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Lange war es eine Hängepartie, bis der TomTom Navigator 5 tatsächlich erhältlich war. Zwar konnte
man schon Mitte 2005 Update-Versionen bestellen, aber bis diese dann auch erhältlich waren, ging einige Zeit
ins Land.
Endlich hat auch eine Version den Weg zu mir gefunden, und sich zusammen mit dem iPAQ hx4700 meinem Test gestellt.
Die Bilder unten stammen vom VGA-Screen, in dieser Darstellung ist die Positionsmarkierung kleiner als normal,
bitte nicht verunsichern lassen!.
 
Wer den TomTom Navigator 3 kennt, der wird auf den ersten Blick wenig Unterschiede feststellen, und das mag
ein Kritikpunkt an der Version 5 sein. Nichts desto Trotz: Einer der Hauptkritikpunkte an der mittlerweile schon
etwas betagten Version 3 war das "veraltete Kartenmaterial". Auch wenn sich Straßenführungen
nicht alle Nase lang ändern, mit der Zeit findet wohl jeder, der ein Navigationssystem nutzt, Ecken, an denen
sich etwas geändert hat, und oft genug gerät man dann in Stress. Der TomTom Navigator 5 hat nun mit Karten
aus dem zweiten Quartal 2005 endlich eine Navigationsbasis, die der Zeit entspricht.
Wer sich über die Versionsnummern wundert: Die Version 4 ist nicht ausgelassen worden, sondern war eine Zwischenversion,
die vor allem für das Navigationsbundle mit dem HP iPAQ 1710 verwendet wurde. Diese hatte die performanceoptimierte
Engine des TTN5, Optik und Karten waren aber noch vom TTN3. Ganz nebenbei hat man mit dieser Wahl der Versionsnummern
auch den Erzkonkurrenten Navigon wieder eingeholt, der damals den Mobile Navigator|3 "ausgelassen hatte"
und von Version 2 auf Version 4 gegangen war.
 
Wie gewohnt muss der TTN5 nach Installation aktiviert werden. Der PDA gibt dazu einen Gerätecode aus, der
in Verbindung mit dem CD-Key über http://www.ttcode.com zur Generierung des Freischaltcodes benötigt
wird. Die Lizenz, die bei Kauf erworben wird, erlaubt die Nutzung nur auf einem System, allerdings war beim TTN3
eine Zweitaktivierung direkt auf der Webseite möglich. Dies ist beim TTN5 zumindest nach momentaner Erfahrung
nicht möglich. Das vorgeschriebene Verfahren ist (beispielsweise bei einem PDA-Wechsel) der Weg über
den TomTom Kundenservice.
Nach Freischaltung führt der TTN5 den Benutzer durch die verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten bis
hin zur Auswahl und Konfiguration des verwendeten GPS-Empfängers. Im Test sowohl mit dem internen Empfänger
des iPAQ hw6515 als auch mit einem iPAQ hx4700 und dem Royaltek RBT2001 als externem Bluetooth-Empfänger kinderleicht
zu handhaben. Dafür wurde dann allerdings auch darauf verzichtet, TomTom GPS als eigenes, separates Programm
beizulegen, in den Einstellungen des TTN5 findet sich nur noch die Basisfunktionalität: Anzeige der empfangenen
Satelliten, deren Position und Stärke, konfiguriert werden kann nur noch, in welcher Form die Koordinaten
angezeigt werden sollen (Grad, Grad/Minuten, Grad/Minuten/Sekunden). Das hat für den "Normalanwender"
Vorteile, weil er nicht mehr wissen muss, welcher Port nun beispielsweise von einem Bluetooth-GPS verwendet werden
soll. Ein Wechsel zwischen unterschiedlichen Empfängern auf einem PDA fällt damit allerdings schwer....
was aber natürlich nicht der Standardfall ist.
 
Erster Schritt der Einrichtung sollte die Festlegung des Heimatortes sein: Statistische Erhebungen sagen, dass
fast jede zweite Fahrt nach Hause erfolgt.... ;-) In den Einstellungen gibt es dazu einen eigenen Menüpunkt,
danach ist der Heimatort direkt im Zielwahldialog anwählbar. Ein Quantensprung zur Umständlichen Einrichtung
als "erster Favorit" in den Vorgängerversionen.
Grundsätzlich hat sich an der Bedienung des TTN5 und seiner Darstellung nicht viel geändert. 2D- und
3D-Ansicht, die bei anderen Systemen mittlerweile leider oft entfallene Pfeilansicht (also komplett ohne Kartendarstellung),
Tag- und Nachtmodus, konfigurierbare Statusleiste (mit Informationen wie verbleibende Fahrzeit, geschätzte
Ankunftszeit, Fahrtstrecke, Geschwindigkeit, etc.). Die Darstellung auf dem Bildschirm ist auch auf schwachen Prozessoren
hinreichend schnell und flüssig, die Kartendarstellung durch unterschiedliche Designs anpassbar und übersichtlich.
Die Zieleingabe kann wie gewohnt über die Favoriten (also gespeicherte Adressen), die Auswahl von Points of
Interest, die Eingabe einer Adresse erfolgen. Richtig schnell und schön funktioniert die automatisch mit installierte
Integration mit Outlook: Geht man in den Kontakten ins Kontextmenü, so finden sich dort zwei neue Menüpunkte:
"In Karte anzeigen" und "Navigieren". Hat ein Kontakt mehr als eine Adresse, so kann noch eine
Auswahl getroffen werden, dann werden die Daten nahtlos an den TTN5 übertragen und er nutzt sie weiter.
In den Planungseinstellungen kann festgelegt werden, ob die schnellste, die kürzeste, eine Autobahn-freie
Route, aber auch reine Planung für Fußgänger oder Fahrradfahrer. Gerade letzteres ist hochinteressant
für Nutzer von PDAs mit integriertem GPS bzw. in Verbindung mit einem Bluetooth- oder CF-GPS. Und endlich
kann die Wahl auch direkt bei Planung der Route in einem zusätzlichen Dialog vorgenommen werden!
Im Zuge der in Europa immer weiter um sich greifenden Seuche "Maut" hat TomTom dem TTN5 ebenfalls einen
eigenen Dialog für die Vermeidung von Mautstrassen spendiert, so kann konfiguriert werden, dass diese immer
vermieden, verwendet werden oder im Einzelfall bei der Planung gefragt wird.
 
Neu hinzugekommen ist eine Funktionalität, die bei den Vorgängerversionen gerne genutztes Zusatztool
war: Ein POI-Warner. Man schaut vernünftigerweise während der Fahrt nicht ständig auf das Display
des PDAs, und so kann es geschehen, dass man an einem wichtigen Ort von Interesse vorbeifährt, ohne ihn zu
bemerken. In den POI-Einstellungen kann nun aktiviert werden, dass eine "Warnung" ausgesprochen wird,
wenn man sich einem solchen Punkt nähert. Das macht vor allem Sinn, wenn man es auf Orte, wo vorsichtiges
Fahren angebracht ist, anwendet: Schulen, Kindergärten, etc., auch ein vorsichtiger Fahrer übersieht
im Innenstadtverkehr mal ein Warnschild, und hier bietet sich zumindest ein zusätzlicher Aspekt. Was aber
Radarfallen angeht.. siehe unten... ;-)
 
Ebenfalls neu: Die Lautstärke der Stimmanweisungen kann geschwindigkeitsabhängig eingestellt werden.
Aus dem empfangenen Positionssignal wird sowieso die Geschwindigkeit extrahiert (die ja auch in die Statusleiste
einblendbar ist), diese wird dann dazu verwendet, die Stimmanweisungen bei höheren Geschwindigkeiten lauter
zu machen. Der Vorteil: Mann muss die Voreinstellungen nicht so laut wählen, dass man den Ton auch bei hohen
Geschwindigkeiten noch hört (und damit im Stadtverkehr fast angeschrieen wird).
Während der Navigation ist der TTN5 stabil wie gewohnt. Die Strecken werden auch für den ortskundigen
Fahrer nachvollziehbar geplant, verlässt man die Route, dann erfolgt eine sinnvolle Neuplanung fast unmerklich,
die Sprachanweisungen sind relativ präzise , etc.
Bei schnell aufeinander folgenden Abbiegungen werden diese in einem Rutsch angesagt ("In 200 Metern links
abbiegen, dann sofort rechts abbiegen", auf dem Display werden in einer solchen Situation auch beide Pfeile
visualisiert.
Alles in allem also ein verlässliches, stabiles und funktionales System, das in der Praxis eine sichere Navigation
mit aktuellem Kartenmaterial erlaubt. Allerdings sind einige Merkmale im positiven wie negativen unterschiedlich
zur Konkurrenz:
TomTom hat es trotz der Wahl des Europa-Kartenmateriales immer noch nicht geschafft, ein echtes grenzübergreifendes
Routing zu realisieren. Kann man beispielsweise beim Mobile Navigator von Norddeutschland nach Süditalien
ohne Wechsel der Karte navigieren, so ist das beim TTN5 nur bedingt möglich. Übergreifendes Kartenmaterial
steht zur Verfügung, in dem man Städte anderer Länder und deren grosse Strassen findet, will man
aber eine Detailnavigation mit vollem Informationsbestand durchführen, dann muss immer noch die Karte gewechselt
werden. Für einen Grossteil der Benutzer ist das vollkommen egal, für die wenigen Ausnahmen, dass man
ins Ausland fährt, ist der Aufwand handhabbar, für Bewohner von Grenzgebieten (beispielsweise Krefeld
in der Nähe von Holland und Belgien) nichts desto Trotz unschön.
 
Ebenfalls nicht integriert ist die Verwendung von TMC-Mäusen, um dynamisch navigieren zu können. Dies
mag auf der einen Seite ein Nachteil sein, auf der anderen Seite führt es genauso zu einer der Stärken
des TTN5, den "TomTom Plus" genannten Zusatzdiensten:
Bekommt man im Paket schon eine Fülle von Funktionen, so hat TomTom jetzt die Zahl der Zusatzdienste deutlich
erweitert. TomTom Plus beinhaltet folgende einzeln buchbaren, teilweise kostenpflichtigen Optionen, die einmalig
für einen Monat gratis getestet werden können:

TomTom Traffic: wie schon die Vorgängerversion bietet der TTN5 den Zugriff auf Echtzeit-Verkehrsinformationen
über einen zentralen Server für verschiedene Länder. Je nach Konfiguration des Services (der direkt
integriert ist) wird bei einer Routenplanung eine GPRS-Verbindung aufgebaut (entweder per internem Modem bei PPCPE-Devices
oder per Bluetooth mit einem Mobiltelefon in Reichweite) und die aktuelle Meldungsübersicht heruntergeladen.
Die Meldungen können dann automatisch in die Planung mit aufgenommen werden oder manuell betrachtet und dann
integriert werden. Im Display des PDAs werden die Störungen dann noch mal grafisch mit einem Entfernungsbalken
angezeigt.
Der Vorteil. Im direkten Vergleich sind sie aktueller als die über TMC bezogenen, allerdings sollte man eines
beachten: Bei TMC werden die Meldungen gepushed, sind also ohne eigene Aktivität da, TomTom Traffic hingegen
zieht sich die Informationen vom Server, das muss regelmäßig geschehen (das Zeitintervall ist konfigurierbar).
Dabei ist einzukalkulieren, dass der Service doppelt kostet: Zum einen im Jahresabo erst einmal EUR 39,95, zum
anderen natürlich für jeden Abruf die Transportgebühren für GPRS-Pakete des Netzbetreibers.
Es empfiehlt sich bei echter Nutzung in jedem Fall, einen kleinen GPRS-Volumentarif abzuschliessen.
 
TomTom Weather ruft die aktuellen Wetterinformationen eines beliebigen Zielortes ab (die Auswahl findet über
den normalen Zieleingabedialog statt), und erfreulicherweise ist dieser Service (bis auf die Transportleistung)
kostenlos. Ein detaillierter Wetterbericht des Zielortes kann so manche Enttäuschung wegen ungeeigneter Kleidung
vermeiden....
Diverse Gestaltungs- und Update-Möglichkeiten: Besonders die (außer der Transportleistung kostenfreien)
automatische Update-Funktion begeistert. Man muss nicht mehr warten, bis man zuhause an den PC kommt, sondern kann
ein Update direkt von unterwegs aus durchführen.

Meine Lieblingsfunktion (die für mich ganz eindeutig die Ausrichtung dieses Blocks als "Entertainment"
zeigt) ist die der "Prominentenstimmen". Sei es Boris Becker, Franz Beckenbauer oder Enie van de Meiklokjes,
alle haben ihre Eigenarten und Formulierungen. Für EUR 4,95 kann man trefflich über den Wert diskutieren,
aber wenn meine Enie mich anmault "Oh Gott? Wo fahren Sie denn hin?! Wir müssen wenden!" (wenn ich
die Strecke verlasse), dann macht das einfach nur Spaß und wertet die Benutzung des Systems einfach auf.
Und wenn Enie am Ende einer Fahrt seufzt "Endlich zuhause... Daaaanke!", dann hat man wirklich das Gefühl,
zuhause angekommen zu sein....
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