|
Der Mensch wird immer mobiler, und damit wachsen auch die Anforderungen an seine Geräte. Mehr und mehr
nimmt das mobile Arbeiten, die Verwendung auch unternehmenskritischer Daten unterwegs einen wichtigen Stellenwert
ein, und die Hersteller richten sich mit ihren Geräten daran aus. War PDAs früher nur mobile Terminkalender,
so wird heute immer mehr an Funktionalität hineingepackt. Kaum ein PDA wird noch ohne integriertes Telefon,
WLAN und Bluetooth ausgeliefert, selbst GPS-Empfänger zur "Abrundung" des Leistungsumfanges sind
keine Seltenheit mehr. Mit dem HTC Athena (als MDA Ameo und Advantage X7500 auf dem Markt) wurde der erste Versuch
gestartet, ein allumfassendes Gerät zu schaffen. Ein 5 Zoll-Display, eine nutzbare Tastatur, eine Festplatte,
etc., Leistungsdaten, die eher an ein Notebook erinnern als an einen PDA. Auf der anderen Seite sind viele Stimmen
zu vernehmen, die auf Grund dieser Leistungsvielfalt und der daraus resultierenden Größe die Frage stellen,
warum man dann nicht gleich ein Notebook verwenden solle.
Dies wäre praktisch unsinnig, hätte Microsoft mit dem Origami-Projekt nicht die Kategorie der UMPCs,
der Ultramobile PCs, eingeführt. Das Samsung Ceego Q1 als Pionier und der kommenden HTC Shift sind nur zwei
Vertreter dieser neuen, zwischen PDA und PC stehenden "Gattung".
In meinem Test des Q1 bin ich zu dem Schluss gekommen, dass hier besonders die Frage nach dem Sinn und Unsinn der
Wahl eines UMPCs vor einem Notebook zum tragen kommt: ein UMPC hat genau wie ein "echtes Notebook" ein
Windows-Betriebssystem wie XP oder Vista, allerdings ein deutlich kleineres Display (7 Zoll) und eine entsprechende
geringe Displayauflösung von 800*480 im Standard. Nur wenig größer ist da beispielsweise die TX-Serie
von Sony, die allerdings eine deutlich höhere Auflösung bietet.
Leider nur in den USA veröffentlicht bilden die Geräte von OQO ziemlich exakt die Mitte aller Ansprüche:
Mit seinem 5-Zoll Display ist das OQO Model 02 fast exakt so groß wie der HTC Athena, allerdings auch mit
dem Standardakku knapp doppelt so dick. Dafür können seine Leistungsdaten sich aber auch sehen lassen:
1,5 GHz Transmeta-Prozessor, 1GB RAM, 60GB Festplatte, WLAN 802.11a/b/g, Bluetooth 2.0, über ein beiliegendes
Adapter LAN und VGA-Ausgang, wahlweise Windows Vista (Business oder Ultimate) oder XP (Pro oder Tablet Edition).
Letztere Betriebssystem-Wahl zeigt schon, dass der OQO auch stiftbedienbar ist, allerdings hat er kein Touchscreen
(wie die meisten UMPCs und alle PDAs), sondern kann über einen speziellen Transponder-Stift (der bei allen
Modellen außer der Tablet-Variante optional ist) bedient werden.
Wer sich diesen Luxus nicht leisten möchte (angekündigt ist die Lieferbarkeit für September 2007),
der kann sich auch ohne Stift komfortabel behelfen: zwischen der alphanumerischen Tastatur und der Nummerntastatur
befindet sich ein Trackstick (ein kleiner "Joystick", mit dem der Mauszeiger bedient wird, allgemein
recht bekannt von den IBM/Lenovo Thinkpads). Auf der linken Seite der Tastatur sind die linke und rechte Maustaste
untereinander angeordnet. Nach relativ kurzer Zeit bedient man den OQO so wie ein normales Notebook. Wem das nicht
reicht, der kann an die integrierte USB-Schnittstelle eine Maus oder Tastatur anschließen und vollkommen
autark von allen integrierten Eingabemethoden arbeiten.
OQO liefert englische Betriebssysteme und englische Tastaturen aus. Während man das erstere noch durch die
Installation eines deutschen XP oder Vista "in den Griff bekommt", so bleibt bei der Tastatur nur die
Umgewöhnung. Dem PDA-Benutzer wird diese leicht fallen, sind doch die integrierten Tastaturen der diversen
Modelle auch nicht mit einer Standardtastatur vergleichbar und so gewöhnungsbedürftig. Allerdings muss
man sich für die Verwendung von Umlauten dann der Softtastatur auf dem Bildschirm bedienen.
Die Installation eines deutschen Vista gestaltete sich nicht wirklich einfach: der erste Gedanke, einfach eine
Neuinstallation eines deutschen Vista Ultimate durchzuführen und dann die auf der OQO-Webseite herunterladbaren
Systemtools nachzuinstallieren, scheiterte an der Absturzwilligkeit des OQO System Managers. Dieses kleine Tool
steuert die Systemtasten (Wireless Manager, Anpassen von Lautstärke und Displayhelligkeit, Displaydrehung,
etc.) und wollte beim deutschen Vista Ultimate partout nicht funktionieren, sondern wurde mit lakonischer Fehlermeldung
immer wieder beendet. Auch die Reinstallation des englischen Vista Business und das Update auf das englische Ultimate
führte zum selben Fehler. Einzig die Installation eines deutschen Vista Business und nachfolgende Installation
aller Systemtools führte zum dauerhaften Erfolg. Sonderbar, da das OQO Model 02 auch in einer Vista Ultimate-Version
erhältlich ist und kaum vorstellbar ist, dass dieses andere Hardware/andere Versionen der Systemprogramme
verwenden sollte...
In der täglichen Arbeit ist das OQO Model 02 eine wahre Wonne. Das Display ist unter allen Beleuchtungsbedingungen
Hervorragend lesbar und extrem scharf. Wem die Auflösung von 800*480 nicht reicht, der drückt auf der
Tastatur eben die ZoomOut-Taste, und schon interpoliert das Display eine Auflösung von 1024*700, und das in
einer Qualität, die ich noch nicht gesehen habe. Nur bei ganz kleinen Schriften sieht man, dass in dieser
virtuellen Auflösung Bildpunkte zusammengefasst werden. Das Surfen im Internet ist spätestens mit dieser
Auflösung (aber auch schon mit der nativen) sinnvoll und komfortabel.
Verbesserungswürdig ist der Akku: Auch wenn OQO damit wirbt, 2-3 Stunden Laufzeit zu erreichen (und in
diversen Marketingvideos 2 Stunden als der geringste bisher erreichte Wert genannt wird) hält er im normalen
Betrieb mit halber Displayhelligkeit, Bluetooth und WLAN eingeschaltet knappe anderthalb Stunden. Das ist beileibe
kein schlechter Wert, bedenkt man die geringe Größe des Geräts und damit auch die geringe Größe
des Akkus. Mit der "Double Capacity Battery" soll die Laufzeit auf 4 bis 6 Stunden steigen, zu erwarten
sind damit also um die 3 Stunden in der Praxis. Das ist immer noch nicht richtig überzeugend, aber zumindest
bewegt es sich damit in den Bereichen eines normalen Notebooks.
Die Performance der Transmeta-Prozessoren ist immer ein kritischer Faktor. Wer sich an den ersten weit verbreiteten
Tablet PC, den Compaq/HP TC1000 erinnert, der denkt schnell an die Frustrationen, die die Benutzer ereilten, wenn
sie nur durch die Menüs rollen wollten. Beim OQO Model 02 ist dies deutlich performanter, auch wenn man nicht
erwarten darf, bei einem 1.5 GHz-Prozessor nun eine Multmediamaschine sein Eigen zu nennen. Wer beispielsweise
unterwegs MP3s hören möchte, der sollte fein mit den Energieoptionen spielen, um kein Ruckeln und keine
Aussetzer zu erleben: Die Prozessorgeschwindigkeit sollte dazu tunlichst auf 100% stehen! Für Office- und
Messaging-Anwendungen aber reicht der Prozessor auch im Energiesparmodus aus, und mit der entsprechenden Prozessoreinstellung
ist eben auch das Hören von MP3s und das Anschauen von Live-TV mittels einer Slingbox kein Problem.
|