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Das iPhone: Unendlicher Bedienkomfort, den noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat...
oder so ähnlich muss es dem Leser diverser Publikationen gehen, wenn er den (virtuellen) Blätterwald
verfolgt. Ein Telefon von Apple, das war lange Zeit der Wunschtraum vieler Designbegeisterter. Wer stattdessen
(wie ich) mit dem Apple Newton lange vor der Windows Mobile-Zeit das Gerät lieben lernte, das den Begriff
des PDAs erst definiert hat, der sieht das iPhone eher als Apple-PDA. Wie auch immer man aber dazu kommt, eines
ist sicher: Kaum ein Gerät hat es geschafft, so viele kontroverse Diskussionen auszulösen und so viel
Kritik und Lob im Vorfeld zu bekommen, wie das am 9. November 2007 auch in Deutschland erschienene Apple iPhone.
Und so blieb mir nichts anderes übrig, als mich an diesem Datum in die (erschreckend kurze) Reihe der Interessierten
einzureihen und eines zu kaufen (meine Erfahrungen zur Mitternachtsbestellung könnt Ihr im Blog finden).
Die große Frage: Ist das iPhone wirklich das "Übergerät"? Verweist es einen aktuellen
Windows Mobile-PDA auf die Plätze? Um die Antwort darauf möglichst fair und objektiv zu finden, habe
ich folgendes Vorgehen gewählt:
Die ersten Tage habe ich das iPhone als einziges Gerät verwendet, um ein Gefühl für die Bedienung
und Haptik zu bekommen, ohne direkt zu vergleichen. Dann erst habe ich ein Windows Mobile Gerät (ein Vorabmodell
des XDA Star und den HTC TyTN II) parallel verwendet, um zum einen zu sehen, was mir bei den Windows Mobile-Geräten
im ergleich fehlt, zum anderen aber auch die Lücken der Funktionalität des iPhones zu finden.
Wichtig ist mir für die Lektüre des folgenden Vergleiches, dies klar zu machen: Es ging nicht darum,
das iPhone als "Gerät mit falschem Betriebssystem" abzuqualifizieren, sondern einen möglichst
unvoreingenommenen Blick über den Tellerrand zu wagen und objektiv herauszuarbeiten, wann welches Gerät
empfehlenswert ist.
Zur Einordnung bekommen die einzelnen Merkmale Stärken, die nacher zu einer
Gesamtsumme zusammengezählt werden.
 
Allgemeine Bedienung:
Die Oberfläche und die Art, wie der Benutzer seine Aufgaben erledigen kann,
ist mit Sicherheit der Bereich, wo das iPhone punkten kann. Im Gegensatz zu den Windows Mobile-Geräten (und
hier besonders auch dem HTC Touch/Touch Dual) verwendet Apple kein Touch Screen, sondern ein Multitap-fähiges
Display. Das wird vor allem in der direkten Bedienung offenbar: Nimmt man einen Stift, dann reagiert das iPhone
überhaupt nicht darauf, während ein Windows Mobile-Gerät vollkommen uninteressiert ist, was nun
die Berührung ausführt. Beim iPhone muss es zwingend ein Finger sein. Das hat Vor- und Nachteile: vom
Bediengefühl her ist es angenehm, weil der Druck keinen Einfluss hat. So kann eine Telefonnummer über
die virtuelle Tastatur extrem schnell und sicher gewählt werden und dem Benutzer fällt nach einer Zeit
gar nicht mehr auf, dass er keine "echte" Tastatur hat. Beim einem Windows Mobile-Gerät hat man
rein intuitiv eine größere Unsicherheit und muss öfter mal die Nummer korrigieren.
 
Geradezu genial ist das Zoomen in Dokumenten, Fotos, bei Internetseiten und Mails:
Daumen auf den Ausgangspunkt halten, mit dem Zeigefinger parallel davon "wegschnippen", und schon wird
die Ansicht abhängig von der Länge der Bewegung vergrößert, und das stufenlos. Das selbe Verfahren
funktioniert natürlich auch anders herum zum Verkleinern der Ansicht. Eine solche Funktion sucht man bei Windows
Mobile-Geräten vergeblich, denn diese können durch den Touch Screen immer nur eine Berührung gleichzeitig
verarbeiten.
 
Ganz ohne Einschränkungen ist dies freilich nicht: Das iPhone ist fast durchgängig
einhandbedienbar, die Ausnahme ist genau das oben beschriebene Verfahren. Man muss zwingend die Hand dafür
verwenden, die das Gerät gerade nicht hält, denn Daumen und Zeigefinger sind an der das Gerät haltenden
Hand von ihrem Bewegungsspielraum zu eingeschränkt.
Das Rollen durch Dokumente, das Blättern durch nebeneinander liegende Ansichten funktioniert genau so, wie
ein Windows Mobile-Gerät mit Pocket Plus 4.0 oder dem HTC TouchFLO es bietet, zumindest hier sind beide Geräte
ungefähr vergleichbar im Bedienkomfort.
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Texteingabe:
Geschickt gelöst hat Apple ein aus der oben beschriebenen Fingerbedienung
entstehendes Problem: Hat man mitten in einem Text einen Fehler, dann würde man mit einem Stift zielgenau
an die entsprechende Position tippen und damit den Cursor dorthin bewegen. Mit der Fingerfläche ist dies nicht
möglich, und darum hat Apple einen eigenen Modus dafür eingeführt: Hält man den Finger auf
eine Textstelle, dann erscheint über ihm nach einem kurzen Moment ein Kreis, der diese Textstelle vergrößert
und in dem man den Cursor durch leichtes Rollen nach links oder rechts (als würde man einen Fingerabdruck
auf Papier rollen) bewegt.

Allgemein wird bei allen Eingaben eine virtuelle Tastatur eingeblendet. Im Hochformat
(das für die meisten Anwendungen unabänderlicher Standard ist) ist man gezwungen, mit einem Finger zu
tippen. Nutzt man (wie von Windows Mobile-Geräten mit Tastatur gewohnt) die Daumen, dann geht die Tippgeschwindigkeit
rapide in den Keller, zu nah beieinander sind die Tasten. Nur beim Safari-Browser, der sich beim Kippen des iPhones
ins Querformat schaltet und damit die Tastatur verbreitert, kann dies ausgeglichen werden.

 
Alternative Texteingabefunktionen fehlen ganz, und da sind die Windows Mobile-Geräte
deutlich im Vorteil: Auch wenn keine interne Hardwaretastatur vorhanden ist kann man dort per Buchstaben- oder
Handschrifterkenner und dem Stift deutlich schneller Texte eingeben.
Gut gelöst ist die Autokorrektur, die aus einem fest vorhandenen Dictionary und einer sich mit der Benutzung
steig erweiternden benutzerspezifischen Datenbank abgleicht und damit kleinere Fehler schnell korrigiert.

Das klappt nicht immer, aber erfreulich oft.... nur sollte man bei falschen Korrekturvorschlägen
(wenn beispielsweise das Wort richtig geschrieben ist, aber das iPhone es nicht kennt) vor dem nächsten Satz-
oder Leerzeichen schnell das X am Vorschlag drücken, sonst wird ein richtig geschriebenes Wort "verkorrigiert".
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Kommunikations- und Datenverbindungen:
Aus meiner Sicht eines der größten Mankos der iPhones. Man mag geteilter
Meinung über UMTS oder HSDPA sein, für mich als Nutzer meiner GSM-Karten für Notebooks allerdings
ist es ein wenig bitter, dass das iPhone nur EDGE (ungefähr dreifache ISDN-Geschwindigkeit) und nicht UMTS
oder gar HSDPA unterstützt.
Viel schlimmer aber ist die Art, wie das iPhone mit anderen Geräten umgeht: Zum einen hat es keinerlei offene
Modemverbindung, kann also nicht per Bluetooth, WLAN oder Kabel für andere Geräte als Modem genutzt werden.
Das wäre ja alleine genommen auch noch nicht so schlimm, wäre da nicht die Einschränkung der SIM-Karte
bzw. der Nutzung der selben.
Das iPhone wird nur mit speziellen Tarifen verkauft, von denen der günstigste mit EUR 49,95 im Monat zu Buche
schlägt (und so über die 24 Monate Mindestlaufzeit den Gesamtpreis des Gerätes auf mal eben über
EUR 1600,- treibt, grob EUR 1200,- monatliche Gebühren, EUR 25,- Anschlusspreis und EUR 399,- Gerätepreis).
Dafür hat man dann allerdings auch eine Datenflatrate per GPRS/EDGE und T-Mobile WLAN-Hotspots in Deutschland,
ein Kontingent an Inklusiv-Minuten (im kleinen Tarifmodell 100) und -SMS.
Das ist im Vergleich zu anderen Tarifen vom Grundsatz her okay... bis man das Kleingedruckte liest:
"Gilt nur für die Nutzung mit dem iPhone im nationalen T-Mobile
Netz und an deutschen HotSpots der Telekom oder von T-Mobile (WLAN). Ab einem
Datenvolumen von 200 MB (Complete M), 1 GB (Complete L) oder 5 GB (Complete XL) pro Monat wird die Bandbreite im
jeweiligen Monat auf max.
64 kbit/s (Download) und 16 kbit/s (Upload) beschränkt."
Im Klartext: Datenvolumen unbegrenzt, wer es aber wagt, zu viel zu verbrauchen, der wird ausgebremst. Über
die angegebenen Grenzen hinaus wird aus der EDGE-Geschwindigkeit gerade mal "max. ISDN-Geschwindigkeit".
Und das kleine Wörtchen "max." im Text lässt Deutungen offen, wie weit nach unten dies reichen
kann. Internet-Surfen wird damit schnell uninteressant.
Der zweite eher untergehende Punkt ist die Beschränkung auf die Nutzung mit dem iPhone. Dies bedeutet, dass
es zum einen keine MultiSIMs gibt, mit der man mit dem selben Vertrag auch ein anderes Gerät verwenden kann,
zum anderen die Nutzung der iPhone-SIM in einem anderen Gerät zur Datentelefonie kostenpflichtig wird. Ganz
geschickt darüber geregelt, dass das iPhone einen eigenen APN nutzt und nicht den normalen "internet.t-mobile".
Damit ist die Nutzung mit einem normalen Endgerät erkennbar und kann separat berechnet werden.
Wenn man es eng betrachtet, dann macht die Einschränkung auf das iPhone gar die Flatrate obsolet. Wann hat
man tatsächlich einen hohen Bedarf an Datenvolumen? Auch bei intensivem Surfen hält sich das eher in
Grenzen. Erst, wenn man Dateien herunterlädt, dann geht schnell der Verbrauch in ungeahnte Höhen. Das
aber unterbindet der Safari-Browser mit dem lakonischen Kommentar "Safari kann diese Datei nicht öffnen".
Die Nutzung des iTunes-Stores wiederum erfordert eine WLAN-Verbindung, und damit fällt auch diese Anwendung
der Datenübertragung aus der Flatrate heraus.
Das ist in der Summe aus meiner Sicht der Punkt, der dem iPhone das Genick bricht und es von einem Massengerät
zu einem Gerät für eine beschränkte Kundenschicht werden lässt.
Nicht falsch verstehen: Auch die MDAs von T-Mobile sind netlocked, aber sie sind weder an einen bestimmten Vertrag
gebunden, noch ist der Zwang so stark wie beim iPhone, denn für EUR 99,- lässt sich der Netlock aufheben.
Und auch Bluetooth ist beschnitten: Was dem Einsteiger wie Zauberei vorkommt, frustriert den erfahrenen Benutzer
schnell: Das iPhone sucht sich, wenn man in den Bluetooth-Dialog geht, automatisch Freisprecheinrichtungen in der
Umgegend und bietet sie zur Kopplung an. Mit einem Klick und der Eingabe der Bluetooth-PIN des zu koppelnden Geräts
ist die Verbindung schnell hergestellt. Während eines Telefonates wird dann jeweils die sich in Reichweite
befindliche Freisprecheinrichtung angesteuert, über das Display des iPhone kann schnell zum Lauthören
oder auf das iPhone selbst zurück geleitet werden.
Soweit gleich auf, wenn nicht gar ein wenig komfortabler als das normale Windows Mobile-Gerät.
Was aber diesen Eindruck wieder komplett zerstört: Die oben beschriebene Funktionalität ist alles, was
das iPhone per Bluetooth kann. Weder Daten senden/empfangen (damit keine Bilderübertragung der Kamera), kein
serieller Port (damit beispielsweise keine Möglichkeit, ein GPS anzuschließen und die aktuelle Position
im installierten Google Maps darstellen zu lassen) und im Zusammenhang mit dem iPOD am schlimmsten: kein A2DP-Profil.
Hier hört das Verständnis eines jeden Nutzers schnell auf, denn was für einen Sinn macht es, bei
einem MP3- und Videoplayer, der über Bluetooth verfügt, die Audiowiedergabe zu beschneiden und nicht
zu erlauben, mit einem Bluetooth-Stereo-Headset Musik in Hifi-Qualität zu hören?
Hier sind die Windows Mobile-Geräte dem iPhone um Längen überlegen.
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Internet und Mail:
Hier muss man ehrlich sein: so gut alternative Browser für Windows Mobile
sind, der auf dem iPhone installierte Safari-Browser schlägt sie um Längen. Ich habe auf diversen Windows
Mobile-Geräten schon unterschiedlichste Browser ausprobiert, aber ein so "echtes" Surf-Gefühl
habe ich noch nicht erlebt. Dies liegt an unterschiedlichen Dingen:
Zum einen übernimmt Safari eine Webseite in ihrer ursprünglichen Form, passt sie aber der Bildschirmausrichtung
und -größe an. Der Benutzer hat so einen optimalen Überblick über die Seite, ohne zwar Details
lesen zu können, durch den "Schnippzoom" des iPhones ist man aber schnell an der entsprechenden
Stelle, die man lesen will.
Zum anderen ist die Bedienung durch das oben beschriebene Zoom-Verfahren und die Navigation, die über die
Finger funktioniert (die Seite kann
beliebig verschoben werden) so intuitiv und schnell, dass man schnell vergisst, an einem mobilen Gerät zu
sitzen.



Zusätzlich habe ich bei keiner einzigen Seite einen echten Verlust an Funktionalität
feststellen können, auch sonst recht "empfindliche" Bankseiten funktionierten klaglos.
Klarer Punktsieg für das iPhone also. Einzige mir aufgefallene Einschränkung: den Adobe Flash-Player
hat man nicht und damit bleiben einige Plugins "leer", werden nur durch ein kleines Symbol repräsentiert,
aber nicht angezeigt.

Der Mail-Client ist ebenfalls gut, zumal er vollwertige HTML-Funktionalitäten
bietet und so Emails genauso darstellt wie ein PC. Das allerdings kann Windows Mobile seit der Version 6 ebenfalls,
was diesen Punkt egalisiert. Ein wenig störend: Word- und PDF-Dokumente als Anhänge können dargestellt
werden, eine als Anhang mitgeschickte Mail wird als "mime-attachment" angezeigt, lässt sich aber
nicht öffnen. Word-, Excel- und PDF-Dateien lassen sich ebenfalls anzeigen, auch diese in sehr gut übertragenem
Format, Powerpoint-Präsentationen leider nicht.
Zwei weitere Punkte aber lassen das Pendel dann in die Gegenrichtung ausschlagen: Das Fehlen von Push Mail und
echter Exchange-Anbindung. Wer ein Windows Mobile-Gerät ab der Version 5 mit AKU2 sein Eigen nennt, der geht
schnell dazu über, ein Exchange-Postfach zu mieten, wenn er denn nicht einen eigenen Exchange-Server zuhause
oder in der Firma hat. Und in diesem Zusammenhang nutzt er dann sicherlich auch die Möglichkeit, auf dem Server
geänderte Elemente (wie neue Mails, eingegangene Termine, etc.) sofort nach Eintreffen auf sein mobiles Gerät
zu bekommen. Doppelt enttäuscht ist er beim iPhone:

 
1.) Es gibt keine "echte" Exchange-Anbindung, sondern nur ein Exchange.Profil
für Mailkonten (das faktisch nichts anderes macht als einen IMAP-Zugriff auf den Server einzurichten). Da
fehlt dann zum einen tatsächlich die Push-Funktionalität, vor allem aber die Möglichkeit, auch Termine
und Kontakte "over the air" zu synchronisieren, statt das Gerät erst am Abend am heimischen PC abgleichen
zu können.
2.) Wer jetzt dem Handbuch glaubt und liest, dass ja zumindest Yahoo mit Push-Mail arbeitet, schnell ein Yahoo-Postfach
anlegt und seine Mail weiterleiten lässt, der wird enttäuscht: Funktionieren wollte das (zumindest im
Test) nicht.
So bleibt nur eines: Das Abfragen der Mails in festzulegendem Turnus... warum aber Apple hingegangen ist und als
kleinstes Intervall 15 Minuten anbietet, ist mir vollkommen unklar.
Wer die Email-Funktionalität nutzt, der wird nicht sonderlich glücklich über die Notifikationen
sein: Ist eine neue Email eingegangen, dann vibriert und piept das iPhone kurz. Visuell ändert sich aber nur
im Hauptmenü etwas: Am Email-Symbol befindet sich ein roter Kreis, in dem die Zahl der ungelesenen Nachrichten
steht. Ist man in einer Anwendung, dann sieht man dies nicht. Bei einem Windows Mobile-Gerät erscheint umgehend
in der überall sichtbaren obersten Bildschirmleiste ein Umschlag, egal, ob es sich um eine neue SMS, MMS oder
Email handelt.
Das iPhone hat diese Statusleiste auch, in ihr werden der Netzempfang, Netzbetreiber, Datenverbindung, WLAN-Stärke,
Batteriestatus und Bluetooth-Betrieb angezeigt... wunderschön grafisch und mit massig freiem Platz. Warum
Apple dies nicht nutzt, um auch Hinweise auf neue Nachrichten überall sichtbar zu machen, wird wahrscheinlich
auch dauerhaft ein Rätsel bleiben.
Dazu das oben schon beschriebene Fehlen von Instant Messenger (bei Windows Mobile vorinstalliert und für verschiedene
andere Dienste nachinstallierbar) und Newsreader (bei Windows Mobile nachinstallierbar) im Zusammenhang mit diesen
Punkten verweisen das iPhone klar auf die Plätze.
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Applikationen und Erweiterbarkeit:
Machen wir´s kurz: Das iPhone ist ein geschlossenes System. Punkt.
Auch hier wieder ein Schritt von Apple, der unverständlich ist. Das iPhone läuft mit einer abgespeckten
Version von OS X und damit auf Linux-Basis. Mit seinen 8 GB Speicher also mehr als genug Möglichkeiten, zusätzliche
Programme zu installieren und die Funktionsvielfalt zu erweitern. Leider hat sich Apple im ersten Wurf dagegen
entschieden und dies mit Sicherheitsbedenken gerechtfertigt. Kurz vor dem Release des deutschen Modells kam dann
die Ankündigung, man würde bis Februar 2008 ein SDK auf den Markt bringen, das Entwicklern ermöglicht,
eigene Programme zu entwickeln. Das allerdings wird dann sicherlich bis ins zweite Quartal 2008 dauern, und es
ist offen, wie die Möglichkeiten dann tatsächlich aussehen. Vergleicht man das mit der schier unendlichen
Zahl an Anwendungen für Windows Mobile, dann ist das ein klarer und nicht wegzudiskutierender Nachteil für
das iPhone.
 
Die internen Anwendungen machen ohne Frage Spaß, sind allerdings durch ihre
fehlende Erweiterbarkeit nach kurzer Zeit eher unbefriedigend. So kann man beliebige Aktien über eine eigene,
grafisch wunderschöne Applikation abfragen, sieht den Kurzverlauf über wählbare Zeiträume,
etc. Was man (im Gegensatz zu den zugrundeliegenden Yahoo-Daten) aber nicht kann, ist beispielsweise Währungskurse
aufnehmen (EURUSD wird bei Yahoo angeboten, auf dem iPhone aber nicht).
Die Wettervorhersage konfigurierbarer Städte mit grafischer Ansicht, der Online-Zugriff auf youTube, Taschenrechner
und Uhr komplettieren die vorinstallierten Zusatz-Anwendungen (Multimedia mal ausgenommen). Safari als Internet-Browser,
ein Email-Client (ebenfalls separat besprochen) und eben die iPOD-Applikation runden das Bild ab.
Was ganz klar fehlt: Spiele. Jeder Billig-PDA hat zumindest ein oder zwei Spiele installiert, mit denen man sich
die Zeit vertreiben kann... nicht so das iPhone.
Ebenso fehlen grundsätzliche Kommunikations-Applikationen: Auf Grund seiner Platzierung ist das iPhone optimal
als mobiles Infocenter geeignet, was ja durch die Aktienkurs-Anwendung auch teilweise umgesetzt ist. Aber wo ist
der Newsreader? Morgens an der Ampel eben mal die Schlagzeilen von MSN lesen, die Feeds der wichtigsten ihn interessierenden
Webseiten, das ist doch das, was der "Normalbenutzer" sich wünscht. Aktienkurse sind "cool",
aber nur für eine Minderheit wirklich wichtig!

Und ein Messaging-Device ohne Messenger? Kein MSN, ICQ, Yahoo, was auch immer,
das ist kaum verständlich... das Fehlen von MMS kann ich dagegen eher verschmerzen, aber auch das ist eigentlich
Standard.
Zu guter letzt wurmen auch hier die Einschränkungen der Bluetooth-Implementierung: Google Maps an Bord ist
fein, aber richtig Spaß machen würde es, wenn man die aktuelle Position auch sehen könnte, was
über ein Bluetooth-GPS so einfach wäre. Da aber das serielle Profil fehlt, geht dies nicht... und das
iPhone ist als Navigationssystem weder brauchbar noch nachrüstbar.
Auch die klassischen Office-Applikationen wie Word, Excel, Powerpoint fehlen, die ersten beiden lassen sich als
Anhang eine Mail öffnen. Im Vergleich zum Pocket Office eines Windows Mobile-Gerätes, wo gar Bearbeitungen
möglich sind, ist das für den professionellen Anwender zu wenig.
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Multimedia:
Das iPhone ist ein iPOD Touch mit Telefon. So einfach kann man sich die Welt machen.
Das allerdings kompliziert die Bewertung und den Vergleich, denn entweder mag man die iPOD-Oberfläche, oder
man mag sie nicht.
Fest steht eines: Es gibt viele alternative Programme zur Medienwiedergabe auf einem Windows Mobile-Gerät,
und diese Programme bieten eine riesige Vielfalt von Formaten, die unterstützt werden, sowohl im Audio- als
auch im Video-Bereich. Das iPhone kann "gerade mal" MP4-Videos, JPG-Bilder und MP3/AAC/WAV-Dateien wiedergeben,
und so ist man gezwungen, Standardformate umzuwandeln. Das allerdings funktioniert prima (z.B. MPEG2 in MPEG4,
DVD in MP4), und im Handumdrehen hat man die letzte DVD und die Urlaubsvideos mit an Bord.
Und im Gegensatz zu manchem PDA macht es tatsächlich Spaß, sich eine DVD auf dem kristallklaren und
scharfen Display des iPhones anzuschauen!
 
Die MP3-Player-Funktion, in der das Cover des CD (solange man es in iTunes hat
laden lassen und es gefunden wurde) hochauflösend angezeigt wird, das Umschalten in eine virtuelle 3D-Albenansicht,
wenn das Gerät ins Querformat gedreht wird, all das ist Teil der Bedienerfahrung und macht Spaß....
selbst der Meida Player eines Windows Mobile-Gerätes bietet aber eine ähnlich multimediale Erfahrung.
Was allerdings vom Grundsatz her eine deutliche Einschränkung ist, ist das "Prinzip iTunes". Im
Gegensatz zu einem Windows Mobile-Gerät können nicht einfach vorhandene MP3s auf das Gerät kopiert
und dort verwendet werden, sie müssen zwingend über iTunes geladen werden. Da das Dateisystem des iPOD
nicht offen ist, verschwinden die Dateien im Nirwana und sind eben nur durch den iPOD auf dem iPhone verwendbar.
In der Folge kann man weder unterwegs neue MP3s auf das iPhone bringen noch MP3s entfernen ohne den PC, auf dem
sich die iTunes-Bibliothek befindet, zu verwenden.
Schlussendlich ist eine Verwendung des iPhones als externe Festplatte damit auch unterbunden, beim Anschluss wird
es zwar als Datenträger erkannt, lässt aber nur Lese- und Löschzugriff auf das Verzeichnis für
die Bilder der internen Kamera zu.
Was sich hier herauskristallisiert ist eine erzwungene Bindung an Apple, die sich negativ auf den Gesamtnutzen
des Geräts auswirkt.

Natürlich ist ein Online-Client für den iTunes-Shop toll... sobald man
in einem WLAN ist (was ja dank der Tarife auch in den T-Mobile-Hotspots funktioniert) kann man komfortabel nach
Musik suchen, diese kaufen und herunterladen. Ist man dann wieder zuhause, dann werden die Stücke automatisch
auf den PC übertragen. Rund und sauber... aber nichts anderes als eine Degradierung des iPhones zum iTunes-Einkaufswagen.
Ganz bitter wird es, wenn es um Klingeltöne geht: Kann man auf einem Windows Mobile-Gerät einen beliebigen
Soundclip im MP3-, WMV- oder MID-Format nehmen und als Klingelton zuordnen, und so mit geringstem Aufwand aus seinen
Lieblings-Musikstücken persönliche Klingeltöne machen, so hat Apple auch hier kurzentschlossen einen
Riegel vorgeschoben.
Man mag es kaum glauben, aber im Grundzustand kann das iPhone nur einen der wenigen mitgelieferten polyphonen Klingeltöne
verwenden.... ein Rückfall in graue Vorzeit. Dabei kann das iPhone nun mal MP3s wiedergeben, an der Technik
liegt es also nicht! Aber halt... Apple bietet ja einen Ausweg! Mit der Version 7.4.x von iTunes können im
iTunes-Store auch Klingeltöne bezogen werden. Oder genauer: Der Benutzer kann einen Song für EUR 0,99
kaufen und diesen dann für zusätzliche EUR 0,99 zu einem Klingelton schneiden und auf das iPhone übertragen.
Man bezahlt damit also für jeden Song doppelt, den man auch als Klingelton verwenden will... und kann nur
auf die zugreifen, die iTunes zur Verfügung stellt (aktuell ist im deutschen Store noch nichts zu finden).
Es geht gar nicht mal um die Höhe des Betrages, so viele unterschiedliche Klingeltöne wird man nicht
verwenden, aber alleine die Tatsache, ein teures Hightech-Gerät von Standardfunktionalitäten wie der
freien Wahl des Klingeltones zu entbinden, alleine, um zusätzlichen Umsatz zu machen, das ist aus meiner Sicht
bitter und dreist! Windows Mobile erwartet in älteren Versionen eine beliebige MP3- oder WAV-Datei in \Windows\Rings,
in den neueren Versionen gar auch auf der Speicherkarte. Ordnet man diese einem Kontakt zu, werden diese bei dessen
Anruft abgespielt. Einfach und effektiv.
Mittlerweile gibt es ein kleines, kostenloses Programm, mit dem beliebige
MP3-Dateien schnell und an allen Sicherheitsmechanismen von Apple vorbei als Klingeltöne übertragen werden
können. Funktioniert prima, allerdings sollte man beim Hochladen iTunes hart beendet haben (Prozess iTunesHelper.exe
beenden). Nach jedem itunes Sync muss das Programm einmal wieder gestartet werden, es stellt dann die von iTunes
"gelöschten" eigenen Klingeltöne wieder her.
Zusätzlich spielt hier noch die Einschränkung der Bluetooth-Funktionalität eine Rolle: Ich habe
mich auf den Windows Mobile-Geräten daran gewöhnt, mit einem Sony Hifi-Bluetooth Headset Musik zu hören,
und durch die Tatsache, dass das iPhone Bluetooth an Bord hat, hatte ich erwartet, dass ich das auch dort genauso
tun könnte. Warum auch immer Apple das High Quality Audio (A2DP) Profil nicht integriert hat, kann ich nicht
sagen. Dass es eine massive Einschränkung ist, aber schon.
Auf Grund der Einschränkungen des iPhones auf der einen und der Funktions- und Formatvielfalt für Windows
Mobile auf der anderen Seite ist auch hier Windows Mobile vorne... und nur deshalb so "knapp", weil die
iPOD-Oberfläche aus meiner Sicht ansehnlich und funktional ist.
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