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In der Flut der Geräte, die für den Herbst angekündigt wurden, ist eine weithin wenig beachtet
worden: T-Mobile kündigte den Nachfolger des MDAII an, und dessen hervorstechendstes Merkmal sollte die Integration
von WLAN sein. Nicht wenige Interessierte, die diese Ankündigung lasen, vermeinten einen MDAII in seinem normalen
Gehäuse mit integriertem Zusatzchip und Windows Mobile 2003 SE erwarten zu müssen... und fehlten weit.
Der MDAIII ist ein komplett neues Gerät, das wie der MDAII/XDAII von HTC in Taiwan gebaut wird und dort unter
dem Namen "Blue Angel" läuft. Com Design her allerdings ist es deutlich unterschiedlich zu seinen
Vorgängern. Bevor das Gerät im September 2004 von O2 und T-Mobile auf den Markt gebracht wird, hatte
ich durch Beziehungen und Glück (dicken Dank nochmal an kl1wdr!)
bereits Mitte August ein Gerät in die Hände zu bekommen.

Auf den ersten Blick fällt vor allem ins Auge, dass der MDAIII im Gegensatz zu seinem Vorgänger ein
Stück kürzer geworden ist, und HTC offensichtlich Wert darauf gelegt hat, neben dem Design die Funktionalität
zu erweitern. Die Hörertasten, die zum Annehmen und Beenden von Telefonaten gebraucht werden, sind in einer
Linie mit der Bildschirmumrandung und passen sich so in das Gesamtbild ein, statt wie bisher als "Fremdkörper"
zu wirken. Über den Bereich dieser Tasten sind vier weitere Hardwaretasten angebracht, die im Standard Shortcuts
zum Startmenu, dem Posteingang, dem Internet Explorer bieten, die letzte ist zum Bestätigen von Optionen da
(entspricht also einem Klick auf OK oben recht in einem Fenster). Alles in allem hat der Blue Angel also 9 (!!!!)
vollkommen frei konfigurierbare Hardwaretasten. In den Einstellungen können darauf sowohl installierte Programme
als auch Systemfunktionen wie das Drehen des Displays gelegt werden. Windows Mobile 2003 SE sei Dank...

Die eigentlich revolutionäre Neuerung ist allerdings die Tastatur, die sich unter dem Display versteckt
und bei Bedarf herausgeschoben werden kann. Im Gegensatz zum iPAQ 6340 ist diese nicht zum
Aufstecken, sondern in das Gerät integriert. Hat man den MDAII vor Augen, dann wird das Display auf Höhe
der Nut, wo Ober- und Unterschale aneinander grenzen, hochgeschoben:

Die Tastatur ist von der Anordnung vergleichbar zu den bekannten Daumentastaturen, wie sie für verschiedene
PDAs existieren. Sie ist im amerikanischen QWERTY-Layout, und beinhaltet direkt zugänglich keine deutschen
Sonderzeichen. Allerdings kann (wie beispielsweise bei der der iPAQs 4350 und 6340 durch Tippen des Grundbuchstabens
(z.B. a) und mehrfaches Drücken von <Fn> und <Space/Sym> durch die auf diesem Buchstaben basierenden
Sonderzeichen, also auch das ä, duuchgerollt werden. Nach kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt. Genial
an der Tastatur (wie man am ersten Foto oben sehen kann) ist die vermeintliche Beleuchtung der Zeichen, die die
Nummerntasten rot schimmern lässt. Dieser Effekt ist durch die Färbung der Tasten erreicht worden. Will
man eine Telefonnummer wählen, schiebt man die Tastatur auf und drückt die als zweite Belegung im roten
Bereich liegenden Zahlentasten (im Gegensatz zur Texteingabe muss keine Umschalttaste gedrückt werden). Der
Blue Angel geht dann sofort in den Telefonbildschirm und akzeptiert die Ziffern, ist die Telefonnummer komplett,
dann wird die Wahl durch Drücken der grünen Hörertaste gestartet.

Sobald eine Taste gedrückt wird, geht die blaue Beleuchtung der Tastatur an, sodass man auch im Dunkeln
die Tasten erkennen kann. Wem das zu stromintensiv ist, der kann diese Funktion in den Einstellungen allerdings
auch ausschalten. Im Gegensatz zu anderen Lösungen ist die Tastatur nicht mit separaten Tasten ausgestattet,
sondern besteht quasi aus einer Folie mit Erhöhungen. Der Druckpunkt ist gut spürbar, trotzdem tippt
man automatisch langsamer als auf einer normalen Daumentastatur. Die Befürchtung liegt nahe, dass es nach
einer gewissen Zeit zu Schwächungen des Materials und schlimmstenfalls zu Rissen in der Folie kommen wird.

Im Vergleich zum MDAII (in den Bildern unten bzw. links) ist der Blue Angel von den Massen her ein Stück
kleiner, sowohl weniger hoch als auch (bis auf den Bereich der Kamera) ein wenig dünner. Lediglich in der
Breite ist er kanpp 2 mm größer. Alles in allem macht der Blue Angel dadurch subjektiv von den Proportionen
her stimmiger. Wem allerdings der MDAII schon zu schwer war, der wird am Blue Angel wenig Freude haben: Statt 182
Gramm wiegt dieser satte 212 Gramm und dürfte damit auch die stabilste Hemdtasche überfordern. WLAN-Modul
und Tastatur haben offensichtlich ihren Preis.

Vollkommen unlogisch und für einige Anwendungen sogar störend ist die Tatsache, dass HTC (zumindest
im vorliegenden Gerät) den SD-Slot um 180 Grad gedreht hat: Eine SD-Karte wird also nicht mehr mit dem Label
nach oben, sondern nach unten eingelegt. Für Speicherkarten mag das egal sein, und weder Bluetooth-, WLAN-
noch Kamera-Karte braucht man noch. Für die kommenden SD-GPS allerdings ist dies katastrophal: Wenn die GPS-Antenne
Richtung Boden zeigt, wird der Empfang nun nicht wirklich optimal sein....Eine gewisse Logik steckt dahinter: Da
der Slot direkt unter dem nach oben schiebbaren Display sitzt, würde jede Karte, die höher steht, aus
dem Slot geschoben. (es kann durchaus sein, dass dies in den Massenproduktionsgeräten noch geändert
wird. Wer HTC aber kennt, der ist durchaus geneigt, dies als durch die Qualitätssicherung gerutschten Bug
zu akzeptieren....)

Die Leuchtdioden, die den Netzstatus (grün blinkend bei eingebuchtem Netz) und Alarme/SMS (rot blinkend,
links) und die Wireless-Funktionen (grün blinkend für WLAN und blau blinkend für Bluetooth, rechts)
anzeigen, sind wohltuend unauffälliger angeordnet. Konnte man mit dem MDAII in der Hemdtasche nicht mit eingeschaltetem
Bluetooth durch die Flure laufen, ohne als Christbaum tituliert zu werden, so sind die LEDs beim Blue Angel nun
kleiner und weiter nach vorne gezogen angeordnet, sodass sie, wenn das Gerät auf dem Display liegt, nicht
mehr sichbar sind.

Für Umsteiger von einem der älteren Modelle sicherlich erfreulich: Der Stecker des Blue Angel ist
im Gegensatz zu vielen Gerüchten nicht auf einen mini-USB-Stecker umgestellt worden, sondern ist immer noch
der gewohne Pfostenstecker. Und da sowohl eine GPS-Maus als auch ein Netzteil/Kfz-Ladekabel vom alten MDA passen,
ist davon auszugehen, dass nichts entscheidendes geändert wurde. Auf der anderen Seite ist beim Stecker des
Blue Angel ein Teil ausgespart, sodass der Stecker nicht in den alten MDA passt. Was auch immer das für einen
Sinn hat....

Die Kamera des Blue Angel hat leider immer noch die VGA-Auflösung und kann Bilder einer Auflösung
von maximal 640*480 aufnehmen. Einen der grossen Vorteile des MDAII, die Vorschau des Bildes auf dem kompletten
Display, hat man leider fallen gelassen und statt dessen die von den IA Style-Kameraprodukten bekannte Fenstervorschau
integriert (IA Style gehört mittlerweile zu HTC, somit verwundert dies nicht).

Die Qualität der Bilder ist für eine integrierte Kamera nicht schlecht... mehr aber auch nicht. In
der Bildmitte, wo sich das fotografcierte Objekt meistens befindet, ist das Bild von der Schärfe her im oberen
Drittel der Kameras von Handies und Organizern. Leider ist am Bildrand das für viele Geräte klassische
Problem zu beobachten: Das Bild wir unschärfer. Nicht so schlimm wie bei anderen Geräten, aber trotzdem
sichtbar (Klick auf das kleine Bild lädt das Originalbild).

Es scheint in Mode gekommen zu sein, die Kamera nicht mehr mittig auf dem Rücken des Geräts zu platzieren,
sondern am Rand, was effektiv für das Fotografieren aber keinen Unterschied macht. Ob man nun den Selbstfotografier-Spiegel
braucht, steht für mich immer wieder in Frage, aber auch das scheint eine Modeerscheinung zu sein.

Der Kameraknopf an der Seite dient zum Auslösen des Fotos gleichermassen wie für das Aufrufen der
Kamerapplikation. Hat man sich einmal daran gewöhnt, dann Ist auch das Schiessen von Schnappschüssen
kein Problem. Die Applikation startet relativ schnell, und bleibt die Taste weiter gedrückt, dann wird auch
sofort das Foto gemacht. Die Zeit bis dahin bewegst sich je nach Auslastung des Systems zwischen einer und zwei
Sekunden. Ein Zoom steht ebenfalls zur Verfügung die Funktionen zum Aufnehmen von Filmsequenzen und Hintergründen.

Der grosse technische Vorteil des Blue Angel liegt in der Integration aller dreien in Europa gebräuchlichen
Wireless-Normen: WLAN, GSM/GPRS und Bluetooth. Die softwaremässige Implementierung hat HTC vorbildlich gelöst.
Über den Wireless Manager können die einzelnen Module ein- und ausgeschaltet werden. Die Priorität
setzt das System dann von WLAN über Bluetooth zu GSM. Der Ansatz ist logisch: ist eine WLAN-Infrastruktur
in in der Nähe, dann ist diese die schnellste und beste Lösung. Ist dise nicht vorhanden, dann kann ein
Bluetooth-Profil (z.B über eine Wählverbindung über eine Bluetooth-Modemstation) definiert werden,
und wenn auch dies nicht im Zugriff ist, dann wird die GSM-Einheit, deren Verbindungspreise die teuersten sind,
verwendet. Will man eine der Verbindungen trotz Vorhandensein nicht nutzen, dann schaltet man sie einfach aus.

Diese Kombination ist in der praktischen Anwendung einfach nur genial: Bin ich zuhause, dann bekomme ich über
die GSM-Einheit eine SMS für jede Mail, die eingeht. Ohne etwas einzustellen, kann diese über das WLAN
im Haus abgerufen werden. Wiederum ohne etwas umzustellen erkennt der Blue Angel das Fehlen der WLAN-Verbindung
und wählt bei Anwahl ins Internet automatisch die GPRS-Verbindung an.
HTC ist beim Blue Angel vom Microsoft Bluetooth Stack abgegangen, der ja beim MDAII für einiges an Ärger
und Aufwand sorgte, weil unter anderem die Anbindung serieller Ports von BT-GPS und anderen Geräte nicht auf
Anhieb funktionierte. Der hier verwendete WIDCOMM-Stack, der mittlerweile auf fast allen Pocket PCs im Einsatz
ist, birgt keine Besonderheiten und funktioniert an allen möglichen Geräten ohne Probleme. Wird ein Headset
gekoppelt, dann kann dieses direkt als Standard für Telefonate genutzt werden. Dafür befindet sich dann
in der Titelleiste ein Kopfhörer-Symbol, das sich bei einer Verbindung verändert.

Die Akkulaufzeit liegt beim vorliegenden Gerät bei knapp 20 Stunden in der normalen Anwendung (mal Mails
abfragen, kurz Telefonieren, Termine eingeben und abfragen). Ist das WLAN-Modul eingeschaltet, dann reduziert sich
die Zeit allerding nicht unerheblich. Es bleibt abzuwarten. ob durch ein aktuelleres ROM Verbesserungen erreicht
werden. Das getestete Gerät hat die ROM-Version 1.01.00, ist also noch ein Stück vom Release entfernt.
Zubehör

Piel Frama Tasche
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