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Die Entwicklung ist deutlich: Wurden die Pocket PC Phone Edition-Geräte (PPCPE) lange Zeit als Nischenprodukt
angesehen und von wenigen Herstellern überhaupt unterstützt, geht die Zahl der Geräte Ende 2004
plötzlich rasant nach oben. Mit dem T-Mobile MDAIII und dem iPAQ 6340 sind zwei PPCPE der "alten Garde"
verfügbar, und mit dem T-Mobile SDA das erste in Deutschland von einem Carrier vertriebene Smartphone mit
Windows-Betriebssystem.
Mit dem MDA Compact, der schon einige Monate als "HTC Magician" durch diverse Foren und Webseiten geistert,
hat der taiwanesische Hersteller HTC nun ein Gerät entworfen, das genau zwischen PPCPE und Smartphone liegt.
Von der Größe her nahe dem SDA, von der Funktionalität mit Touchscreen und Auflösung ganz
klar ein Pocket PC.

Auf den ersten Blick fragt man sich, ob ein Designer einen Prototypen eines neuen Geräts gefertigt hat
und dann vergessen hat, ihn zu verfeinern. Der MDA Compact ist schlicht, ohne Schnörkel, im Lautsprecher oben
verbirgt sich die LED, die blau blinkt bei eingeschaltetem Bluetooth, grün bei Netzempfang und gelb bei Erinnerungen
und beim Laden. Am unteren Ende verstecken sich Tasten für den Aufruf der Kontakte und Termine, die Rufannahme
und -beendigung, das Steuerkreuz und der Action Key. Unspektakulär, aber vielleicht gerade deshalb etwas besonderes.
An der linken Seite befinden sich der Auslöser für die Kamera (mit dem auch die Kamera-Applikation aufgerufen
wird), der Lautstärkeregler und der VoiceRecord-Button, auf der rechten Seite der Stift und der Ein/Ausschalter.
Unten am Gehäuse dann der Reset-Knopf, ein Mini-USB-Stecker für die Synchronisation und das Laden des
Geräts und der Anschluss für das beiliegende Headset.

Besonders die Tatsache, dass HTC darauf verzichtet hat, den mittlerweile seit drei Generationen verwendeten
Standard-Stecker zu verwenden, wird einige Nutzer Schrecken: Vorbei sind die Zeiten, in denen man das Zubehör
von Vorgängermodellen weiter verwenden konnte. Auf der anderen Seite: Der SDA verwendet die selben Anschlüsse,
es kristallisiert sich also eine neue Norm heraus. Nichts desto Trotz: die Verwendung einer GPS-Maus ist damit
momentan nicht möglich.
Unglücklich gelöst sind aus meiner Sicht die seitlichen Tasten. Auf der linken Seite greift man dauernd
auf den Kamera-Button, wenn man das Gerät aus Hemd- oder Hosentasche zieht, auf der rechten Seite macht die
Erhöhung des Stiftes das blinde Treffen des Ein/Ausschalters zum Glücksspiel. Sachen, die ganz klar durch
Gewöhnung an Relevanz verlieren, aber für den ersten Eindruck störend.

Das Display hat eine Diagonale von 7,3 cm (also knapp 2,8 Zoll), liefert aber trotzdem die volle PPC-Auflösung
von 320*240. Dadurch, dass das Ganze auf deutlich geringerem Raum dargestellt wird, wirkt es extrem klar und scharf,
auch kleine Schrift ist noch gut lesbar. An einer anderen Stelle aber rächt sich die Größe: Kann
man bei einem MDA und seinen Nachfolgern noch die Telefonnummer mit dem Daumen tippen, muss man beim Compact durch
die kleineren Softwaretasten schon deutlich genauer hinsehen... und die Wahrscheinlichkeit des Vertippens ist trotzdem
deutlich höher. Der Preis der Miniaturisierung eben! Benutzt man das Gerät, wie es eigentlich angedacht
ist, mit dem Stift, dann fällt dies natürlich überhaupt nicht ins Gewicht.

Die Tradeoffs zu den "großen Brüdern" sind erfreulich gering: Mit dem 416MHz PXA272-Prozessor
hat der Compact nominal gar den schnellsten Prozessor der Vergleichsgeräte (der MDAIII mit 400MHz und der
iPAQ 6340 mit 168MHz). Schlechter als die Kollegen schneidet er vor allem im Speicher ab: 64MB RAM, von denen knapp
57MB für den Benutzer zur Verfügung stehen, und gerade mal 7,6MB an als Speicher verwendbarem Flash-ROM
sind im Vergleich in Summe recht wenig. Natürlich, lange Zeit ist man mit 64MB RAM und ohne Flash-ROM hervorragend
hingekommen, aber der Trend geht ja ganz offensichtlich immer weiter auf hohen Speicher.

Die Ausrichtung des Compact, die eher in Richtung Consumer als in Richtung Business-Anwender zielt, wird auch
deutlich durch die Tatsache, dass kein Wireless LAN-Modul integriert ist. Alleine durch dessen Platzbedarf wäre
es allerdings auch eine knifflige Aufgabe geworden, an der bereits einige Hersteller gescheitert sind. Und nicht
integriert heißt ja auch nicht nicht nutzbar: Durch den SDIO-Slot können gängige SD-WLAN-Karten
wie die von Sandisk verwendet werden und einer Integration in eine Wireless-Infrastruktur steht nichts im Wege.
Der 1200MAh-Akku gibt dem MDA Compact endlich eine durchschnittliche Laufzeit, die über einen Tag hinausgeht,
auch bei intensiver Benutzung kommt man (im Gegensatz zu vielen Konkurrenten) gut über den Tag.

Das klassische Dilemma allerdings mal wieder: Das Bluetooth-Modul. Ich kann es nicht verstehen: Früher
war es absolut kein Problem, mit einem MDA2, einem Qtek 8080/SPV E200, etc. und einer beliebigen Bluetooth-Freisprecheinrichtung
zu telefonieren. Einmal gekoppelt und nie wieder einen Gedanken daran verschwendet: Hat man gewählt, kam ein
Anruf herein: Das Headset übernahm den Klang. Seit einigen Monaten scheint das über Marken und Hersteller
hinweg zum Problem zu mutieren: Der MDAIII vergisst seine Freisprecheinrichtungen nach wenigen Minuten, der iPAQ
6340 ist relativ stabil, hat aber auch immer mal wieder Aussetzer, und der SDA als Gegenbeispiel ist superstabil.
Leider ist der MDA Compact auch eines der Geräte, die betroffen sind. Die Kopplung einer Freisprecheinrichtung
ist mit drei Klicks getan, und normalerweise funktioniert die Übergabe bei Telefonaten auch reibungslos. Leider
kommt es immer wieder mal vor, dass man eine Nummer wählt, das Headset am Ohr hat, nichts hört, und dann
panisch zum Gerät greifen muss, um den langsam entnervt ins Telefon brüllenden Gesprächspartner
zu besänftigen. Beim nächsten Telefonat dann, ohne Eingriff oder Änderung der Konfiguration, geht
die Freisprecheinrichtung wieder dran, als wenn nichts gewesen wäre. Das ist für mich, auch wenn es kein
spezifisches Problem des MDA Compact ist, ein absolutes Unding.

Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit Bluetooth, auch wenn dies schwer erklärlich ist:
Durch seinen Speicher und den Prozessor ist der MDA Compact durchaus als Navigationssystem geeignet. Die fehlende
serielle Schnittstelle am Gerät selbst macht er wett, indem ein Bluetooth-GPS verwendet werden kann. Während
dies beim TomTom Navigator 3 problemlos funktioniert, verliert der Mobile Navigator im Blinkerrhythmus die Verbindung
zum GPS und baut sie wieder auf. Kontakt ist da, Kontakt ist weg, Kontakt ist da, Kontakt ist weg, und so weiter.
Offensichtlich ist das ein Problem des BT-Managers, denn die Verbindungsleuchte am GPS zeigt an den Stellen, dass
die Verbindung zusammenbricht und dann wieder aufgebaut wird (stabiles Leuchten bzw. Blinken).

HTC als Hersteller des MDA Compact (bzw. des zu Grunde liegenden Basisgeräts "HTC Magician")
hat offensichtlich Wert darauf gelegt, einen Schritt näher in Richtung Einhandbedienung zu gehen: die bisher
vertriebenen PPCPE-Geräte erfordern entweder extreme Zielgenauigkeit mit den Fingern, um aus den schmalen
Namenseinträgen der Kontakteanwendung den anzurufenden Kontakt auszuwählen, oder aber die Zweihandbedienung
(PDA in der einen, Stift in der anderen Hand). Mittlerweile gibt es Zusatzsoftware wie .mobile contacts PE, die
dies ausmerzen. Mit dem IntelliDialer, der bei der automatischen Installation des MDA Compact installiert wird,
kann dieser wie ein "echtes" Telefon verwendet werden: man tippt nur noch die Tasten an, auf denen sich
der jeweilige Buchstabe befindet, und die Software grenzt die Liste der Kontakte darauf ein. Am Beispiel ERLE:
3 (DEF), 7 (PQRS), 5 (JKL) grenzt soweit ein, dass nur noch mein eigener Kontakt angeboten wird.

Das einzige, was die Verwendung dieser Software für Puristen verhindert, ist die Tatsache, dass sie gleichzeitig
das komplette Dialskin ersetzt, alle Tasten also im Hoch- und Querformat aus dem üblichen Blau in die T-Mobile-Farben
Grau/Magenta gesetzt werden. Überhaupt Branding: T-Mobile hat es geschafft, viele Systemfunktionen mit eigenem
Logo/eigener Farbgebung zu versehen, was ja bei einem T-Mobile-Gerät durchaus legitim ist. Wer sich das sparen
möchte, kann dies recht einfach tun: Nach einem Hardreset (bzw. bei der ersten Einrichtung, wenn das Gerät
aus der Verpackung genommen wird), wird ein kleines Tutorial durchgeführt, danach kommt die Aufforderung,
zur weiteren Einrichtung einmal auf das Touchscreen zu tippen. Führt man nun einen normalen Softreset durch,
so wird diese weitere Einrichtung abgebrochen, es werden also keine zusätzlichen Programme, Einstellungen
und grafischen Anpassungen vorgenommen. Praktischerweise liegt das sogenannte Extended ROM, der Bereich des ROMs,
in dem die Anwendungen zur Erstinstallation liegen und aus dem ie ausgeführt werden, danach offen sichtbar
im Explorer (unter \Mein Gerät\Extended_ROM). Die dort liegenden Anwendungen können jetzt nacheinander
manuell angeklickt werden und werden so installiert. T-Mobile-spezifische Dinge sind in den beiden Dateien, die
mit "TMO" beginnen und in der "IntelliDialer.CAB", installiert man diese nicht, so bleibt das
Gerät im "ungebrandeten" Zustand. Es fehlt dann (mit Ausnahme des IntelliDialers) nichts an Funktionalität,
nur Dinge wie Hintergrundbilder, T-Mobile-Logos, Klingeltöne, GPRS/MMS-Einstellungen, etc. sind nicht dabei,
Dinge, auf die der Nicht-T-Mobile-Kunde gut verzichten kann.
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