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HTC ist nicht nur bei den Verkaufszahlen der absolute Marktführer, sondern auch im Zusammenhang mit der
Zahl der auf den Markt gebrachten Modelle. Ganz ohne Nachteil ist dies aber nicht: Manchmal vermisst der dauernde
Rezensent ein wenig die Unterschiede der Modelle, die sowohl vom Design als auch von der Funktionalität her
oft marginal sind. Vorbei sind die Zeiten, in denen schon die Ankündigung eines neuen Modells die Hände
feucht werden ließ.

So war der HTC Kaiser zwar von den Leistungsdaten her das Modell, dass die perfekte Kombination von geringer
Größe und Gewicht und trotzdem maximaler Leistungskraft versprach: UMTS/HSDPA (3.5G), Bluetooth, WLAN,
eine integrierte Tastatur, ein klappbares Display, eine 3MPix-Kamera hinten und eine VGA-Kamera für Videotelefonie
vorne, und als Höhepunkt ein integriertes GPS. Die Euphorie nach dem Erhalt der Versandbestätigung blieb
allerdings aus, und somit war die "Begeisterungsschwelle" recht hoch angesetzt.
Und doch: HTC hat es geschafft, diese zu überspringen, und dies weit problemloser, als ich gedacht hätte.
Wer HTC für einen Billigproduzenten, einen Massenanbieter hält, der hat zwar von den verkauften Stückzahlen
her recht, nicht aber von deren Anspruch an Design und Präsentation. Seit einiger Zeit kommen die HTC-Geräte
in hochwertigen, mattschwarzen Verpackungen, die alles andere als "Pappkartons" sind. Eher erinnern sie
an die Apple-Verpackungen, die weltweit frenetisch verzückte Käufer dazu veranlassen, das Auspacken eines
neuen Gerätes zu einem filmenswerten Event zu machen. Gar so "schlimm" ist es bei HTC nicht, aber
im Gegensatz zu den normalen Kartons sind die dicken, magnetisch verschlossenen Kästen, in denen das Gerät
in schwarzem Moosgummi ruht, eine Freude für das Auge und lenken das Empfinden vom rein technischen Reiz auf
ein rundes Gesamtbild.

Beim Design des Gerätes hat man sich für eine Mischung der Elemente früherer PDAs entschieden:
die mattgraue Deckenplatte des Cosmo, die glänzende Plastikoberfläche des P3600, die gummierte Akkuabdeckung
des Touch und die in hellerem grau schimmernden Tasten rund um das Steuerkreuz, das gibt in der Summe ein ansprechendes
Gerät, das gut in der Hand liegt und so anders als andere Pocket PCs wirken lässt, ohne, wie man vermuten
könnte, allzu sehr nach Patchwork auszusehen.
Bei der Vorbereitung des Geräts für den ersten Einsatz kommt die nächste Freude auf: weder die SIM-Karte
noch die Speicherkarte befinden sich unter dem Akku, und sind so schnell wechselbar, ohne den Akku entnehmen zu
müssen. Gerade im Zusammenhang mit der Speicherkarte ist es ein oft erlittenes Ärgernis, nicht mal eben
bei laufendem Gerät eine andere Karte einlegen zu können.
Apropos SD-Karte: Wie alle neuen Geräte verwendet der TyTN II micro-SD-Karten, der Slot ist SDHC-fähig,
kann also auch die neuen 4GB- und 6GB-Karten lesen. Damit bleibt selbst bei Nutzung eines Navigationssystems mit
Europa-Karte noch massiv Platz für MP3s, Filme und andere Mediendateien. Der Tatsache Rechnung tragend, dass
der Wechsel der Speicherkarte recht oft geschehen kann, befindet sich der Slot direkt am vorderen Ende des Gerätes
und ist gleichwohl schnell zugänglich als auch durch eine stabile Plastikklappe gut geschützt.

Hat man dann alle Vorbereitungen getroffen und schaltet das Gerät das erste Mal ein, dann wird auch dies
(trotz der sowieso schon hohen Standards von HTC) zu einem Erlebnis. In der Werkseinstellung ist die Displayhelligkeit
nur auf 50% eingestellt, wenn der TyTN II im Batteriebetrieb läuft, selbst das aber ist schon so stark, dass
es die Displays von Konkurrenzgeräten um deutlich schlägt. Und dies trifft nicht nur die Helligkeit,
sondern auch die Schärfe und den Kontrast. Drinnen und bei normalen Lichtverhältnissen auch draußen
ist es hervorragend lesbar, nur bei strahlendem Sonnenschein wird es ein wenig schwer, Schattierungen (wie beim
grau-schwarzen Homescreen) zu unterscheiden.
Der TyTN II erkennt die eingelegte SIM-Karte und startet eine automatische Konfiguration des Geräts, sodass
keinerlei Kenntnis der Zugangsdaten und technischen Informationen (wie APN für GPRS/UMTS) nötig ist.
Zumindest bei den vier großen deutschen Netzbetreibern funktioniert dies problemlos.

Nach der Selbstinstallation wird der schon vom HTC Touch bekannte schwarz-graue Heute-Bildschirm mit dem HTC-Plugin
automatisch angewählt. Dieses enthält alle wichtigen Informationen: Das Netz, die aktuelle Zeit, die
Zahl der neuen Emails/SMS/MMS und entgangenen Anrufe als Informationen rund um das Telefon, ein Wetter-Plugin,
das von einer festlegbaren Stadt das aktuelle Wetter und die Fünftages-Vorhersage enthält, eine Bildkurzwahl,
mit der die wichtigsten Kontakte direkt über das Antippen ihres zum Kontakt gespeicherten Bildes angerufen
werden können und eine ebenso grafische Leiste, in der die wichtigsten Programme abgelegt und aus der sie
gestartet werden können.
Dieses Plugin hatte mich schon beim Touch begeistert, denn durch seine Größe und den Informationsgehalt
können viele Standardaufgaben schnell und intuitiv ohne Zuhilfenahme des Stiftes gelöst werden. Wem es
zu viel Platz wegnimmt, der deaktiviert es einfach, für die Vielzahl der Benutzer wird es aber ein willkommenes
Tool sein. (bile)

Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die Positionierung des Stiftes. Statt ihn oben rechts zu platzieren,
wo ihn viele Anwender intuitiv suchen, befindet er sich unten rechts. Betreibt man das Gerät im Hochformat,
dann ist das kein Problem und einfach eine Frage der Gewöhnung. Nutzt man aber die Tastatur und damit den
TyTN II im Querformat, dann ist dies (zumindest für den Rechtshänder) ungünstig, denn die Halterung
ist dann mit der rechten Hand kaum erreichbar.

Eine der großen Neuerungen ist das klappbare Display. Es ist mittlerweile nicht unüblich, eine Tastatur
unter dem Display zu verstecken und diese bei Bedarf ausschieben zu können. Allerdings hat dies immer ein
wenig den Nachteil, dass man das Gerät immer in der Handhalten muss, legt man es hin, dass ist das Display
nicht mehr lesbar. Der TyTN II greift dieses Problem auf und ermöglicht es dem Benutzer, das Display nach
oben zu klappen, wenn die Tastatur voll aufgeschoben ist. Der TyTN II sieht dann aus wie ein winziges Notebook.
Der unbestreitbare Vorteil: Gerade immer wieder unterbrochenen Kommunikationen wie beim Chat via Windows Live oder
bei schnell aufeinander folgenden Mails muss man sich so nicht anstrengen, das Display sehen zu können, sondern
kann es bequem aufgeklappt liegen lassen und so den Eingang neuer Nachrichten verfolgen.

Kleines Manko dabei: ist das Display maximal aufgeklappt, dann wird der Zugriff auf die obere Reihe der Tasten
mit den Daumen schon ein wenig schwierig. Zum Schreiben mit den Fingern (wie bei einem Notebook reicht es aber
allemal.
Wie so oft finden sich die Umlaute nicht direkt auf der Tastatur, sondern werden durch Drücken des zu Grunde
liegenden Buchstabens (z.B. a) und dann der Fn-Taste und der Leertaste erreicht. Das klingt deutlich komplizierter
als es tatsaechlich ist und ist nach kurzer Gewöhnung schnell gelernt. Auch die Verwendung der Tastatur mit
den beiden Daumen ist ein reiner Gewöhnungsakt, schell findet man die Tasten schon blind.
Was mich absolut fasziniert hat, auch wenn es eher ein kleines Schmankerl ist, ist WorldCard, eine Anwendung, die
in Kombination mit der integrierten Kamera des TyTN II aus einer fotografierten Visitenkarte einen Kontakt macht.

Starten Sie das Programm, legen Sie eine Visitenkarte auf Tisch, Tippen Sie auf das Symbol für die Erfassung
und richten Sie den Bildausschnitt so aus, dass er nur den Text der Karte erfasst. Fotografieren Sie, gehen Sie
zurück in die Anwendung und lassen Sie die Erkennung starten.

Wenn Sie sich genau daran halten und tatsaechlich nur die Textfelder erfassen und beim Auslösen nicht verwackeln
(Dinge, die man schnell heraus hat), dann ist die Erkennungsrate nahe 100 Prozent. Absolut faszinierend und vor
allem für den Firmenanwender ein unbezifferbarer Produktivitätsgewinn, müssen doch die Daten der
in Scharen einfließenden Visitenkarten nicht mehr mühsam eingegeben werden, sondern bequem eingescannt
werden.

Was mich im Zusammenhang mit den Datendiensten überrascht und gefreut hat, ist die Tatsache, dass der TyTN
II sich nicht nur über die Internet-Verbindungsfreigabe, sondern auch durch normale Anwahl wie ein Modem nutzen
lässt. So kann er in der Tasche bleiben und ohne zusätzliche Tätigkeit für ein Notebook als
Breitband-Internetzugang dienen. Bei den meisten anderen WM6-Geräten muss stattdessen manuell die Internetfreigabe
gestartet werden.

Schliesslich versieht das integrierte GPS, das unsichtbar im Inneren des Geräts wirkt, seinen Dienst problemlos
und ohne Fehl und Tadel. Sowohl der TomTom Navigator als auch der Mobile Navigator 6 funktionieren auf Anhieb und
können auch bei schlechten Umgebungsbedingungen mit stabiler Positionsbestimmung und schnellem Fix überzeugen.
Wem das nicht reicht, der kann durck Lösen der Abdeckung hinten am Deckel dann auch noch eine optionale externe
Antenne anschliessen.
Ärgerlich, weil ein Stückweit eine Mogelpackung ist die Angabe "mit TomTom Navigator", denn
tatsächlich ist zwar die Anwendung dabei, allerdings darf man sich nur einen kostenlosen Stadplan heunterladen,
"echtes" DACH- oder Europa-Kartenmaterial muss man (allerdings vergünstigt) kaufen.
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