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Ich habe mich in den vergangenen Monaten oft beschwert, dass die Zahl der neuen PDAs recht hoch ist, aber die
Neuerungen, die diese Geräte mitbringen, nicht wirklich zu Begeisterungsstürmen finden.
Um so erfreulicher ist es, wenn endlich ein Gerät auf den Markt kommt, dass in mehrerlei Hinsicht eine Premiere
darstellt.

Der XDA Trion (neuerdings auch direkt von HTC als HTC TyTN vertrieben) ist der Nachfolger des XDA mini S und
ist bis auf die Farbgebung auf den ersten Blick sehr ähnlich. Bei genauerem Hinschauen aber fällt als
erstes die kleine Kamera auf der Vorderseite auf, die für Videotelefonie gedacht ist, plus der entsprechenden
Hardwaretaste. Und das bringt uns zum ersten technischen Unterschied: Der Trion ist nicht nur (nach dem MDA Pro)
der zweite Pocket PC Phone Edition mit UMTS, sondern sogar der erste PDA überhaupt mit dem Datenturbo HSDPA,
der die Übertragungsraten des UMTS-Netzes (soweit verfügbar) noch mal massiv erhöht. Nun mag man
argumentieren, dass es bei dem 320*240 auflösenden Display eher eine Qual ist, im Internet zu surfen (aus
meiner Sicht gewöhnt man sich sehr schnell daran), besonders interessant wird dies aber, wenn man den Trion
an einem Notebook als Modem benutzt, am besten über das Sync-Kabel, da Bluetooth bei den hohen Übertragungsraten
als Bremse dienen kann.

Die zweite, für mich lange überfällige Neuerung ist die Verwendung eines 802.11g-WLAN-Chips.
Schon länger sind die Chips selbst verfügbar, leider hat HTC erst jetzt den schritt gewagt, diese in
ein Gerät zu verbauen. Spannend dabei: An meinem LANCOM L54G-Router bucht sich der Trion ins WPA- bzw- WEP-verschlüsselte
Netzwerk ein, wird dort aber mit 11Mbit geführt. Ein kurzer Abstecher in die Registry löst das schnell:
Der Key, der die "Desired Transmission Rate" regelt, steht auf "Auto" (0), ändert man
diesen per Registry Editor auf 13 (den Wert für 54Mbit), dann kommen traumhafte Übertragungsraten zustande.
Im Gegensatz zu existierenden Tweaks für den MDA Pro, wo nur eine Simulation stattfindet, schlagen sich diese
auch tatsächlich in den Downloadraten nieder.

Eine Sache findet sich in allen möglichen Erfahrungsberichten: Ist der Trion (und auch der "echte"
TyTN) im UMTS-Netz eingebucht, dann wird er sehr warm, vergleichbar zur Erwärmung beim Laden. Auch mein erstes
Gerät zeigte diesen Effekt, nachdem es dann irgendwann plötzlich mit tiefenentladenem Akku darniederlag
und ausgetauscht wurde, bleibt mein Trion normal kühl im Betrieb, und das unabhängig von der Datenverbindung.
Da dies bei identischer Hardware, ROM-Version und Konfiguration (Programme, Netzbetreiber) zu beobachten war, bleibt
für mich nur der Schluss übrig, dass es sich um ein technisches Problem einzelner Geräte handelt.
Mein Tipp: Direkt ausprobieren und ggf. umtauschen, aus meiner Erfahrung ist O2 da sehr kulant. Einziger Punkt,
der hinterfragt wird: "Wie viel wurde mit dem Gerät schon telefoniert?".
Das beiseite, bietet der Trion viel Licht und wenig Schatten. Was mich persönlich ein wenig enttäuscht
hat: Bisher hatten alle XDAs/MDAs/VPAs eine Metalloberfläche, beim Trion ist es bis auf den das Display umfassenden
Rand Plastik geworden. Unempfindlich zwar, durch die zwischen Silber und Anthrazit liegende Farbgebung ansehnlich,
aber von der "Haptik" ein (kleiner) Schritt zurück.
Der Trion hat wie sein Vorgänger ebenfalls eine blau beleuchtete, aufschiebbare Tastatur, deren Verwendung
folgerichtig zum automatischen Drehen des Displays führt. Alle wichtigen Sondertasten finden sich dort, Umlaute
bekommt man, wenn man den Vokal und dann gleichzeitig die blaue Funktionstaste und die Leertaste drückt. Auch
die auf dem Gerät befindlichen Sondertasten, die die beiden Softkeys am Display auslösen, sind hier noch
mal untergebracht.

Leider ist auch der Schiebemechanismus subjektiv schlechter geworden: bei meinem mini S konnte ich das Gerät
aus der Tasche nehmen und einschalten, ohne die Tastatur versehentlich ein Stück zu entriegeln, beim Trion
schaffe ich das nicht.
Eine für mich von der Ergonomie her überzeugende Neuerung ist das Scrollrad an der Seite des Gerätes.
Ohne, dass man das Steuerkreuz verwenden muss, kann man schnell durch Dateilisten, Menüs, etc. durchrollen.
Die direkt daneben legende "Schliessen"-Taste erlaubt damit dann auch das Öffnen des Startmenüs,
und so kommt der Trion deutlich näher an eine "Einhandbedienung" als seine Konkurrenten.
Letzter Kritikpunkt aus meiner Sicht ist die Stabilität der Kalibrierung des Displays. Bei zwei Geräten
kam es mit schöner Regelmäßigkeit vor, dass plötzlich der rechte Scrollbalken nicht mehr mit
dem Stift zu bedienen war. Neukalibrierung, Problem gelöst, einige Stunden gearbeitet, und irgendwann selber
Effekt. Dies kommt nicht so häufig vor, dass es wirklich störend ist, ich habe es aber bisher bei keinem
anderen Gerät so erlebt.

Im Praxisbetrieb hat mich der Trion nachhaltig überzeugt: Verarbeitungsqualität, Displayhelligkeit
und Kontrast, die Anordnung der Bedienelemente, Größe, Gewicht und die Ausbalanciertheit des Gerätes
machen es zum perfekten Begleiter.
Mit dem 400MHz-Prozessor sind genügend Leistungsreserven vorhanden, um auch CPU-hungrige Applikationen laufen
zu lassen. Im Wechsel laufen bei mir der Destinator 6, der Mobile Navigator 5 absolut performant, Routenberechnungen
sind im Handumdrehen abgeschlossen, etc. Auch der Fernzugriff auf eine WLAN-Webcam über UMTS durch den View
Commander Mobile liefert eine Bildwiederholfrequenz, die ich sonst nur aus dem WLAN kenne.

In zwei Wochen Dauerbetrieb komme ich mit ständig stehender UMTS/GPRS-Verbindung und Email-Push (der Trion
hat natürlich das AKU2 von Windows Mobile 5.0 als Betriebssystem), durchschnittlichem Telefonieren plus Dauernutzung
von Kontakten und Terminen auf zwischen 1,5 und 2 Tagen Laufzeit. Da höre ich schon die Symbian-Fraktion aufschreien
"Mein Nokia XYZ und mein SonyEricsson K123 schaffen aber 8 Tage Standby!!". Das mag so sein (oder auch
nicht), aber eines muss klar sein: Ein Pocket PC mit einem hintergrundbeleuchteten, hochauflösenden Display
wird immer mehr Strom verbrauchen als ein Telefon. Nichts desto Trotz aber kommt man auch bei intensiver Nutzung
immer noch über den Tag, und das ist für mich der Kernpunkt.

Als Speicherkarte verwendet der Trion micro-SDs. Ich frage mich ernsthaft, was zu dieser Tendenz geführt
hat, denn diese Norm hat schon vor vielen Monden unter dem Namen "Transflash" im nie wirklich auf den
Markt gekommenen Motorola MPx den Durchbruch verfehlt. Gerade bei einem so "grossen" Gerät wie dem
Trion wäre locker Platz für eine mini-SD gewesen. So kann man leider seine im Laufe des PDA-Benutzer-Lebens
gesammelten SD- und mini-SD-Karten in die Digitalkameras der Verwandschaft verteilen und mal wieder eine neue Karte
kaufen. Besonders ärgerlich, da es aktuell im Handel nur micro-SDs bis zu einer Kapazität von 1GB gibt
und SanDisk gerade erst die erste 2GB-Karte angekündigt hat.
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