommen, und neben der Premiere der Tastatur ist es
auch das erste Gerät mit Windows Mobile 6 Standard, das erhältlich ist.
Die Ausstattung ist vom Grundsatz her ordentlich: ein OMAP 850 201MHz-Prozessor, GPRS, Bluetooth, WLAN, ein QVGA-Display,
das gestochen scharfe und kontrastreich ist, eine 2 Megapixel-Kamera und der mittlerweile scheinbar in diesem Bereich
zum Standard avancierte microSD-Slot stellen die Kernspezifikationen dar. Was leider völlig unverständlicherweise
fehlt, ist UMTS/HSDPA. HTC hat mit dem MTeoR klargestellt, dass dies auch in einem relativ kleinen Gerät möglich
ist, auch wenn dem MTeoR WLAN fehlt. Dies führt immer wieder zurück auf eine Frage, die in den Foren
ausführlich und immer wieder diskutiert wird: Ist WLAN in einem Smartphone wirklich wichtig? Oder reicht nicht
ein Volumenvertrag für GPRS/UMTS, um immer und überall mobile Datendienste nutzen zu können? Aus
meiner Sicht (und das auf Grund meines Anwenderverhaltens sehr subjektiv): Ich will mich nicht drauf verlassen
müssen, irgendwo einen Hotspot zu finden und dort eine schnelle Datenverbindung zu haben, UMTS ist mir hier
deutlich angenehmer.

Auffällig beim HTC S710 ist vor allem die Form: Viele der bisher auf den Markt gebrachten Smartphones haben
einen gewissen Exotenfaktor alleine schon ihres Designs wegen. Nicht jedem Anwender ist es angenehm, wenn sein
Telefon "anders" aussieht als der Standard. HTC hat mit dem S710 einen deutlichen Schritt in Richtung
der Angleichung an andere Hersteller wie Samsung oder Nokia gemacht und dem Gerät ein gefälliges Aussehen
verpasst. Auf Grund des recht großen Displays liegen die Tasten relativ tief, die Hörer, Home- und Zurück-Taste
liegen nicht über, sondern neben der Nummerntastatur. Dies hat einen nicht ungefährlichen Nachteil: will
man eine Nummer wählen, dann muss man den Daumen, der das Telefon mit hält, weit nach unten bewegen,
der Schwerpunkt des Geräts verlagert sich nach hinten und man muss Acht geben, dass es nicht nach hinten wegkippt.
Über dem Display, links und rechts des Lausprechers, befinden sich die LEDs, die Netzempfang, eingeschalteten
WLAN- und Bluetooth-Sender anzeigen. Unter der Taste Null befindet sich der Helligkeitssensor, auch wenn das Auge
geneigt ist, diesen als Mikrofon zu identifizieren. Wichtig zu wissen, wenn man eben mal das Mikrofon während
eines Gespräches abdecken will, um ungehört eine Rückfrage zu machen: Das Mikrofon selbst befindet
sich an der Unterseite, neben der Gummiabdeckung für den Sync- und Ladestecker (miniUSB). Auf der rechten
Seite und damit von außen zugänglich ist eine Abdeckung, unter der sich der miniSD-Slot verbirgt.
Die Lautstärke- und Sprachsteuerungstasten links und die Kamera-Taste rechts runden die Bedienelemente ab.

Kommen wir zum eigentlichen Alleinstellungsmerkmal des S710: der ausschiebbaren Tastatur. Ich bin viele mobile
Tastaturen gewöhnt, von Blackberries über diverse PDAs und Smartphones, und nach kurzer Zeit hat sich
immer eine Gewöhnung eingestellt, die das Tippen auf den kleinen Tasten "erträglich" machte.
Beim S710 ist dies leider anders, und vermutlich liegt dies an der Tatsache, dass ein Smartphone vom Formfaktor
und dem Verhältnis Länge zu Breite her schmaler als ein Pocket PC ist. Zudem wurden die Windows Mobile-Schultertasten
noch über die Tastatur gelegt, sodass relativ wenig Platz bleibt. Das führt unter anderem dazu, dass
die Leertaste gerade mal knapp doppelt so breit ist wie eine normale Taste, und man damit bei schnellem Tippen
leicht einen Buchstaben statt der Leertaste erwischt. Auch die geringe Höhe des Tastaturbereichs lässt
die Tasten sehr eng übereinander liegen, was deutlich höhere Konzentration erfordert.

Positiv ist anzumerken, dass das Drücken der Shift- und der FN-Taste (wie schon bei den letzten HTC Pocket
PCs mit Tastatur) durch zwei LEDs angezeigt wird, so kann schon vor dem Tippen erkannt werden, dass CAPS-Lock eingeschaltet
ist oder die Symbole arretiert sind.
Gewöhnungsbedürftig ist auch der Schiebemechanismus: in geschlossenem Zustand hat der obere Teil des
Telefons einen knappen Millimeter Spiel, was ein Gefühl der "Wackeligkeit" erzeugt und vollkommen
ungerechtfertigt an der Verarbeitungsqualität zweifeln lässt. HTC hat bei den Pocket PCs in den letzten
Monaten massive Anstrengungen unternommen, dies in den Griff zu bekommen, beim S710 ist dies leider nicht gelungen.

In meiner normalen Anwendung (Dauerverbindung per GPRS zu meinem Exchange-Server mit aktiviertem Email-Push,
moderates Telefonieren, ausgeschaltetes WLAN-Modul und intensive Nutzung der PIM-Funktionen) hält der 1050
mAh-Li-Ion-Polymer-Akku an die drei Arbeitstage, was für ein Smartphone, das die "echt" im Standby-Modus
ist, ordentlich ist. Natürlich ist der Einsatz des WLAN-Moduls für eine deutliche Verringerung der Standbyzeit
verantwortlich, aber dies liegt in der Natur der Sache und ist kein Kritikpunkt.

In der täglichen Anwendung kann das S710 durchaus überzeugen: Windows Mobile 6 Standard hat einige
Verbesserungen des Bedienkomforts in sich (siehe mein separater Bericht), und die Tastatur ist aller Kritik zum
Trotz eine deutliche Erleichterung, wenn man unterwegs Mails schreiben will.

Besonders die in Windows Mobile 6 integrierten Live-Services (Search, Messenger, Mail) ergänzen die Funktionalität
für den mobilen Anwender derart, dass wenig fehlt. Ganz zu schweigen davon, dass endlich auch eine Mobile
Version von Office mit an Bord ist. Wenn damit auch keine Bearbeitung von Dokumenten möglich ist, so kann
man sich doch mal eben unterwegs einen Mailanhang in Form einer Excel-Tabelle, eines Word-Dokumentes, einer Powerpoint-Präsentation
oder einer PDF-Datei anzeigen. Wer jetzt das kleine Display als Manko andeutet: Von der Auflösung her ist
es genau so wie die meisten Pockt PCs (ausgenommen die VGA-Modelle), und eine sinnbringende Nutzung ist durchaus
möglich.
Besonders schön dazu: wer seine Mails unterwegs abfragt, der kann endlich auch HTML-Mails lesen, statt
immer nur einen lakonischen Kommentar zu lesen, dass der Mailreader das HTML-Format nicht unterstütze. Leider
funktioniert das bei Verwendung eines Exchange-Servers nur mit der Version 2007...

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