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Es gibt immer wieder Geräte, die bereits im Vorfeld für so viel Diskussionen sorgen, dass man ihr
Erscheinen kaum noch erwarten kann. Eines dieser Geräte war der MDA Pro (HTC Universal, imate JasJar), der
nachher mit dem wenig liebevollen Namen "Puderdose" eher zum Ladehüter wurde, als dass er seinen
Vorschusslorbeeren gerecht werden konnte. Nun war gerüchteweise immer wieder von einem Nachfolger zu lesen,
und als T-Mobile den MDA Ameo (HTC Athena) ankündigte, war schnell klar, dass dieser das schwierige Erbe antreten
müsse. Allerdings ist das nicht so ganz richtig: Der MDA Pro soll mit dem HTC Omni seinen Nachfolger bekommen,
der Athena ist ein vollkommen eigenständiges Gerät. Ob dies allerdings den Erwartungsdruck mindern kann,
bleibt abzuwarten.

Der MDA Ameo wird nicht ohne Grund über T-Mobile als Mini-Notebook vermarktet, denn er ist eines der größten
Geräte, die mit Windows Mobile 5 laufen. Damit einher geht vor allem die bisher unerreichte Bildschirmdiagonale
von 5 Zoll (12,7 cm). Dies fordert natürlich einen Tribut im Hinblick auf die Größe und das Gewicht
des Gerätes. Ob das Gesamtpaket schlussendlich überzeugen kann, lesen Sie im folgenden Testbericht:
Urteilt man alleine anhand der technischen Daten, dann ist der Ameo ein absoluter Gewinner: Kein Gerät kann
so viel Technik und Funktionalität auf so kleinem Raum kombinieren: ein 624MHz Bulverde-Prozessor, Telefon,
GPRS, UMTS mit EDGE und HSDPA, WLAN 802.11b/g, ein VGA-Display (640*480), integrierter SiRF III-GPS-Empfänger,
eine 8 GB Festplatte, ein MiniSD-Slot und eine magnetisch zu befestigende QWERTZ-Tastatur lassen die Grenzen zwischen
PDA, UMPC und Tablet PC nahezu verschwimmen.

Auch wenn mittlerweile Windows Mobile 6.0 auf dem Markt ist, haben sich HTC als Hersteller und T-Mobile als
der vertreibende Netzbetreiber dazu entschlossen, dem Ameo "nur" Windows Mobile 5.0 als Betriebssystem
mitzugeben. Während HTC auf dem 3GSM World Congress angekündigt hat, für das eigene Gerät X7500
ein Update anzubieten, steht T-Mobile im Moment noch auf dem Standpunkt, dies für den Ameo nicht zu tun. Hoffnung
bleibt dennoch, denn zum einen beweist die HTC-Aussage, dass es machbar ist, zum anderen wird der Druck der potentiellen
Käufe bei einem so hochpreisigen Produkt sein übriges tun, um T-Mobile umzustimmen.
Im täglichen Betrieb ist der Ameo ein Quell steter Freude, wenn man sich erst einmal an die folgenden Einschränkungen
gewöhnt hat: Telefonieren kann man nur, wenn man das beiliegende Kabel-Headset, ein optionales Bluetooth-Headset
oder die integrierte Freisprecheinrichtung benutzt. T-Mobile hat (gottseidank) unterbunden, dass man sich mit dem
"Klotz am Ohr" zum Gespött der Leute macht, Telefonieren mit dem Gerät am Ohr geht also nicht.

Dann ist der Ameo alles andere als Hemd- oder Hosentaschentauglich. Selbst ohne Tastatur und Tasche ist er noch
so groß, dass er mindestens den Platz einer Jackentasche oder Aktenmappe benötigt.
Hat man diese Einschränkungen (die ich gar nicht als negativ gelten lassen will, denn sie sind dem Käufer
vor der Entscheidung für das Gerät hinlänglich bekannt) akzeptiert, dann bleibt fast nur positives
übrig:
Das Display ist mit der Auflösung von 640*480 (VGA) schon in der Standardeinstellung absolut hell und scharf.
Wer dann einmal die Einstellungen kontrolliert undfeststellt, dass noch mehrere Helligkeitsstufen in Reserve vorhanden
sind, der wird zustimmen, dass es vergleichbares in einem PDA bisher noch nicht gegeben hat. Alleine der Wunsch
nach mehr kann den Eindruck trüben: Wer den auf dem 3GSM World Congress vorgestellten Toshiba Genio gesehen
hat, der bei kleinerer Displaygröße eine Auflösung von 800*400 realisiert, der fragt sich schon
ein wenig, ob man dies hier nicht auf hätte umsetzen können. Egal: Das Surfen mit der hohen Auflösung
ist ein wahrer Genuss, zumal T-Mobile dem Ameo neben dem im Standard integrierten Pocket Internet Explorer auch
noch den Opera Browser für Pocket PCs beigelegt, dieser nutzt die volle Auflösung und macht das Surfen
zum Genuss.
Die GSM-Einheit des Ameo funkt Quadband, kann also überall auf der Welt eingesetzt werden. Wer ihn allerdings
mit dem Netlock verwendet, der sollte darauf achten, dass er ggf. das Frequenzband manuell umstellen muss... mir
so in den USA geschehen, als er partout kein T-Mobile-Netz finden wollte...
Von der Gesprächs-Qualität her ist der Ameo vollkommen in Ordnung. Man muss sich sicherlich daran gewöhnen,
immer eine Freisprecheinrichtung dabei zu haben, denn Sprechen mit dem Gerät alleine funktioniert nur über
die integrierte Freisprecheinrichtung, die allerdings dann auch keinerlei Privatsphäre lässt und den
Umstehenden freien Einblick in das geführte Gespräch gewährt. Ob nun die beiliegende Kabel-FSE genutzt
wird oder eine optionale Bluetooth-Freisprecheinrichtung, die Kommunikation ist klar und verständlich. HTC
als Hersteller haben sich aber durchaus Gedanken gemacht, wie diese Einschränkung abgemildert werden kann:
Die Tastatur des Ameo hat einen Plexiglasteil, der im ersten Moment wie ein optisches Accessoire wirkt. Liest man
dazu das Handbuch, dann enthüllt sich ein genialer Gedanke: Der Ameo hat kein zweites Display und macht das
Annehmen eines eingehenden Rufes somit eher zum "Blindflug", da man die Nummer des Anrufers nicht erkennen
kann, wenn das Gerät in der Tasche ist bzw. die Tastatur als Displayschutz eingesetzt wird. Dafür lässt
aber jener Plexiglas-Teil den unteren Teil des Displays sichtbar, und sobald die Tastatur magnetisch befestigt
auf dem Display liegt, wird dieser Teil umgeschaltet und bietet ein "Außendisplay" mit Netzstärke,
Datenverbindung, eingegangenen Nachrichten, bei Telefonaten Bild und Nummer/Name des Anrufers, etc. Nimmt man die
Tastatur ab, dann wird wieder auf das volle Display umgeschaltet.

Apropos "magnetisch": Zubehör und Tastatur nutzen die Magnetflächen bis zum Exzess: Die
Tastatur wird in der beiliegenden Tasche nicht durch Klett oder Verstrebungen befestigt, sondern "saugt"
sich an die in der Tasche befindliche Metallfläche an. Die Tastatur hat ebenfalls keinen Befestigungs-Kontakt
zum Gerät, sondern wird ebenfalls magnetisch befestigt. All dies so fest, dass man keine Angst haben muss,
dass sich eines der Teile versehentlich löst.
Sicherstellen sollte man allerdings, dass keine Kreditkarten oder sonstige gegen Magnete "allergische"
Gegenstände in die Nähe kommen. Es bleibt zu hoffen, dass dies den Taschenherstellern bekannt ist und
diese nicht versuchen, aus alter Gewohnheit Slots für Kreditkarten zu integrieren...
Die Tastatur selbst ist sehr gewöhnungsbedürftig, wenn auch größtenteils in positivem Sinne:
Der Tastenabstand ist recht weit, im Gegensatz zu Daumentastaturen ist ein sicheres Tippen nach nicht allzu langer
Gewöhnung möglich. Umlaute können durch Drücken der Ursprungstaste (z.B. <a>) und dann
<Fn><Space> erreicht werden, auch dies ist Standard und damit nur eine Frage der Gewöhnung. Weniger
schön ist das Fehlen eines Druckpunktes. Als jemand, der rein über die Tastatur schreibt und nicht das
Display im Auge hat, muss man sehr genau kontrollieren, ob Zeichen überhaupt oder gar doppelt angekommen sind.
Dies behindert ein wenig das Schnelltippen, wie man es von einer normalen Tastatur gewöhnt ist, und wird auch
nach einer Eingewöhnungsphase nicht signifikant besser.

Mangelnder Speicher gehört im Ameo definitiv der Vergangenheit an. 256 MB ROM und 128MB RAM sind schon
doppelt so viel wie bei normalen PDAs, und die 8GB Microdrive, die fest als Speicherkarte integriert ist. Und wem
das immer noch nicht reicht, der hat noch die Möglichkeit, über miniSD-Karten weiter aufzurüsten.
Ein wenig schade ist es, dass hier der (auf Grund der Größe des Geräts problemlos passende) Standard-SD-Slot
keine Verwendung fand, sondern nur die kleinere mini-SD-Variante. So steht man als Anwender moderner mobiler Geräte
leider als "Kartograph" da und jongliert mit SD, mini- und microSD-Karten. Meine Empfehlung mittlerweile:
nur noch micro-SD-Karten kaufen: Ein Adapter auf die normale SD-Größe liegt diesen im Normalfall bei,
und langsam kommen auch Adapter auf miniSD auf den Markt, sodass dieser Kartentyp der flexibelste von allen ist.
Die Nutzung einer zusätzlichen Speicherkarte kann durchaus Sinn machen, aber nicht aus Kapazitätsgründen,
sondern aus Gründen der Schnelligkeit. Applikationen, die oft vom Datenträger nachlesen müssen (beispielsweise
Navigationssysteme mit den Kartendatenbanken) sind schon manchmal mit der geringeren Lesegeschwindigkeit der Microdrive
überfordert: Nutze ich den Ameo beispielsweise mit dem Mobile Navigator 6, dann geht die Kombination aus Lesen
der Karten und gleichzeitigem Lesen und wiedergeben einer Sprachanweisung deutlich auf die Darstellungsgeschwindigkeit.
Ist die Karte auf einer miniSD-Karte, dann ist das Problem nicht mehr existent.
Kommen wir zurück zum Thema "Durchdachtheit": eine Festplatte in einem mobilen Gerät ist immer
mit Vorsicht zu genießen. Da hier wie bei den großen Varianten ein Schreib-/Lesekopf über einen
Magnetdatenträger läuft, kann ein Hinfallen des Gerätes (bzw. eine starke Erschütterung) zu
mechanischen Beschädigungen führen, besonders ärgerlich, wenn die Festplatte wie beim Ameo fest
eingebaut und nicht wechselbar ist.

HTC sind ja in den letzten Monaten immer wieder durch neue Sensoren in den Geräten aufgefallen, und auch
beim Ameo ist dies der Fall. Der VUIO ist ein Bewegungssensor, der bei zu starken Bewegungen (wie beispielsweise
der Beschleunigung beim Fall) die Festplatte sofort abschaltet und damit einen Headcrash vermeiden hilft.
Damit das Ganze aber nicht nur zum Schutz der Festplatte dient, hat HTC "mal eben" auch die Bedienung
des Internet Explorers (bzw. des im Standardlieferumfang befindlichen Opera Browsers) damit aufgewertet: Schaltet
man die Funktion ein, dann erscheint in der Titelleiste des Fensters ein kleiner Kreis mit einem Punkt darin. Dieser
zeigt die horizontale und vertikale Neigung des Geräts an, die wiederum das Rollen durch eine Internetseite
bestimmt. Sobald eine geladene Seite Scrollbalken enthält, also weiterer Content nicht dargestellt werden
kann, rollt der Ameo bei der entsprechenden Bewegung in die entsprechende Richtung. Das klingt genial, ist in der
Praxis allerdings nur eine bedingte Hilfe: solange die Seite (bzw. Elemente davon) noch geladen wird, funktioniert
dies nur sehr zögerlich. Bei mobil optimierten Seiten, die geringen Umfang haben und entsprechend schnell
vollständig dargestellt werden, ist es eine willkommene Bereicherung der Ergonomie der Bedienung.

Und dann wäre da noch das GPS: Mittlerweile wird es ja immer beliebter, in die Geräte einen GPS-Empfänger
einzubauen und so die Anschaffung von Zubehör zur Navigation überflüssig zu machen. Der Ameo ist
hier keine Ausnahme. Ohne zusätzliche Antenne oder sonstige sichtbare Merkmale kann er out of the box (nach
Installation einer Navigationssoftware) als Navi verwendet werden. T-Mobile hat allerdings eben keinerlei Zusatzsoftware
beigelegt, sodass hier die Anschaffung eines neuen Systems Not tut. Einzige Software, die mit dem GPS etwas zu
tun hat, ist das von vielen anderen PDAs bekannte QuickGPS, das alle drei Tage die aktuellen Satelliten aus dem
Internet lädt und somit die Suche nach empfangbaren Satelliten nach längerer Nichtbenutzung beschleunigt.
Im Test wurde der Ameo mit dem Mobile Navigator 6 von Navigon betrieben, und die Gesamterfahrung setzt Maßstäbe:
Kein Gerät hat ein größeres und schärferes Display, und der MN nutzt dieses durch die VGA-Auflösung
optimal aus. Ich habe bisher in keiner Kombination aus Hard- und Software eine solche Detailtiefe in der Anzeige
gesehen wir hier. Allerdings sollte man sicherstellen, dass das Kartenmaterial soweit möglich auf einer SD-Karte
platziert wird, ansonsten kann es durchaus passieren, dass die Frequenz der Positionsupdates (gerade, wenn parallel
gezoomt wird und Anweisungen gesprochen werden, also konkurrierende Zugriffe auf die Platte erfolgen) in den Keller
geht. In meiner Erfahrung geht es aber auch von der Microdrive, wenn die 3D-Ansicht ausgeschaltet ist.

Einer der wenigen Schwachpunkte des Ameo ist ohne Frage der Akku. Im Normalbetrieb (bei mir definiert durch
eine dauerhafte UMTS-Verbindung zu meinem Exchange-Server, moderates Telefonieren (allerdings eine bestehende Verbindung
zu einem Bluetooth-Headset) und häufige Nutzung der PIM-Funktionen inkl. Email hält der Akku einen guten
Arbeitstag. Nach mehreren Ladezyklen zieht sich die erste Akkuwarnung dann in den Abend hinein, aber ohne ein Ladegerät
würde ich mit unruhigem Gefühl morgens aus dem Hause gehen. Natürlich spielen viele Faktoren dabei
eine Rolle, WLAN-Einsatz ist wie immer extrem belastend für den Akku, der Einsatz mit UMTS stärker als
der unter GPRS, die Benutzung von Programmen, die auf die Microdrive zugreifen, verkürzt die Lebensdauer ebenfalls,
etc. Auf der anderen Seite ist der Ameo sicherlich sowieso eher ein "portables stationäres" Gerät,
das mitgenommen wird, aber meist in einem Büro oder Zimmer eingesetzt wird, wo es Strom tanken kann.
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