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Die Marketingstrategie war erfolgreich und sehenswert: Vor einigen Monaten rauschte der Begriff "Origami"
durch den virtuellen Blätterwald. Die Webseite machte nur vage Andeutungen, nur durch eine scheinbar versehentliche
Anmerkung im Quellcode war eine Beziehung zu Microsoft herzustellen. Mehrere Wochen spielten Millionen von Lesern
Technik-Cluedo: Ein Microsoft iPOD? Eine Entertainment-Konsole als XBOX portable? Ein Revival der Handheld PCs?
Alles falsch: Ultramobile PC (UMPC) war das Stichwort. Miniatur-Tablet PCs mit vollwertigem Windows XP Tablet PC
Edition, Festplatte, WLAN, Bluetooth, Touchscreen, das ist es, als was Origami sich am Ende entpuppte.
Leider ist zumindest in Deutschland die ganze Vorfreude ein wenig verpufft, wie so oft lagen zwischen dem Hype
und der tatsächlichen Verfügbarkeit von Geräten Monate. Einzig die Preisdiskussion hat sich gehalten:
knapp 1200 Euro für einen "abgespeckten PC", das sei viel zu teuer, ein leistungsfähiges Notebook
sei deutlich billiger.
Mit dem Samsung Q1 ist jetzt das erste Gerät lieferbar, und liegt genau in diesem Preissegment. Sicherlich
ist der Preis hoch und liegt gut im Bereich von Markennotebooks. Setzt man auf der anderen Seite an, dann kostet
ein aktueller, gut ausgestatteter PDA zwischen 600 und 800 Euro, und bietet einen deutlich geringeren Leistungsumfang.
Dies kritisch betrachtet war es mir die Investition wert, und seit einige Tagen bin ich im Besitz des Q1.
Ein Samsung wäre kein Samsung, wenn das Gerät nicht schon von der Verpackung her ansprechend wäre:
statt des üblichen grau-braunen Kartons mit lieblos hereingequetschten Komponenten erhält der Käufer
einen edlen schwarzen Karton mit silbergeprägtem Logo, darin eine stabile, aufklappbare Box, in der sich das
Q1, Netzkabel, Akku, ein Softcase, ein USB-Sync-Kabel, die Recovery-CD und ein Kurzhandbuch befinden.
Das Q1 selbst hat deutlich geringere Masse als ein Subnotebook, verwendet allerdings eben auch nur ein 7-Zoll-Display.
Links und rechts befinden sich zwei Lautsprecher, die die Stereo-Wiedergabe von Sound ermöglichen, links ein
kleiner Joystick (wie man ihn von der Playstation portable kennt), der in normalen Applikationen als Ersatz der
Cursortasten dient, bei Spielen dann tatsächlich als Joystick. Wider intuitiver Erwartung ist dieser allerdings
kein Ersatz für die Maus. Darunter befindet sich eine Taste, die die Auflösung des Displays im laufenden
Betrieb umstellt. Auf der rechten Seite befindet sich eine Taste, die die Eingabetaste einer Tastatur ersetzt und
eine, die ein Onscreen-Menü aufruft, über das die wichtigsten Systemfunktionen einfach angewählt
werden können. Zusätzlich können über eine Vierwegtaste vier Anwendungen konfiguriert werden,
die per einfachem Tastendruck gestartet werden können.
Auf der unteren Vorderseite sind zwei Mikrofone integriert, Samsung wirbt explizit damit, dass das Q1 als VoIP-Telefon
zu nutzen ist.
An den Seiten befinden sich dann Anschlüsse für einen Monitor (VGA), ein Headset, LAN, USB und der Netzteil-Anschluss.
Dreht man das Gerät auf die Rückseite, dann sieht man neben der Stifthalterung zwei ausklappbare Ständer,
der eine in einem Winkel, wie beispielsweise eine Tastatur gestellt wird, der andere ungefähr vergleichbar
zu einem Bilderrahmen. Ist letzterer ausgestellt, so hat man Zugang zu einer kleinen Akku-Statusanzeige: drückt
man den kleinen Button, dann wird der Ladezustand des Akkus mittels 6 LEDs angezeigt.
Die Erstinstallation des Q1 gestaltet sich grundsätzlich relativ einfach, wie man es von Windows XP gewöhnt
ist. Leider leidet sie ein wenig unter der geringen Standardauflösung von 800*480 Bildpunkten, denn die standardmäßig
eingeblendete Bildschirmtastatur liegt oft wunderbar über Eingabefeldern, lässt sich aber nur temporär
verschieben. Dieses Problem lässt sich erst im Normalbetrieb lösen:
Im Gegensatz zu vielen anderen Systemen, bei denen man die Auflösung zwar ändern kann, dies aber nur
bewirkt, dass der Bildschirmbereich größer wird und die physische Auflösung gleich bleibt, kann
das Q1 auf seinem 7-Zoll-Display tatsächlich zwei höhere Auflösungen darstellen: 800*600 und 1024*600.
Beide Auflösungen bewirken, dass die Anzeige ein wenig gröber wird, faktisch kann man aber trotzdem damit
problemlos arbeiten. Einer meiner größten Vorbehalte, man könne damit nur bedingt sinnvoll im Internet
surfen, ist damit hinfällig. Zweimal die Auflösungs-Taste gedrückt und schon ist man nahe der Standardauflösung.


Einziges Manko dazu: Das Q1 ist nach aktuellem Kenntnisstand der einzige UMPC, der auch die Bildschirmrotation
unterstützt. Diese funktioniert aber nur in der Standardauflösung!
Ein wenig inkonsistent ist die Umsetzung der Rotation aber leider schon: In der Systemsteuerung kann wie bei jedem
Tablet PC eingestellt werden in welcher Reihenfolge rotiert werden soll: Primäres und sekundäres Querformat,
Primäres und sekundäres Hochformat. Nun macht es aus meiner Sicht wenig Sinn, das Display auch noch auf
den Kopf stellen zu können, bzw. ein umgedrehtes Hochformat (Display wird um 270 Grad gedreht) zu verwenden.
Das System erlaubt es dazu, die Rotation kann dazu nur auf die beiden primären Formate eingeschränkt
werden. Leider versteht das Menü, das sich als Schnellstarter für die wichtigsten Funktionen (inkl. der
Rotation) versteht, das nicht. Bei der ersten Rotation dreht das Display brav ins Querformat, bei der nächsten
dann allerdings nicht wieder zurück auf das normale Querformat, sondern eine Rotation weiter, das Display
steht also auf dem Kopf. In der Summe muss man dreimal Rotieren, um vom Hoch- wieder ins Querformat zu wechseln.
Nervig...
Allgemein aber ist das Display klar und scharf (was bei der Installation, die offensichtlich in "falscher"
Auflösung läuft, noch nicht so aussah). Im Freien sollte man sich einen Schattenplatz suchen, lesbar
ist es auch dort aber allemal.
Die technische Ausstattung ist die eines "schwächeren" Subnotebooks oder Tablets, dies ist aber
ausdrücklich kein Manko! Der 900MHz Celeron, die 512MB RAM und die 40GB Festplatte reichen in der Praxis für
normale Anwendungen vollkommen aus. Ob man nun mit Office oder Outlook arbeitet, im Internet surft, alles läuft
flüssig und ohne Ruckeln. Auch die Medienwiedergabe von Musik und Videos ist kein Problem. Für diese
Anwendung hat Samsung eine Mediacenter-Oberfläche im Lieferumfang, die auch ohne den Start von Windows läuft.
Der Ein-/Ausschalter kann dazu statt nach links nach rechts geschoben werden. Ob nun Windows XP gestartet ist oder
das Gerät abgeschaltet ist, die Oberfläche startet ohne große Zeitverzögerung und erlaub die
Wiedergabe lokal gespeicherter Medieninhalte. So kann das Q1 schnell als Mediaplayer, virtueller Bilderrahmen,
etc. verwendet werden, ohne erst den Bootvorgang abzuwarten.
Bei der ersten Generation der Tablet PCs wurde entschieden, dass ein Touchscreen kein echte Alternative sei.
Zu groß schätzte man die Gefahr ein, dass die aufliegende Hand als Berührung des Stifts gedeutet
werden könnte. So wurden Stifte mit Transpondern verwendet, die vom Display erkannt und in Mausbewegungen
umgesetzt wurden. Der Nachteil dieser Lösung: Die Stifte waren gerätespezifisch. Ohne den originalen
Stift war eine Bedienung nicht möglich. Der Vorteil: Auch ohne Berührung wurde die Position des Stiftes
erkannt, wie bei einer Mausbewegung ohne Klick konnten so u.a. eine Standardfunktion für Tablets verwendet
werden: Die Erkennung von Eingabefeldern. Neben diesen wurde dann ein kleines Symbol für das Öffnen des
Eingabebereiches für Handschrift angezeigt. Das fällt beim Q1 weg, er verwendet ein echtes Touchscreen.
Ob man nun den gerade da liegenden normalen PDA-Stift oder einen Finger verwendet, jeder Klick wird akzeptiert.
Im Gegenzug bleibt aber nichts anderes übrig, als immer manuell diesen Eingabebereich unten in der Startleiste
aktivieren.
Alles hat seine Vor- und Nachteile, in der Praxis empfinde ich die Freiheit, die ich mit einem echten Touchscreen
habe, als deutlich positiver.
Ist ein UMPC nun wirklich "ultramobile"? Bedingt. Seine Größe erlaubt es sicherlich, ihn
mal eben in einer kleinen Tasche mitzunehmen, Subnotebooks sind deutlich größer. Durch das integrierte
Bluetooth (mit Microsofts neuem Stack mit vielen neuen Profilen, unter anderem dem High Quality Audio Profile,
mit dem Stereo-Bluetooth-Kopfhörer verwendet werden können) ist im Handumdrehen eine Verbindung zu einem
Bluetooth-Telefon aufgebaut. Mein XDA Trion dient so unauffällig als UMTS/HSDPA Modem. Kritik, ein GSM-Modul
wäre nötig, kann ich nur bedingt nachvollziehen. Zumindest für mich als Pocket PC Phone Edition-
und Smartphone-Nutzer stellt sich da immer das Problem, dass ich mein Datenvolumen auf meiner normalen GSM-Karte
habe. Bei einem integrierten GSM-Modul müsste ich entweder Karten wechseln (eine Twincard wäre wenig
zielführend, denn telefonieren wollte ich mit dem Q1 nicht) oder aber eine zweite Karte mit separatem Volumentarif
verwenden. Die Kombination Handy/PDA und Bluetooth ist da, zumindest für mich, deutlich sinnvoller.
Das 802.11b/g WLAN-Modul arbeitet ebenfalls ohne Fehl und Tadel, eine Anmeldung an diverse Accesspoints ist kein
Problem.
Ein kleiner Kritikpunkt trifft die von Samsung so groß beworbene VoIP-Fähigkeit. Richtig ist, dass Performance
und WLAN-Anbindung problemlos ein Telefonieren über Voice over IP erlauben. Richtig ist auch, dass das Q1
mit seinen beiden sehr guten Mikros und den beiden Lautsprechern technisch grundsätzlich dafür ausgelegt
ist. Nur seien wir ehrlich: Wer telefoniert auf einem integrierten Gerät per Freisprecheinrichtung? Standard
wäre da der Anschluss eines Headsets, das scheitert aber leider daran, dass es keinen externen Mikrofon-Eingang
gibt.
Mit einem entsprechenden Bluetooth Headset aber funktioniert das Ganze problemlos, und in der Summe lässt
sich der von Samsung formulierte Anspruch damit komfortabel in die Praxis umsetzen.
Das Gewicht des Q1ist da schon eher ein Thema, das man sich durch den Kopf gehen lassen muss. Als Tablet in der
Hand gehalten ist er zwar im Vergleich leicht, aber kein Leichtgewicht. Ihn in der Hand zu halten und dabei zu
benutzen ist zwar möglich, aber auf Dauer recht anstrengend. Besser ist es, ihn auf den Knien liegen zu haben
bzw. den integrierten Ständer zu verwenden.
Samsung bietet als Zubehör ein "Organiser Pack" an, das eine Ledertasche mit integrierter USB-Tastatur
enthält (momentan aber nur im Englischen QWERTY-Layout). Natürlich lassen sich beliebige (HID-kompatible)
Bluetooth-Tastaturen bzw. USB-Tastaturen verwenden. Haupteingabemethode ist aber die Handschrifterkennung. Aus
meiner Sicht ist die Umsetzung im Vergleich zu allen anderen Handschrift-Erkennungssystemen hervorragend gelungen.
Man kann im Eingabebereich in normaler Schrift schreiben, dies wird dann in Einzelbuchstaben umgesetzt, die wiederum
bei Schreibfehlern entweder durch Auswählen einer angebotenen Wortalternative oder aber durch Korrektur von
einzelnen Buchstaben schnell korrigiert werden kann. Nötig ist das aber selten.
Kleines Manko im Vergleich zu einem "normalen" Tablet PC ist die durch die Auflösung bedingte geringere
Breite des Eingabefeldes, Sätze müssen dadurch in kleineren Häppchen geschrieben werden. Für
den Neueinsteiger ist das kein Problem, für denjenigen, der bereits einen Tablet PC benutzt hat, nur eine
kurze Umgewöhnung.
Dafür enthält das für die UMPCs mitgelieferte Tablet Enhancement Pack von Microsoft eine weitere
Eingabemethode: Die DialKeys. Diese projizieren jeweils auf eine Seite des Displays die entsprechende Hälfte
einer Tastatur mit der Tastenanordnung entsprechend einer normalen Tastatur, nur eben kreisförmig. Diese ist
als Daumentastatur ausgelegt, man kann das Gerät in beiden Händen halten und die Tasten mit den Daumen
drücken. Nun bin ich mit Blackberry, XDA Trion und MDA Pro gut in der Übung, auf diese Art zu tippen,
und bin in der Summe deutlich schneller als mit der mit dem Stift zu bedienenden normalen Bildschirmtastatur. Sicherlich
für den unbedarften Benutzer eine Gewöhnung, aber einen Versuch wert.
Weniger Begeisterung erweckt das Online-Handbuch, das in Form einer PDF-Datei mitgeliefert wird. Die Konfiguration
der Programmstarttasten beispielsweise findet keine Erwähnung, der Benutzer ist auf seinen Forscherdrang angewiesen
um herauszufinden, dass die Anwendung "Magic Keyboard" hierfür verantwortlich ist.
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