Testbericht:
Navigon Mobile Navigator Business Edition
23.11.02: Update TMC-Betrieb
28.11.02: Update TMC-Betrieb, Teil 2

Willkommen zur nächsten Generation der PDA-Navigationssysteme! Navigon hat mit dem Mobile NAvigator Business Edition das vierte aktuelle Produkt (neben dem Mobile Router, dem Mobile Navigator Light und dem Mobile Navigator) vorgestellt, und dies ist wahrlich eine neue Generation. Kein sonst im Moment auf dem Markt befindliches System für einen PDA ist in der Lage, dynamisch zu navigieren, d.h. die aktuelle Verkehrslage in die Planung der Route mit einzubeziehen bzw. bei Änderung derselben auch eine automatische Anpassung der Route vorzunehmen. Das Zauberwort hinter dieser Funktionalität heißt TMC (Traffic Message Channel). Dieser europaweit genormte Standard übermittelt über Radiosender kontinuierlich Verkehrsnachrichten, im Gegensatz zu den im Radio etwa jede halbe Stunde empfangbaren Verkehrsnachrichten sind diese Informationen sofort nach Vorliegen verfügbar. Im Gegensatz z.B. zu Tegaron ist dieser Service kostenfrei.

1.) Die Maus
Selbstredend ist die Aufnahme der TMC-Meldungen in die Routenplanung nicht mit der Standardhardware möglich. Allerdings braucht man in diesem Fall keine Zusatzhardware, sondern Navigon hat es verstanden, den TMC-Empfänger in die Leadtek-Maus zu integrieren. Links neben dem Anschluß des Daten-/Stromkabels befindet sich ein Chinch-Stecker, in den eine Kabelantenne eingesteckt wird. Hat man Radioempfang eines Sender mit TMC (und das schließt sehr viele Sender ein!), dann kann man auch die TMC-Signale empfangen.

2.) Die Oberfläche
Sieht man auf den ersten Blick zwischen den normalen Versionen und der Business Edition keinen großen Unterschied, so erkennt man bei genauerem Hinschauen einen zweiten Eintrag neben der Anzeige der GPS-Empfangsstärke.

Gibt die Zahl neben "GPS" die Zahl der empfangenen Satelliten an, so hat das "TMC"-Symbol mehrere Funktionen. Grüne Färbung bedeutet Empfang des TMC-Signals, die Zahl daneben die Anzahl der vorliegenden Meldungen. Ist das Symbol rot, dann bedeutet dies, daß der TMC-Empfänger auf der Suche nach einem neuen Sender ist. Dies geht in der Regel sehr schnell.
Tippt man auf das TMC-Symbol, dann erhält man den Info-Bildschirm, der die aktuellen Meldungen in Klarschrift anzeigt, zusätzlich oben rechts den momentan verwendeten Sender und dessen Frequenz:

Die in der auf dem PDA verfügbaren Karte vorliegenden Störungen kann man sich auch ohne Routenplanung einzeigen lassen, sie werden durch Symbole und einen dicken, roten Strich dargestellt. Ein Pfeil gibt die Fahrtrichtung an, die von der Störung betroffen ist.


Eine genauere Aussage über die Art der Störung wird durch die Farbe des Strichs erreicht (leichtes Rot entspricht zähfließendem Verkehr, grellrot einem Stau), zudem geben die Symbole an, ob z.B. eine Baustelle, eine Fahrbahnverengung oder eine Sperrung für die Störung verantwortlich sind.


4.) Die Routenplanung

Auch hier hat sich einiges geändert.Eine der wichtigsten Anforderungen vieler Benutzer an die verschiedenen Navigationssysteme war die Integration der Outlook-Kontakte in die Navigation. Wozu soll man in den Kontakten eine Adresse nachschauen, um sie dann im Navigationssystem manuell einzugeben?

So findet sich in der Zieleingabe der Navigation eine neue Option "Kontakte", die den direkten Zugang zu den Kontakten, die im PDA gespeichert sind, bietet. Sind zu einem Eintrag mehrere Adressen gespeichert, dann werden die Adressen einzeln untereinander angegeben. Die Navigation in den Adressen ist anhand der Soft-Tastatur und den Anfangsbuchstaben möglich.

Ein so gewähltes Ziel wird dann nach den einzelnen Felder separiert als Ziel eingetragen (d.h. Ort und PLZ in die Ortsangabe, Straße bei Straße und Hausnummer bei Hausnummer). Sind Unklarheiten, dann bietet das System Alternativen an, aus denen man die Adresse dann korrigieren kann.
Die Eingabe zum Waypoints (also Zwischenzielen) ist ebenso möglich wie die von Sehenswürdigkeiten (Points of Interest).
Hat man alle Ziele eingegeben, dann kann man im folgenden Bildschirm bestimmen, ob man die schnellste oder die kürzeste Route berechnet haben möchte aber das über die Verkehrsmeldungen beeinflusste dynamische Routing. Letzteres bedeutet, daß die Verkehrsstörungen, die zum Zeitpunkt der Routenplanung vorliegen, Einfluß auf die Routenplanung haben.

Kommt eine neue Störung hinzu, die in der bereits geplanten Route liegt, dann wird automatisch ein Umweg geplant.

Das Kartenmaterial von Teleatlas liegt in der aktuellsten Version vor. "Aktuell" ist allerdings wie immer eine Sache für sich: Die neue Rheinbrücke nach Düsseldorf, die am 1.6. 2002 eröffnet wurde, ist im November 2002 noch nicht aufgenommen...

4.) Das Routing
Auch hier hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert. Einzig das anfängliche Flackern, wenn die Position zwar bestimmt ist, aber das System sich noch nicht sicher ist, wo es das Fahrzeug platzieren soll, ist durch einen Filteralgorithmus in der Maus unterbunden.

Zwei neue Optionen fallen aber bei genauerem Hinsehen ins Auge: Die "Sperrung" ist eine von vielen Anwendern immer wieder gewünschte Funktion. Was nützt das schönste TMC, wenn man mitten in der Stadt eine Baustelle hat, die natürlich nicht zu den übermittelten Verkehrsstörungen gehört? Bei den Festeinbausystemen gibt es seit jeher die Möglichkeit, einen bestimmen Bereich der vor dem Fahrzeug liegenden Route zu umfahren, also einen Teil der Strecke zu sperren.

Diese Funktion lernt man ebenfalls schätzen, wenn man auf einen noch nicht gemeldeten Stau zufährt, das dynamische Routing also nicht greift. Die Route wird dann um den gesperrten Bereich herum geplant.

Ebenfalls neu: Das Fahrtenbuch. Im Menü kann man einstellen, ob es nur ab einem bestimmten Ort gestartet werden soll (also z.B. "Immer, wenn ich in der Firma losfahre") oder für jede Route geführt werden soll. In einer in Pocket Excel lesbaren Tabelle werden dann die relevanten Informationen der Fahrt aufgezeichnet und sind damit dann auch auf dem Desktop-PC verfügbar.

5.) Die Sprachanweisungen
Wer den Sprung vom Mobile Navigator zum SR 1 mitgemacht hatm der ahnt ungefähr, was den Fahrer erwartet: Navigon verwendet über vierhundert verschiedene Samples, um eine ganz detaillierte Beschreibung der nächsten nötigen Fahrmanöver zu ermöglichen, u.a. sind Zahlen und Buchstaben zum Teil doppelt aufgenommen worden, um zwischen Verwendung im Wort und am Ende des Wortes unterscheiden zu können. Das Ergebnis kann sich sehen bzw. hören lassen: Ausführliche Anweisungen einer angenehmen Frauenstimme, die detailliert angeben, wohin man wann abbiegen muß. Im Vergleich zum SR1 des Mobile Navigator ist eine weitere Ansage direkt vor dem Abbiegen hinzugenommen worden, z.B. "In 140 Metern halblinks abbiegen, auf die B9" (Bundesstraßen und Autobahnen werden namentlich genannt, Nebenstraßen nicht). Auch gerade bei den kritischen Autobahnkreuzen kann der Mobile Navigator Business überzeugen: "In 140 Metern rechts abbiegen, dann direkt rechts abbiegen, auf die A57" klärt klar, daß man im Kreuz die erste Ausfahrt nehmen muß, "In 140 Metern rechts abbiegen, dann direkt links abbiegen, auf die A57" sagt, daß man erst links hält, ist man an der ersten Ausfahrt vorbei, dann kommt direkt "Rechts abbiegen, dann links halten". Also auch ohne aufs Display zu sehen eindeutig. Im Bild übrigens eine klassische Freitag-Nachmittag-Verkehrssituation: 24 Verkehrsmeldungen...

6.) Das Fahrtenbuch
Derjenige, der seine Fahrten nachhalten muß, wird diese Funktion lieben: Das Fahrtenbuch.
In einer Excel.Tabelle wird nachgehalten, wann man von wo nach wo gefahren ist, wie lange man gebraucht hat und welche Entfernung dabei zurückgelegt wurde.

Diese Informationen kann man bequem am PDA oder am PC verwalten und so ein echtes Fahrtenbuch führen, ohne manuell nachhalten zu müssen, welche Strecken man zurückgelegt hat. Dies ist zwar eher eine Funktion, die der Außendienstler verwendet, aber nichts desto Trotz z.B. auch interessant, wenn man Alternativstrecken miteinander vergleichen will. Ich vergesse grundsätzlich, mir Kilometerstände zu merken....

7.) TMC in der Anwendung
Die Situation: Von zuhause aus soll nach Kaarst zu Ikea navigiert werden. Eigentlich eine unkomplizierte Strecke, liegt doch unsere Wohnung in der Nähe der A44, Ikea direkt an der A57. Dummerweise ist auf der A57 gerade eine Baustelle, und der Samstag-Nachmittag-Feierabendverkehr ist in vollem Fluß (oder eben gerade nicht...), was in einem Stau resultiert, und zwar ziemlich exakt dort auf der A57, wo der normale Weg herführt:

Ohne die TMC-Antenne plant Mobile Navigator Business anhand der Routeneinstellung (Schnelle Route) und führt, wie intuitiv auch auf der Karte nachvollziehbar, über A44 und A57:

Mit eingeschaltetem TMC-Empfänger erkennt MNB die Störung auf der eigentlich vorzuschlagenden Route und meldet bereits während der Routenberechnung "Die Route wird auf Grund der aktuellen Verkehrslage geändert". Der folgende Screenshot zeigt dann die Alternativroute, die eben am Stau (unter Umgehung der Autobahn) vorbei führt:

Übrigens ist diese Route exakt die Ersatzroute, die wir sowieso zu stauträchtigen Zeitpunkten fahren, die Routenplanung also optimal.

Ein weiteres, echt gefahrenes Beispiel: Der Weg von Düsseldorf nach Herten (Recklinghausen). Immer stauträchtig und gerade am späten Nachmittag ein Stauloch. Und siehe da: 29 Staumeldungen... Auf der A40 wird ein Stau von Essen Kray bis Bochum Zentrum, also exakte 8 km angesagt. Die Erfahrung sagt: bei der Stausituation ohne Umfahrung dauert die Gesamtfahrt zwischen 1:45 und 2:00 Stunden.

Mobile Navigator Business leitet mich exakt am Stauanfang von der A40, lotst mich quer durch Essen und Gelsenkirchen und dann über die A42 ans Ziel. Gesamtdauer: 1:15. Und damit mindestens eine halbe Stunde kürzer als die Erfahrung auf der Staustrecke. Sauber!
Ganz nebenbei dann noch diese Impression der Gelsenkirchener Innenstadt im Nachtmodus:

Und das, wenn man sowieso schon hungrig im Auto sitzt... ;-)))

PREIS: EUR 649,- hier.
FAZIT: Faszinierend! Ein echtes Urteil wird sich allerdings erst nach regelmäßiger Benutzung herausbilden!




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