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Es ist immer ein gutes Zeichen für die Plattform, wenn ein Hersteller, der dem Windows Mobile-Markt den
Rücken zugekehrt hat, wieder "zurück kommt". Im Falle von Toshiba war das Verhältnis zu
Windows Mobile schon ein wenig wechselhaft: Mit viel Vorschusslorbeeren bedacht war man vor einigen Jahren mit
einigen Modellen gestartet, hatte mit der e8xx-Serie sogar ein beliebtes Modell im Portfolio, irgendwann aber versiegte
der Modellreigen und der Ausstieg wurde erklärt. Eine echte Erklärung war nicht zu finden, nur der schale
Nachgeschmack einer Abkehr von einem Markt, der gerade erst in ein rapides Wachstum übergegangen war.

Im Frühjahr 2007 dann der Paukenschlag: Sowohl ein Windows Mobile-Smartphone als auch ein Pocket PC mit
Telefon sollten auf den Markt gebracht werden, beide mit Fingerabdruckscanner, UMTS/HSDPA, Bluetooth und WLAN.
Mit dem Protégé G500 ist nun besagtes Smartphone auch in Deutschland auf dem Markt und stellt sich
meinem Praxistest.
Eine grundsätzliche Anschaffungshürde bringt das G500 mit seinem Betriebssystem mit sich. Windows Mobile
6 ist seit Monaten auf dem Markt und in fast allen neuen Geräten verfügbar, trotzdem hat Toshiba die
Entscheidung getroffen, ihm Windows Mobile 5 mitzugeben, ein WM6-Update ist nicht angekündigt und damit eher
zweifelhaft.

Auf der Habenseite hat das G500 allerdings einige Alleinstellungsmerkmale: Es ist das erste Windows Mobile Smartphone,
das den UMTS-Datenturbo HSDPA unterstützt, das erste Slider-Smartphone mit Windows-Betriebssystem und ebenfalls
das erste Smartphone mit biometrischem Scanner.
Die Verarbeitung des Gerätes ist ordentlich, auch wenn es ein wenig zu sehr nach Plastik aussieht. Dafür
ist es extrem stabil und robust, nichts wackelt oder hat zu viel Spiel. Die Frontansicht weiß zu gefallen:
Mattschwarze Tasten, ein chromfarbener Ring um das Steuerkreuz, die schwarz glänzende Umrandung des Displays,
all das wirkt edel. Schiebt man mit dem Daumen das Display nach oben, dann erscheint darunter eine große,
mattschwarze Nummerntastatur, die dem G500 eben das Aussehen eines echten Telefons gibt.

Der seitliche Blick auf das Gerät ist da schon weniger begeisternd: Das G500 ist ein Pummel und mit seinen
knapp 22mm Dicke deutlich "stämmiger" als alle Mitbewerber. Nun kann man sich trefflich streiten,
ob dies nötig ist oder nicht. Fest steht: kein anderes Gerät, ob Pocket PC oder Smartphone, hat mit diesen
Gehäusemaßen diese Menge an Funksendern integriert, und die brauchen nun mal Platz. In der Summe würde
man sich das G500 zwar dünner wünschen, auf der anderen Seite liegt es aber gerade durch diesen Formfaktor
hervorragend in der Hand.

Die (eher unspektakuläre) Rückseite des Geräts enthält nur die Linse für die 2 Megapixel-Kamera
und den "Blitz" (eine sehr helle LED, die aber nur im Nahbereich Wirkung zeigt). Dieser Teil ist schnell
abgehakt: Wie alle Kameras in Windows Mobile-Geräten ist sie allenfalls für Schnappschüsse geeignet,
nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut.

Interessanter wird die Rückseite, wenn die Tastatur sichtbar ist. Dann findet sich nämlich unter dem
Display der Fingerabdruckscanner. Wer auch immer das Handbuch und die Benutzerführung erstellt hat, er wusste
wahrscheinlich, was er tat... aber er hat es nicht geschafft, das auch mitzuteilen. Einen Hinweis, wie die so gepriesene
höhere Sicherheit des Telefons eingeschaltet werden kann, sucht man vergeblich. In den Einstellungen unter
"Sicherheit" kann jeder der 10 unterschiedlichen Finger eines Benutzers registriert werden, und in der
Applikation "Fingerlaunch" einer Anwendung zugeordnet werden. Man verzeihe mir die Deutlichkeit: Einen
größeren Blödsinn habe ich noch nicht erlebt. Erst muss die Anwendung gestartet werden (!!!) dann
streift man mit dem Finger über den Scanner, dann wird das dem Finger zugeordnete Programm gestartet. Könnte
man Fingerlaunch wenigstens speicherresident im Hintergrund laufen lassen und somit ab dem Zeitpunkt Programme
alleine durch den Fingerabdruckscanner starten, dann wäre ich ja noch verständig, aber wenn ich erst
ein Programm starten muss, um dann ein anderes Programm starten zu können, dann wird's für mich unlogisch.
 
Just an diesem Punkt war mein Drang, das G500 wieder einzupacken, fast übermächtig. Zumal in den Einstellungen
zur Gerätesperre nur Passwörter eingegeben werden können, der Fingerabdruck als Authentifizierungsmechanismus
überhaupt nicht erscheint. Gerade da aber lag für mich der Reiz des biometrischen Schutzes: Telefon sperren,
und keiner kommt mehr dran, und das ohne, dass ich mühsam über eine Nummerntastatur ein komplexes Passwort
eingeben muss. Gott sei dank war der Spieltrieb stärker, und so habe ich einfach mal ein komplexes alphanumerisches
Passwort konfiguriert und das Gerät sich sperren lassen. Und siehe da: ein Streichen eines beliebigen, bereits
registrieren Fingers entsperrt das Gerät: Slider aufschieben, linke Schultertaste drücken ("Entsperren")
und dann einen Finger über den Scanner ziehen, schon ist das Telefon entsperrt. Startet man es neu, gibt die
PIN ein, dann muss ebenfalls ein Finger oder das Kennwort verwendet werden, um das G500 verwenden zu können.
Damit bin ich wirklich glücklich: Wie oft liegt ein Telefon mit allen Terminen, Kontakten, Dateien, etc. offen
auf dem Tisch, und wie selten macht man sich wegen der umständlichen Passworteingabe die Mühe, es zu
sperren. Das G500 macht es leicht, die eigentlich selbstverständlichen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.
Und ganz nebenbei sorgt es immer wieder für Aufsehen, wenn man ganz locker mal eben den Finger über den
Scanner zieht... :-D

Bluetooth und WLAN (letzteres auch eher selten in Smartphones) funktionieren klaglos, und vor allem die Verwendung
des Bluetooth-Senders zeigt wieder einmal die Klasse von Toshiba: Über eine für den PC beiliegende und
auf dem G500 bereits installierte Software namens GoldKey kann ein beliebiger, mit einem Bluetooth-Sender ausgestatteter
PC automatisch gesperrt werden, wenn der Benutzer mit seinem G500 sich entfernt. Nach der Registrierung des G500
an einem PC kann dieser entweder manuell vom Telefon aus gesperrt werden, oder aber das Einschalten des Bildschirmschoners
oder das Sperren des PCs automatisch durchgeführt werden, wenn das G500 nicht mehr "sichtbar" ist.
Auch hier wieder eine Vereinfachung für den weniger sicherheitsbewussten Benutzer: Das Sperren des PCs vergisst
man schon mal, wenn man "nur mal eben" zur Toilette oder in die Kantine geht. GoldKey macht dies automatisch,
ohne Aufwand für den Benutzer.

Auf einem Smartphone UMTS oder gar HSDPA zu haben, ist für das Gerät alleine von der Wichtigkeit her
fraglich. Eher selten surft man im Internet, und der Bereich der Videotelefonie ist trotz dem Hype, den die Netzbetreiber
darum machen, nur eine Nischenanwendung. Wirklich nützlich ist es, wenn man ein Notebook daran anschließt
und das G500 als Modem verwendet: Aktiviert man im Telefon die Internet-Freigabe, so identifiziert sich das G500
als Zugangspunkt. Ein Anschließen an einen PC per USB-Kabel hat die selbe Wirkung wie das Einstecken eines
Netzwerkkabels in einen Router, es wird ohne weitere Konfiguration direkt eine Netzwerkverbindung angezeigt und
genutzt. Über Bluetooth bietet das G500 das Bluetooth-PAN-Profil (Personal Area Network) und gibt so ebenfalls
seine Internet-Verbindung weiter. Zur Ausnutzung der HSDPA-Geschwindigkeiten sollte man übrigens immer die
Kabel-Variante vorziehen, Bluetooth bremst auf Grund der eigenen, geringeren Übertragungsgeschwindigkeit.
Der 1200 mAh LiION-Akku hält mit moderatem Telefonieren, dauerhafter Datenverbindung zum Server mit Email
Push gute zwei Tage durch. Das ist kein Spitzenwert, aber trotzdem noch so erträglich, dass man sich ohne
Netzteil nach draußen wagen kann.
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