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Kaum ein Gerät hat vor seinem Erscheinen so viel Interesse hervorgerufen
wie der Fujitsu-Siemens LOOX 600. Dies mag an vielen Faktoren gelegen haben: Zum einen wird das Marktdebut eines
renommierten Herstellers immer besonders interessiert betrachtet, liegen doch Top und Flop so nah beieinander.
Zum anderen ist natürlich die Verwendung des XScale-Prozessors mit 400MHz und die integrierte Bluetooth-Funktionalität
bei einem Preis von (mittlerweile) EUR 689,- ein Preis, der die Konkurrenz blass aussehen lässt, auch das
also ein Grund für eine genauere Betrachtung des LOOX. Das hier getestet Gerät ist zwar ein Vorseriengerät,
alllerdings sowohl bei der Hard- als auch bei der Software mit Release-Stand, sollte sich vom tatsächlich
in den Handel kommenden nicht unterscheiden.
1.) Display
Das Display ist wie bei den anderen aktuellen Pocket PCs reflektiv, also auch in hellem Sonnenlicht gut lesbar.
Die Hintergrundbeleuchtung lässt sich in mehreren Stufen regeln, wer sich damit nicht abgeben möchte,
der ist bei der automatischen Helligkeitsregelung, die über einen Sensor oben am Gerät durchgeführt
wird, bestens bedient. Das Display ist scharf und kontrastreich, auch Fotos lassen sich in ordentlicher Qualität
betrachten.
Was negativ auffällt: Schreibt man mit dem Stift mit von anderen PDAs gewohntem Druck, dann passiert es häufiger
mal, daß nur Teile des Buchstabens "ankommen" und die Erkennung damit nicht funktioniert. Festeres
Drücken aber bringt immer das Risiko des Verkratzens des Displays mit sich.

2.) Erweiterbarkeit
Mittlerweile gehört es zum guten Ton, sowohl einen CF (Typ 2)- als auch einen kombinierten SD/MMC-Slot mit
an Bord zu haben. Natürlich lässt der LOOX sich da nicht lumpen und zieht gleich, was durchaus den Reiz
hat, ohne weitere Erweiterungen ein GPS (CF) samt umfangreichem Kartenmaterial (auf SD) zu verwenden. Wer PC-Cards
nutzen möchte, der kann ohne Probleme auf das Adapter von Semsons zurückgreifen, das aus einem CF-Slot
einen PCMCIA-Slot macht.
Noch für dieses Jahr hat sich Fujitsu-Siemens einiges vorgenommen: Es soll schin im Herbst ein GPRS/GSM Jacket
mit Bluetooth-Headset auf den Markt kommen, das hinten an den LOOX angesteckt wird (kleine Führungsnuten sind
bereits vorhanden), des weiteren ein aufsteckbarer Akku mit hoher Kapazität und eine Falttastatur.

3.) PC Connectivity und Stromversorgung
Versorgt wird der LOOX mit einem 1520 mAh Lithium-Polymer-Akku, der dem das Gerät eigentlich richtig lange
Lebensdauer verleihen sollte. In der Praxis macht sich dies allerdings nicht wirklich bemerkbar, die Laufzeiten
liegen knapp über denen eines iPAQ 38xx. In der Systemsteuerung des LOOX wurde eine Option aufgenommen, die
den Prozessor in einen Stromsparmodus versetzt (und damit bremst). Dies macht sich auch an den Leistungswerten
bemerkbar.
Fujitsu-Siemens legt seinem LOOX neben dem Netzteil (in meinem Karton mit deutschem und englischen Stecker, das
mag aber am Vorseriengerät liegen) eine USB-Cradle mit abnehmbarem USB-Syc-Kabel bei. Das ist in sofern klasse,
weil man die Dockingstation zuhause stehen lassen kann, und ohne großen Umbau dann einfach das Sync-Kabel
mit auf Reisen nimmt. Leider ist allerdings die bei anderen PDAs in den USB-Kabeln so beliebte Ladefunktion nicht
integriert, das Netzteil muss man ggf. mitnehmen. Wer sich allerdings Leistungsdaten und Anschlußstecker
anschaut, der wird sehen, daß diese sehr ähnlich zum iPAQ sind. Dessen Netzteil und Autoladekabel wären
also verwendbar...
Wie schon beim Yakumo alpha muß für die Dockingstation ein Treiber von der beiliegenden CD installiert
werden.

4.) Multimedia
Im Lieferumfang hat der LOOX den Mediaplayer und den Microsoft Reader,
Unterhaltung per eBook oder MP3-Dateien ist also gesichert. Der Lautsprecher des Geräts klingt gut, ist allerdings
auch bei höchster Lautstärkestufe extrem leise. Bei Verwendung eines Kopfhörers relativiert sich
dies, auch wenn es keine Einstellmöglichkeit für Höhen/Bässe gibt.
Der Spieler wird sich über die Kombination Schnelligkeit/Qualität des Displays freuen, durch das Steuerkreuz
lassen sich Spiele auch akzeptabel steuern, obwohl man manchmal wünschen würde, es wäre ein wenig
grösser.

5.) Lieferumfang, Ausstattung und Bedienung
Der LOOX ist standardmäßig ordentlich ausgestattet: Neben (wie oben schon beschrieben) der Dockingstation
und dem USB-Kabel, dem Netzteil und dem Gerät selbst liegen noch eine Tasche, ein Ersatzstift (der übrigens
ausziehbar ist und durch einen Schnappmechanismus eingerastet/gelöst wird).
Phänomenal ist die Softwareausstattung auf der Companion-CD: TrueFax, DerDack
SMS-Client, Pocket Informant, Nyditot Virtual Display, FSecure, Space2Go, CodeWallet. Absolut vorbildlich!
Ebenfalls als Standardsoftware dabei: Ein Backup-Programm auf SD/CF-Karten und
das FSCSpeedmenü. Dazu hat man sich etwas einfallen lassen: Der LOOX ist auf Einhandbedienung ausgelegt. Unterstützt
wird dies zum einen durch das durch eine eigene Hardwaretaste aufrufbare Menü, das sowohl Programme, Einstellungen
als auch einen Taskmanager beinhaltet. Die Navigation findet durch ein Scrollrad direkt darüber statt. Bequem,
komfortabel, schnell. Dafür musste die Voicerecorder-Taste auf die rechte Seite ausweichen, was aber absolut
nicht stört.
Gewöhnungsbedürftig (im wertneutralen Sinne des Wortes) ist die Kommmunikation per Bluetooth. Zum einen
ist sie physisch (durch einen Schalter an der rechten Seite des LOOX) ein- bzw. abschaltbar. Dies ist angenehm
in Situationen, wo Funkübertragungen (und um eine solche handelt es sich bei Bluetooth ja) nicht gestattet
sind (z.B. in Flugzeugen).
Zum anderen hat man eine eigene Applikation hinzugefügt, die sich vom Bluetooth-Manager eines iPAQ 3870/3970
oder dem der diversen BT-Karten signifikant unterscheidet:
Beim ersten Start wird der Name des LOOX für andere Geräte festgelegt
und ein Kennwortschlüssel eingegeben (der sollte bei Kopplung mit einem Nokia-Telefon möglichst kurz
sein...). Im folgenden Bildschirm legt man fest, welche Dienste zugänglich sein sollen:
 
Man kann dann Ordner freigeben, auf die gekoppelte Geräte zugreifen können,
und entsprechende Berechtigungen festlegen. Im Manager selbst wird dann die automatische Erkennung gestartet, die
alle verfügbaren Bluetooth-Geräte anzeigt:
 
Um ein Gerät zu koppeln, einfach dieses angeklickt halten und im Kontextmenü
"Verknüpft" anwählen. Der LOOX fragt dann den Kennwortschlüssel ab (siehe erster Screenshot),
versucht dann, die Kopplung mit dem Gerät einzugehen. Dieses fragt dann, ob die Kopplung angenommen werden
soll, dann muss derselbe Kennwortschlüssel eingegeben werden, und schon hat man eine permanente Bindung hergestellt.
Bei Nokia-Telefonen unangenehm (obwohl ich beim iPAQ und dem 8910 dieses Problem nicht mehr hatte): Man hat für
die Bestätigung, die KEy-Eingabe und nochmal "ok"-Drücken eine knappe Sekunde Zeit. Ein kurzer
Kennschlüssel ist da äusserst empfehlenswert!
 
Herstellerseite
Fazit:
Ist der LOOX der Heilsbringer des PDA-Marktes? Schwer zu sagen. In jedem Fall ist er auf Grund seiner Leistungsdaten
und seiner Ausstattung ein hochinteressantes Gerät. Das Design ist ungewöhnlich (und damit kaum objektiv
zu bewerten), die Funktionalität in jedem Fall extrem hochwertig
Update 26.08.2002:
Nach einigen Tagen mit dem Seriengerät und diversen Gesprächen mit anderen "echten" Nutzern
sind einige Punkte ein wenig klarer geworden:
Die Bluetooth-Funktionalität ist arg gewöhnungsbedürftig: Ist die
Anwendung Pocket Plug Free nicht im Hintergrund gestartet, dann funktioniert die Verbindung zum Mobiltelefon mal,
mal eben auch nicht. Mein Tip: in den Autostart-Ordner kopieren, dann ist sie bei jedem Systemstart da.
Dann allerdings kann es auch schon mal passieren, dass der LOOX beim Einschalten
etwas von "Während das Gerät ausgeschaltet war, wurde die Radiohardware ausgeschaltet" erzählt
und abbricht (obwohl sie per Taste nicht abgeschaltet wurde). Erinnert das nicht irgendwie an einen anderen Hersteller
mit PDAs mit integriertem Bluetooth?
Die Performance ist zwar nicht "katastrophal", wie einigen andere Tester
meinten, aber nach Installation der wichtigsten Programme, die man so braucht (GPS, CodeWallet, etc.) ist der LOOX
in der Navigation im Startmenü/den Programmen maximal so schnell wie ein iPAQ 38xx oder der XDA, die keinen
XScale haben. Und "maximal so schnell" heisst nun auch, dass er teilweise gar langsamer ist...
Von vielen ebenfalls bemängelt und nachvollziehbar: er ist spürbar größer
als die Konkurrenz. Passen XDA, iPAQ, Toshiba, Casio und alpha problemlos in die Avoglio-Cases, so kann man den LOOX auch zwei
Tagen zum Weiten des Leders drinlassen, und man bekommt ihn trotzdem nur per "Gewalt" heraus.
Und zu guter Letzt noch die Erfahrungen mit dem Akku: Omega One´s BattPack
zeigt bei vollem Akku knappe 2h 42 an, im Gegensatz zum iPAQ 3870 mit 3h 24. Und in der Praxis merkt man eben auch,
dass der Akku relativ schnell schlapp macht.
Die Zeit wird zeigen, wie die Wertschätzung sich entwickelt... mehr dazu
dann hier...
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