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Über die überbordende Modellflut aus dem Hause HTC hatte ich ja bereits mehrfach berichtet. Meist
sind die Geräte dann bei verschiedenen Anbietern unter unterschiedlichen Namen erhältlich, vom Design
her (bis auf die Brandings) aber gleich. Beim HTC Artemis ist dies ein wenig anders. Das Basismodell Artemis wird
von HTC direkt als P3300 und von T-Mobile als MDA Compact III vertrieben, O2 hat für sein Modell, den XDA
Orbit, ein anderes (und aus meiner Sicht deutlich gefälligeres Design) anfertigen lassen. Getestet wurde der
Orbit, von den technischen Daten her ist dieser aber mit den anderen Geräten identisch.

Es ist immer wieder spannend, dass es zum einen immer wieder Geräte gibt, die ein Alleinstellungsmerkmal
gegenüber anderen haben, zum anderen aber scheinbar kein Gerät, das alle Features, die möglich sind,
in sich vereint.
Der XDA Orbit ist auf den ersten Blick ein schwarzer MDA Compact. Die Gehäusemasse sind fast identisch, auch
die Form, Displaygrösse, etc. sind zu T-Mobiles erstem Mini-Telefon-PDA verblüffend ähnlich. Erst
auf den zweiten Blick fällt das modifizierte Steuerkreuz ins Auge: HTC hat mit dem ROLLR (auch hier wieder
die HTC-typische konstruktive Namensgebung unter Auslassung von Vokalen) einen Trackball integriert, wie man ihn
von PC-Hardware kennt: statt des Steuerkreuzes findet sich unter dem Display ein kleiner, bei Benutzung blau aufleuchtender
Ball. In der Standardkonfiguration wird dieser genau wie das Steuerkreuz verwendet: Nach unten rollen bewegt die
Markierung durch Menüs, Rollen nach links/rechts bewegt diese zur Seite. Spannender wird es aber, wenn man
in den System-Einstellungen den Mausmodus aktiviert: Dann erscheint auf dem Display des Orbit tatsächlich
ein echter Mauszeiger, der sich mit dem Trackball frei über das Display bewegen lässt und durch Drücken
des Balls in der Mitte das Element unter dem Mauszeiger auswählt. Keine Frage, dies ist sehr gewöhnungsbedürftig,
aber nach kurzer Zeit ist der Orbit damit tatsächlich "einhandbedienbar", ein Anspruch, der von
"normalen" Anwendern (also Leuten, die ein Windows Mobile Gerät erst einmal als Telefon sehen und
die Nokias und SonyEricssons dieser Welt gewöhnt sind) immer wieder gestellt wird.

Um den Trackball herum befindet sich eine runde Einfassung, die durch Drehen ebenfalls zum Rollen durch Menüs
verwendet werden kann. Hier muss man ein wenig aufpassen: Ist der Mausmodus aktiviert, dann kann man zwar damit
zum gewünschten Element springen, drückt man dann zur Auswahl aber den Trackball, dann wird trotzdem
das Element unter dem Mauszeiger ausgewählt (der damit nicht bewegt wird).

Der zweite Blick offenbart neben den mittlerweile standardisierten Hardwaretasten für Startmenü, Rufannahme
und -ablehnung, OK, den Internet Explorer und die beiden Softkeys unten im Display eine weitere Taste, die direkt
zum vorinstallierten TomTom Navigator (DACH, also Deutschland, Österreich und Schweiz) führt. Das alleine
ist nett, aber nicht besonders... der Grund dafür aber schon: Der XDA Orbit hat einen hervorragenden SiRFIII-GPS-Empfänger
integriert, ein Novum bei einem so kleinen Gerät. Bisher war das Mitac MIO A701 der kleinste PDA mit integriertem
GPS, diese Stellung geht jetzt an den Orbit über.

Was mich dabei besonders begeistert: auch ohne herausstehende Antenne ist der Empfang vorbildlich: die Position
wird rasend schnell gefunden, auch bei einem Abriss der Verbindung ist sie sehr schnell wieder aktualisiert. Ersteres
kann man noch auf die von TomTom verwendete softwarekomponente "QuickFix" schieben: Diese lädt die
aktuellsten Satellitendaten der zuletzt erkannten Position per GPRS vom Server und vermeidet das zeitaufwändige
Auswerten des Satellitenalmanachs, wenn das Gerät resettet wird.
Die "Reaquisition Time", also die Bestimmung der Position nach einem Tunnel, etc., ist aber alleine
durch den Empfänger definiert, hier liegt beispielsweise ein FSC LOOX T830 im Vergleich weit hinten.
Dritte Besonderheit ist das integrierte Radio (nein, KEIN Satellitenradio! :). Hier ist meine Begeisterung schon
ein wenig eingeschränkter, denn zum einen benötigt man dazu das beiliegende Headset als Antenne (was
ich durch diverse Bluetooth-Headsets nie dabei habe), zum anderen ist der FM-Tuner leider ohne RDS, sodass man
nur Frequenzen, aber keine Sendernamen sieht.

Nichts desto Trotz eine nette Ergänzung, die in der Bahn nützlich sein kann. Der Ton kann (bei angeschlossenem
Headset) sogar auf die Außenlautsprecher gelegt werden, was den Orbit dann zu einem "echten" Radio
macht.
Die weiteren Leistungsdaten sind quasi Standard: 128MB ROM, 64MB RAM, WLAN 802.11 b/g, Bluetooth, GSM, GPRS, eine
2Mpix-Digitalkamera (wie immer gut für Schnappschüsse, aber kein Ersatz für eine echte Digitalkamera).

Wie die Vielzahl der "modernen" Geräte hat auch der Orbit einen microSD-Slot, eine 512MB-Karte
mit dem TomTom Navigator und dessen Kartenmaterial liegt dem Gerät bereits bei. Durch die hohe Integration
der Komponenten hat dieser keinen Zugang von außen, sondern befindet sich unter der SIM-Karte, die wiederum
unter dem Akku liegt. Unproblematisch auf der einen Seite, auf der anderen ziemlich hakelig und in sofern nicht
dafür geeignet, die Karte häufiger zu wechseln.

Für mich immer wieder ein wenig frustrierend: bei all den tollen Funktionen spart man sich bei solchen
Geräten UMTS. Das mag für den "Normalbenutzer" kein Problem sein, auch GPRS ermöglicht
es, remote zu synchronisieren, Mails abzufragen und zu schreiben, etc., für den Poweruser, der beispielsweise
auch sein Notebook über seinen PDA ins Internet bekommen möchte, ist dies ein Manko. Zumal es ja nun
mittlerweile genug Geräte gibt, die im UMTS-Netz funken können und damit die Machbarkeit unter Beweis
stellen.
Betrieben wird der Orbit durch einen 201MHz OMAP850-Prozessor, was der Klasse der Kompakt-PDAs angemessen ist,
im Hinblick auf die Positionierung als Navigations-Gerät aber schon ein wenig knapp bemessen scheint.
Spannenderweise ist das Navigieren sowohl mit dem TTN6 als auch mit dem Mobile Navigator|6 performant, einzig in
der Navigation im Startmenü und den Programmen merkt man ab und an mal die eine oder andere Verzögerung.
Damit kann man leben...

Der 1200mAh-LiION-Akku schafft bei normaler Benutzung gute zwei Tage Betriebsdauer, im Testsetup wie immer mit
stehender GPRS-Verbindung und Email-Push. Die Verwendung des GPS- und des WLAN-Moduls haben natürlich direkten
Einfluss darauf, aber auch bei einer guten Stunde Navigieren ohne Stromanschluss und Sync und Surfen über
das WLAN abends bleiben noch ca. 30% am Ende eines Tages übrig.
Der Lieferumfang des Orbit ist üppig: Neben dem USB-Kabel, dem Netzteil, einer Tasche (ausnahmsweise mal nicht
als Holster-Gürteltasche, sondern in "Buchform"), den Handbüchern und CDs liegt ihm alles bei,
was man zur Navigation benötigt: eine Autohalterung, die der Form des Geräts angepasst ist und somit
edler wirkt als die ewigen Klemmbackenhalterungen, ein Schwanenhals mit Saugnapf, an dem sie befestigt wird, ein
Adapter, das aus dem Sync-Kabel ein Kfz-Ladekabel macht, ein Ersatzstift, die 512MB microSD-Karte (mit dem TomTom
Navigator und dem Kartenmaterial von Deutschland, Österreich und der Schweiz), zusätzlich dazu noch die
entsprechenden TomTom CDs. Die Aktivierung kann bei bestehender Internet-Verbindung direkt am Gerät erfolgen,
dieses baut die Verbindung zum TomTom-Server auf und schaltet die Software nach Eingabe des Produktkeys, der auf
einer Karte beiliegt, frei.
 
Apropos Stift: Der Orbit hat für mich den ersten Stift, den ich ungeschickt wie ein Stäbchen beim
Chinesen halte: sehr kurz, dünn und flexibel und damit sehr gewöhnungsbedürftig, wenn man mittels
Transcriber oder Buchstabenerkenner Daten eingibt.
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